Jeremiath

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Jeremiath

Beitrag von Gwaihir am So Aug 13, 2017 7:08 pm

Vor drei Tagen hatte Jeremiath die Akademie der Magier in Silian erreicht und seinen Wunsch vorgetragen, zum Magier ausgebildet zu werden. Man hatte in freundlich aufgenommen und zu einem Magier namens Elowin geführt, dem Hochmeister der Pforte. Dieser war ein Arsani und erfüllte unglücklicherweise sämtliche Klischees die man sich über dieses Volk erzählte. Er war überaus arrogant den neuen Anwärtern gegenüber und behandelte sie, als wären sie niedere Wesen. Einen anderen Anwärter, der kurz nach Jeremiath die Akademie erreicht hatte, schickte er schon nach kurzer Zeit wieder nach Hause.
Obwohl Hochmeister Elowin scheinbar nicht viel von den Anwärtern hielt, verlangte er stets höchste Konzentration und Aufmerksamkeit von ihnen. Dadurch kam es auch, das Jeremiath bereits am Abend des zweiten Tag den ersten Zauberspruch erlernen konnte. Es war zwar nur ein recht einfacher und eher schwacher Feuerzauber, aber Jeremiath war trotzdem ein wenig stolz auf sich. Von Hochmeister Elowin konnte man das allerdings nicht gerade behaupten, für ihn schien es das mindeste zu sein das die Anwärter derart schnell lernten, weshalb er auch einen weiteren Anwärter, der sich etwas weniger geschickt anstellte, mit ziemlich unfreundlichen Worten der Akademie verwies.
Nun, am morgen des dritten Tages, fühlte sich Jeremiath alles andere als gut, denn jeden Tag von früh bis spät hochkonzentriert zu lernen und dabei der Arroganz des Hochmeister ausgesetzt zu sein, erwies sich als außerordentlich anstrengend. Nun saß er gerade wieder auf einem äußerst unbequemen Holzschemel vor einem eigentlich zu niedrigen Tisch und versuchte, sich eine Schrift über die Geschichte der Magie einzuprägen, als ihn die Stimme des Hochmeisters aus seiner Konzentration riss:
"He, Ihr da, Mensch! Kommt her!" vermutlich hätte der Hochmeister weniger arrogant geklungen wenn er einen Hund herbeigerufen hätte.

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Re: Jeremiath

Beitrag von KnigRhobarder am Mi Dez 13, 2017 8:44 pm

Jeremiath hatte Mühe, ein Stöhnen zurückzuhalten. Was immer der Hochmeister von ihm wollte, bei seiner offenkundigen Abneigung gegenüber den Magieranwärtern konnte es nichts erfreuliches sein. Er bemühte sich, sich den Verdruss nicht anmerken zu lassen, als er aufstand und schnellen Schrittes zu Elowin ging.
Auf eine Begrüßung verzichtete Elowin wie gewohnt: "Da ihr nicht völlig unfähig zu sein scheint." für Jeremiath klang das fast schon wie ein Lob "Habe ich einen Auftrag für euch. Nicht wirklich schwieriges selbstverständlich." er bedachte Jeremiath dabei mit einem herablassenden Lächeln.
Die Mischung aus Lob und Beleidigung herunterschluckend erwiderte Jeremiath, sich trotz seiner Abneigung um einen respektvollen Ton bemühend: "Was kann ich für Euch tun, Hochmeister?"
"Es gibt Gerüchte über seltsame Funde nahe eine kleinen Dorfes, Elirion glaube ich. Die Akademie will wissen was dort vor sich geht, also besorgt uns die Informationen. Wenn ihr erfolgreich seid werdet ihr als Schüler aufgenommen, wenn nicht...nun seht einfach zu das ihr dann garnicht erst hierher zurückkehrt." Seinem Blick nach zu urteilen hielt er diese Möglichkeit für sehr viel...
...wahrscheinlicher
.
"Ich werde mit weiteren Informationen zurückkehren", versicherte Jeremiath und ersparte es Elowin - und vorallem sich selbst - dessen Zeit mit weiteren Worten zu vergeuden.
"Lasst euch in der Küche ein wenig Proviant geben, dann trefft mich in der Eingangshalle." Mit diesen Worten machte Elowin auf dem Absatz kehrt und schritt davon.
Nachdem Elowin gegangen war, entließ der junge Anwärter die Anspannung mit einem geräuschvollem Ausatmen. Das Gespräch verlief trotz aller offenen Abneigung deutlich besser, als erwartet. Und vorallem musste er nicht länger auf dem unbequemen Schemel sitzen. Noch immer etwas überfordert mit den vielen Wegen in der Akademie bog Jeremiath nur zweimal falsch ab, bevor er die Küche erreichte und dort sein Anliegen vortrug, Proviant zu erhalten, um für Hochmeister Elowin Nachforschungen anzustellen.
Die Küchenhilfen waren wie immer sehr beschäftigt, hatten jedoch schnell ein Proviantpacket zusammengepackt, das vermutlich für drei Tage ausreichen würde.
Jeremiath verstaute das Proviantpaket, bedankte sich und beeilte sich dann, zum Hochmeister der Pforte in der Eingangshalle zu stoßen. Wohl wissend, dass er in den Augen des Arsani ohnehin zu lange gebraucht haben würde.#
Elowin erwartet ihn bereits, außer einem mißbilligenden Blick zeigte er jedoch keine Reaktion. Stattdessen öffnete er ein magisches Portal, das Jeremiath offenbar durchschreiten sollte.
Dieser zögerte einen Moment, als er vor dem Portal stand, schließlich war es das erste Mal, dass er ein solches überhaupt sah. Und nun sollte er durch eines hindurchschreiten, das ein Anwärterverachtender Arsani ihm öffnete, der offensichtlich davon ausging - und wohl sogar hoffte - dass er versagen würde. Jeremiath nahm einen tiefen Atemzug und schritt dann durch das Portal. Eine respektvolle Verabschiedung vergaß er vor Aufregung völlig.
Kaum hatte Jeremiath das Portal durchschritten, schloß sich dieses auch schon wieder hinter ihm und er fand sich auf einem Feldweg wieder, in Sichtweite eines Dorfes. Auf der anderen Seite des Dorfes erstreckte sich ein großer Wald und auf den Feldern waren Menschen damit beschäftigt, ihrer täglichen Arbeit nachzugehen.
Instinktiv drehte sich Jeremiath erst einmal um und blickte in die entgegengesetzte Richtung, aus der er mehr oder weniger gekommen war, um sich zu vergewissern, dass er nicht mehr in der Akademie und unter den missbilligenden Augen Elowins war. Dann schloss er einen Moment die Augen und rieb sich die Schläfen, bevor er in Richtung des Dorfes marschierte.
Das Dorf war schnell erreicht und nun fiel Jeremiath auf, das die Dorfbewohner gerade dabei waren eine Palisade rund um das Dorf herum zu errichten. In der Lücke, die sie auf dieser Seite des Dorfes ließen standen ziemlich gelangweilt drei bewaffnete Männer und musterten Jeremiath.
"Den Göttern zum Gruße", grüßte Jeremiath das Dreiergespann und sah nach links und rechts die Palisade entlang. "Erwartet Ihr in nächster Zeit Ärger oder dient die Palisade nur der Vorbeugung?", erkundigte er sich.
"Ob wir Ärger erwarten? Ihr seid doch bestimmt auch wegen dieser Gerüchte hier, oder? Solches Gerede zieht leider auch immer Gesindel an." antwortete der Größte der drei, scheinbar der Anführer.
"Ich hörte von Gerüchten, ja", bestätigte Jeremiath mit einem Nicken. "Allerdings nichts konkretes."
"Geht am besten in die Taverne, da erfahrt ihr alles was es zu wissen gibt." die drei hatten offenbar nicht vor, Jeremiath einer genaueren Überprüfung zu unterziehen.
"Das werde ich, habt Dank", erwiderte Jeremiath und nickte ihnen noch einmal zu, bevor er das "Dorftor" passierte und sich im Dorf nach etwas umschaute, was nach Taverne aussah. Als er diese gefunden hatte, betrat er sie und verschaffte sich einen Überblick.
In der Taverne war er wie es schien nicht der einzige "Fremde", denn die meisten Anwesenden wirkten nicht als wären sie Dorfbewohner. Aufgrudn des geschäftigen Treibens nahm auch niemand wirklich Notiz von ihm.
Da bekanntermaßen die Tavernenwirte diejenigen waren, die das meiste wussten, war es auch jener, den Jeremiath als erstes aufsuchte. "Den Göttern zum Gruße, guter Mann."
"Seid gegrüßt, ich bin sofort bei euch." Der Wirt war aufgrund der vielen Gäste ziemlich beschäftigt und sein "sofort" erwies sich als recht dehnbar, doch schließlich stand der Mann mit einem freundlichen Lächeln vor Jeremiath "Was kann ich für euch tun?"
"Da Ihr die Frage sicher schon oft genug gehört und wie ich sehe mehr als genug zu tun habt, könntet Ihr mir vielleicht sagen, wer mir mehr über die Gerüchte erzählen kann, die sich erzählt werden? Ohne, dass ich ihn dabei von etwas abhalte, wenn möglich."
"Ach das ist schnell erzählt. Einer der Holzfäller hat vor kurzem merkwürdige Fußabdrücke gefunden und als unsere beiden Jäger ihnen gefolgt sind, haben sie tief im Wald irgendwelche Ruinen entdeckt. Unglücklicherweise ist aber nur einer der beiden von dort zurückgekehrt."
"Dieser Holzfäller und der zurückgekehrte Jäger, wo kann ich die finden?"
"Der Holzfäller ist vermutlich bei der Arbeit im Wald und der Jäger sitzt dort hinten in der Ecke." der Wirt deutete in die entsprechende Richtung.
"Habt Dank", entgegnete Jeremiath und schob eine Zechine über den Thresen. Dann besah er sich den besagten Jäger ersteinmal, um abschätzen zu können, ob dieser womöglich alles andere als in Gesprächslaune sein könnte.
Der Jäger saß, einen Humpen in der Hand haltend, an einem Tisch und seinem Blick nach zu urteilen war es nicht sein erster an diesem Tag.
Darauf hoffend, dass das Bier den Jäger redseelig machen würde, begab sich Jeremiath zu ihm. "Den Göttern zum Gruße, darf ich mich zu Euch setzen?", fragte er und setzte sich ihm gegenüber an den Tisch, ohne seine Antwort abzuwarten.
Der Jäger musterte Jeremiath einen Augenblick "Ihr seid bestimmt auch wegn dieser Sache mit den Ruinen hier." stellte er fest und musste sich dabei offenbar Mühe geben verständlich zu sprechen.
Jeremiath nickte bestätigend: "Das sind wohl alle Fremden, die dieser Tage in Euer Dorf kommen. Allerdings interessiert mich weitaus mehr, was es mit ihnen auf sich hat und nicht, ob ich irgendetwas in ihnen finde, was Profit verspricht. Ich schätze, darum geht es der Mehrheit."
"Ha! Der eine will dies, der andere das..und ich sitze hier und muss alle enttäuschen." er nahm noch einen großen Schluck aus seinem Humpen. "Ich habe keine Ahnung was das für Ruinen sind, ich weiß nur das ich mich von dort fernhalten werde...und ihr solltet das auch tun."
"Habt Dank für die Warnung, aber ich hörte, Ihr hättet sie bereits einmal aufgesucht?"
"Ja, weil ich es nicht besser wußte..." er blickte finster drein. "Hätte mir viel Leid ersparen können..."
"Was meint Ihr damit?"
"Wenn wir nicht dort gewesen wären, dann würde Alrik noch leben, das meine ich damit."
"Ich verstehe... Mein aufrichtiges Beileid", erwiderte Jeremiath so bedrückt klingend wie es ihm möglich war, angesichts der Tatsache, dass er diesen Alrik nicht kannte und es ihn entsprechend wenig kümmerte. "Darf ich fragen, was Euch bei den Ruinen widerfahren ist?"
"Eigentlich nicht sehr viel...wir sind dieser Fährte gefolgt und dann auf die Ruinen gestoßen. Als wir sie gerade betreten haben müssen wir eine Art Falle ausgelöst haben...Alrik war sofort tot, mich hat es um Haaresbreite verfehlt. Ich hab dann zugesehn dasich da wegkomme..."
"Eine Fährte, die zu den Ruinen führte?"
"Ja, direkt hinein. Aber fragt mich nicht was das für eine Fährte war, sowas hab ich noch nie gesehn."
"Genau das wollte ich gerade fragen, es muss ja wirklich eine ungewöhnliche gewesen sein. Wie sah sie denn aus?"
"Ungefähr so lang wie ein Menschenfuß und genauso breit, aber mit Krallen dran."
Jeremiath blickte für einen Moment nachdenklich zur Seite und schüttelte dann den Kopf. "Nein, davon habe ich auch noch nie etwas gelesen." Sein Blick schweifte durch den vollen Schankraum. "Und wisst Ihr, ob einer von all denen, die von den Ruinen hörten und deswegen hier her kamen, tatsächlich schon so verrückt war, dorthin zu gehen?"
"Ha! Nein und ich glaube die meisten sind auch zu feige dazu. Erst waren sie alle drauf und dran sofort loszustürmen, aber seid sie das mit Alrik gehört haben sitzen sie lieber hier und trinken Bier."
"Das klingt auch vernünftiger... Wenn bereits der Eingang mit derart tödlichen Fallen versehen ist, ist es der Rest wohl auch. Ist Euch in der Umgebung der Ruinen denn etwas ungewöhnliches aufgefallen, abgesehen von den krallenbesetzten Spuren?"
"Ihr meint, außer das dort mitten im Wald Ruinen sind? Nein...außer das die ruinen wohl schon recht alt sind kann ich euch nicht viel darüber sagen."
"Das verwundert mich ja daran. Seid Ihr bisher nie in diesem Teil des Waldes gewesen, dass diese Ruinen erst jetzt entdeckt wurden?"
"Nein, so tief im Wald waren wir nie. Es gab immer genug Wild...warum also weite Wege gehen?"
"Appropos Wild, man sagt ja, Tiere hätten ein ganz eigenes Gespür für Gefahren... Gab es denn in der Nähe der Ruine außer der unbekannten Fährte andere Spuren? Oder schien es Euch, als würden die Tiere diesen Ort ebenfalls meiden?"
"Ihr kennt euch aus, was? Nein es gab nur sehr wenige Spuren dort."
"Wie gesagt, ich versuche, in Erfahrung zu bringen, was es damit auf sich hat. Beim Darübernachdenken stellt man sich nur alle möglichen Fragen... Von denen ich Euch nun wohl mehr als genug gestellt habe. Habt Dank für Eure Zeit, guter Mann."
"Schön wenn icheuch helfen konnte."
"Das konntet Ihr. Lebt wohl", verabschiedete sich Jeremiath und verließ den Tisch. Er durchquerte die Taverne langsam in Richtung Ausgang und versuchte dabei, etwas von den laufenden Gesprächen aufzuschnappen. Der junge Anwärter bezweifelte, dass Hochmeister Elowin sich mit einem "In dem Wald wurden unbekannte Spuren und eine mit Fallen gespickte Ruine gefunden" begnügen würde. Das wusste er vermutlich schon von den Gerüchten, die er gehört hatte.
Die meisten Gespräche drehten sich um das, was Jeremiath gerade gehört hatte, offenbar wußten die anderen auch nicht mehr.
Jeremiath versuchte zu erkennen, ob es unter den Tavernengästen eine Gruppe gab, die so aussah, als hätte sie ernsthaftere Absichten, sich die Ruinen aus der Nähe anzusehen, anstatt nur Bier zu trinken.
Jede der Gruppen inder Taverne sah aus, als könnten sie in Erwägung ziehen bald loszuziehen, aber es gab auch niemanden der nicht einen Humpen vor sich stehen hätte.
Das half ihm natürlich nicht weiter. Daher setzte er sich fürs erste an einen der Tische und notierte sich die Dinge, die er von dem Jäger erfahren hatte, in seinem Tagebuch. Dabei ließ er sich Zeit und ließ den Blick immer wieder durch den Raum schweifen, um zu sehen, ob eine der Gruppen vielleicht aufhörte, mehr Bier zu bestellen und sich anschickte, aufzubrechen. Ansonsten würde er warten, bis der Holzfäller aus dem Wald zurückkehrte und sehen, ob er von ihm noch etwas erfahren würde.
Während er sich umsah, kam es ihm plötzlich so vor als ob er selbst beobachtet würde.
Sonderlich ungewöhnlich kam ihm das allerdings nicht vor, schließlich war die Taverne voll und er selbst im Gegensatz zu den meisten anderen nicht am Biertrinken in einer Gruppe. Er versuchte, sich den Eindruck, beobachtet zu werden, nicht anmerken zu lassen.
Bevor er sich weitere Gedanken darüber machen konnte, stand eine junge Frau vor ihm, offensichtlich eine Schankmaid. "Darf ich euch etwas bringen?" fragte sie freundlich.
Jeremiath sah von seinen Notizen auf und nickte der Frau freundlich zu. "Etwas zu trinken bitte, aber nichts starkes."
"Sehr gerne." und kurz darauf stand ein gefüllter Bierhumpen vor ihm. "Das macht eine Zechine."
"Habt Dank", erwiderte Jeremiath und reichte ihr die geforderte Münze. Dann trank er auch direkt einen Schluck, das Gerede hatte doch etwas durstig gemacht. Danach wandte er sich wieder seinen Notizen und dem Beobachten zu.
Als er sich gerade wieder seinen Notizen zugewandt hatte, wurde ein weiterer Bierhumpen mit ziemlicher Wucht auf seinen Tisch gestellt. "Ihr scheint klug zu sein." begrüßte in eine offenbar recht junge Orkfrau und setzte sich ihm gegenüber an den Tisch.
Reflexartig zog Jeremiath sein Tagebuch etwas zurück, damit es keine Bierspritzer abbekam. "Wie kommt Ihr darauf?", erwiderte er.
"Ihr stellt kluge Fragen... und ihr schreibt." die Orkfrau bedachte das Tagebuch mit einem kurzen Blick.
Jeremiath tippte sich mit dem Kohlestift gegen die Schläfe: "Vorallem, weil ich zum Vergessen neige... Dafür ist mir entgangen, dass Ihr zugehört habt."
Die Orkfrau grinste ihn an, was bei ihrem Gebiss durchaus ein wenig bedrohlich wirkte. "Ihr müsst aufmerksamer sein."
Der angehende Magier klappte sein Tagebuch zu und legte den Stift daneben, um nicht abweisend zu wirken. "Nun, da Ihr gehört habt, was ich gesagt habe, habt Ihr Euch wohl nicht ohne Grund zu mir gesetzt", stellte er fest.
"Ihr wollt zu den Ruinen." stellte sie fest. "Warum?"
"Um herauszufinden, was es mit ihnen auf sich hat. Wer sie erbaut hat, warum sie sie mitten im Wald erbaut haben, warum sie derart mit Fallen gesichert sind... Es reicht mir nicht, nur zu wissen, 'da sind Ruinen im Wald'."
Die Orkfrau nickte "Gut. Dann kommt ihr mir nicht in die Quere."
"Warum, was ist denn Euer Interesse an den Ruinen? Ihr Inhalt?"
"Ich jage das Tier dessen Spuren sie entdeckt haben."
"Wisst Ihr denn, was es für eines ist? Der Jäger schien die Spuren nicht einordnen zu können."
Die Orkfrau schüttelte den Kopf:"Nein aber ich werde es erlegen." sie schin nicht die geringsten Zweifel daran zu haben.
Jeremiath nickte ihr zu: "Dann wünsche ich euch gute Jagd. Bei der ich Euch garantiert nicht in die Quere kommen werde... Auch, wenn mich durchaus interessieren würde, was für ein Tier es ist."
"Ihr könnt meine Trophäen bestaunen wenn ich zurückkehre." meinte sie grinsend und trank einen großen Schluck aus ihrem Humpen.
"Das werde ich gern tun", erwiderte der angehende Magier grinsend. Dann ließ er einmal wieder einen kurzen Blick durch den Raum schweifen.
Gerade betrat eine junge Huyal die Taverne, ansonsten bot sich ihm das bereits bekannte Bild von trinkenden und lamentierenden Abenteurern.
"Ihr scheint die einzige zu sein, die wirklich vorhat, mehr zu tun als nur herumzusitzen", stellte Jeremiath fest.
"Umso besser." grinste die Orkfrau. "Dann stört mich wenigstens niemand."
"Wann wollt Ihr denn aufbrechen?"
Sie lehrte ihr Bier "Jetzt." verkündete sie, stellte den leeren Krug ab udn erhob sich.
Jeremiath trank seinerseits noch einen Schluck aus seinem Krug, im Gegensatz zu der Orkfrau aber nur einen kleinen. "Ich sehe Euch dann, wenn Ihr Eure Trophäen präsentiert", verabschiedete er sie.
Sie schulterte ihren Bogen und verließ die Taverne, Jeremiath hatte den Endruck das sie sich wirklich auf diese Jagd freute.
Er bezweifelte allerdings, dass sie so erfolgreich sein würde, wie sie dachte. Aber so verrückt war er natürlich nicht gewesen, ihr das ins Gesicht zu sagen. Während er seine angefangenen Notizen fertigstellte und sich wieder im Raum umsah, stellte er fest, dass er keinen Deut besser war, als die, die er beobachtete. Auch er wartete nur hier in der Taverne, das irgendetwas passierte.
Es passierte jedoch auch weiterhin schlicht und einfach nichts.
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Re: Jeremiath

Beitrag von KnigRhobarder am Mi Dez 13, 2017 8:46 pm

Im Verlauf der Zeit, in der einfach nur nichts passierte, trank Jeremiath nach und nach seinen Humpen leer. Als er beim nächsten Zug nur noch einen lauwarmen Tropfen erhielt, bemerkte er diesen Umstand auch endlich. Hilfsbereit, wie Jeremiath war, beschloss er kurzerhand, den leeren Humpen zum Thresen zurückzubringen und der Schankfrau den Weg zu ersparen.
Der freie Platz am Tresen den er ansteuerte stellte sich jedoch als garnicht so frei heraus. Denn dort stand eine Huyal, die er aufgrund ihrer Größe bisher schlicht nicht hatte bemerken können. Offensichtlich war sie mit einem weiteren Tavernengast im Gespräch, in das Jeremiath mehr oder weniger hereinstolperte.
"Jaja, die Ruinen. Vielleicht hat er ihn einfach umgebracht, ja. Vielleicht ist ja aber auch etwas dran an diesem... Wie nannte er es doch gleich..." Sie wollte sich auf keinen Fall anmerken lassen, dass sie keine Ahnung hatte, was genau die Gerüchte besagten. Das herauszufinden war sie ja hier!
"Menschenfuß mit Krallen", vollendete ein junger Mann, der sich mit einer einfachen Robe und ohne sichtbare Ausrüstung von den Abenteurern unterschied, den Satz. Einen Bierhumpen trug aber auch er in der Hand, den er mit einem "Entschuldigt, einen Moment" kurzerhand über Tiaval hinweg auf dem Thresen abstellte.
"Das klingt wie ein Ammenmärchen, den Holzfäller hat auch noch niemand hier gesprochen, vermutlich ist der auch tot." erklärte der Mann überzeugt.
Tiaval war etwas irritiert über diese Behandlung, aber sie ließ sich nichts anmerken. "Jaja, genau, der Menschenfuß mit... Krallen?!" Was war das denn für eine Geschichte?
"So hat der zurückgekehrte Jäger die Spuren zumindest beschrieben. Lang und breit wie der Fuß eines Menschen, aber mit Krallen. Führten direkt in die Ruine hinein." Anscheinend reichte ein Bier, um Jeremiath gesprächiger gegenüber Fremden zu machen.
"Das ist ja..." Tivial nahm einen tiefen Schluck aus ihrem Krug. "Also, das wusste ich ja. Und hat da denn keiner nachgeguckt?"
"Doch, zwei Jäger", entgegnete Jeremiath. "Von denen einer beim Betreten der Ruine von einer Falle getötet wurde, wenn man dem zurückgekehrten zweiten Glauben schenkt."
"Eine Falle, so so..." Tivial nahm einen weiteren Schluck. Dieser Krug war ganz schön groß, viel größer als die zu Hause... "Aber der kann doch auch seinen Freund umgebracht haben, richtig?" Sie sah sich zu dem Mann um, der genau diese These zuvor aufgebracht hatte.
"Das ist jedenfalls wahrscheinlicher als irgendwelche Ruinen und unbekannte Spuren." erklärte der Angesprochene.
"Klingt mir nach etwas viel Fantasie, um einen Mord zu vertuschen. So viele wie durch die Gerüchte hier hergekommen sind um..." Jeremiath sah sich noch einmal um, bevor er den Satz fortführte: "... Bier zu trinken, da würde es irgendwann auffliegen, wenn es weder Spuren noch Ruinen gäbe."
Tivial sah zwischen den beiden Männern hin und her. Sie hatte das Gefühl, dass sie über ihren Kopf hinwegredeten, was sie ja tatsächlich taten. Sie nickte verständig. "Oh ja, das ergibt viel Sinn! Da ist bestimmt irgendetwas da draußen!"
"Ja, wenn jemand aufbrechen würde um sich das Ganze anzusehehen, dann könnte es wohl auffliegen. Aber seht ihr hier jemanden der etwas anderes vorhat als Bier zu trinken?"
"Nein, auch, wenn ich schon den ganzen Tag nach so jemandem Ausschau halte. Die einzige die mehr tun will als Biertrinken war die Orkjägerin, die vorhin hier rausmarschiert ist. Aber die interessiert sich nur dafür, das ominöse Tier zu erlegen, nicht für die Ruinen, wie es aussieht", erwiderte Jeremiath und seufzte.
Das Bier gluckerte wohlig in Tiavals Bauch, als sie einen weiteren Schluck nahm. Sie fühlte sich bereit, endlich ihr erstes Abenteuer zu beginnen, von dem sie in der Ausbildung so oft geträumt hatte! "Ich machs!", sagte sie mit etwas schwererer Zunge, als ihr lieb war.
"Tut das, ich werde derweil weiterziehen und mich nach echten Abenteuern umsehen." der Mann leerte seinen Humpen und erhob sich.
Jeremiath sah zu der Huyal herunter. "Dann solltet Ihr zumindest den Jäger, der da hinten in der Ecke sitzt" - Jeremiath deutete in die entsprechende Richtung - "fragen, wo ihr hin müsst. Die Ruinen liegen wohl tief genug im Wald, das bisher niemand darüber gestolpert ist."
"Na ja, außer dem Jäger natürlich", kicherte Tiaval. Dann riss sie sich wieder zusammen und guckte betont ernst zu der Gestalt hinüber. "Ja, den werde ich befragen!", erklärte sie entschlossen.
"Tut das, ich warte vor der Taverne", antwortete Jeremiath. Das war eine gute Gelegenheit, einen Happen aus seinem Proviantpaket zu essen. In der Taverne verkniff er sich das mal lieber.
"Oh, äh, ja..." Irgendwie hatte Tivial damit gerechnet, dass der Fremde mit ihr mitkommen würde. Aber sie war ja eine ausgebildete Kundschafterin, sie war diese Aufgabe natürlich gewachsen! Sie tank den letzten Schluck aus ihrem Krug und ging, so gerade wie möglich, zu dem Jäger hinüber.
Der Jäger beäugte sieüber den Rand seines Humpens hinweg:"Noch jemand der meine Geschichte hören will?" Es klang ganz danach als würde er den ganzen Tag nichts anderes tun als eben jeden Geschichte zu erzählen.
"Ähm, ja, die Geschichte, wie Ihr Euren Freund umgebracht habt." Tiaval runzelte die Stirn. Nein, das war doch irgendwie anders gewesen, oder? Wieso fiel es ihr nur gad so schwer, einen klaren Gedanken zu fassen?
Der Jäger verzog das Gesicht zu einer Grimasse:"Wie viel habt ihr getrunken? Geht und kommt wieder wenn ihr nüchtern seid..."
"Aha! Ihr wollt also nicht darüber sprechen!" Tiaval war auf einer Fährte, das spürte sie genau.
"Verschwindet, sonst mache ich euch Beine."
"He! Ich bin vielleicht klein, aber ich habe sehr wohl schon Beine!"
Der Jäger schien sich entschlossen zu haben Tiaval zu ignorieren, denn er wandte sich wieder seinem Humpen zu.
"Euer Schweigen... sagt... nein, es spricht... aber das ist doch Quatsch... Also, ich weiß bescheid!", deklarierte Tiaval und ging rückwärts Richtung Ausgang, während sie den Jäger drohend im Blick behielt.
Der Jäger würdigte sie keines weiteren Blickes und Tiaval wäre beim rückwärtsgehen um ein Haar mit einem anderen Tavernengast zusammengestoßen, doch dieser wich zum Glück rechtzeitig aus.
Nachdem sie zunächst gegen den Pfeiler neben der Eingangstür gestoßen war, kam Tiaval mit schmerzendem Hinterkopf aus der Taverne heraus und sah sich um.
"Und, habt Ihr in Erfahrung bringen können, in welche Richtung wir müssen?", erkundigte sich Jeremiath, der zwischenzeitlich etwas gegessen hatte.
"Richtung?" Verdammt, das hatte sie ganz vergessen. Aber sie wollte sich das nicht anmerken lassen, sie war doch Kundschafterin! In ihrem Kopf formten sich die wirbelnden Gedanken zu einem Plan, dieses Verfehlen zu vertuschen: Sie musste einfach so tun, als hätte sie die Richtung erfahren! "Natürlich! Wir müssen... da lang!" Aufs Geratewohl zeigte sie in irgendeine Richtung.
"Gut, diese Frage hatte ich nämlich völlig vergessen zu stellen", gab Jeremiath zu, als sein Blick ihrer Wegweisung folgte, die wenig überraschenderweise in Richtung Wald gerichtet war. "Gut, gehen wir diesen Gerüchten mal auf den Grund... Nach Euch, Ihr seht mir mit eurem Bogen kundiger aus, als ich."
Tiaval nickte entschlossen und griff ihren Bogen etwas fester. Sie brauchte gerade etwas, um sich daran festzuhalten. Dann ging sie sehr bestimmt, wenn auch etwas schwankend, Richtung Wald.
Jeremiath folgte der Huyal. Im Gegensatz zu ihm wusste sie ja, wo sie lang mussten!
Da der Waldrand nicht weit entfernt lag, war dieser schnell erreicht. Das erste was ihnen auffiel war ein breiter Pfad, der in den Wald hineinführte.
"Mh..." Die Gedanken, die in Tiavals Kopf herumwirbelten waren offenbar viel aufmerksamer und kreativer als ihre normalen, ruhigeren Gedanken. "Der Pfad da! Den geht doch sicher jeder, oder? Dann können wir da die Ruinen doch gar nicht finden! Ha!" Tiaval war sehr zufrieden mit dieser Schlussfolgerung.
"Der Einschätzung bin ich auch... Viel interessanter ist ja aber, wohin wir stattdessen müssen", erwiderte Jeremiath.
"Ja, das stimmt wohl." Tiaval überlegte. "Oh, das weiß ja ich!" Gut, dass ihr das wieder eingefallen war. "Dort entlang!" Wieder zeigte sie in eine beliebige Richtung.
Diesmal zeigte sie rechts neben dem Pfad in den Wald.
Zielsicher, oder zumindest sicher, jedenfalls stapfte sie los ins Unterholz.
Es dauerte nicht lange und sie hatten irgendein größeres Tier aufgescheucht. Doch was auch immer es für ein Tier war, es zog eine Flucht offenbar vor und preschte lautstark durchs Unterholz davon.
"Sind wir auf dem richtigen Weg?", fragte Jeremiath von den Geräuschen verunsichert.
"Ja, absolut!" Tiaval hatte ein Hoch, sie war überzeugt, dass ihr nichts misslingen konnte. Ihr erstes richtiges Abenteuer, und es lief richtig gut! Begeistert stiefelte sie weiter.
Plötzlich wurde das Unterholz weniger und sie erreichten eine kleine Lichtung im Wald.
Jeremiath sah sich auf dieser um. Es behagte ihm nicht, wie auf dem Präsentierteller zu sein. Vom Waldrand aus konnte man sie auf der Lichtung sehen, sie aber nicht in den Wald hinein. "Wie weit ist es eigentlich noch?"
Tiaval sah sich ebenfalls auf der Lichtung um, die wirklich sehr behaglich aussah. "Wie weit? Keine Ahnung... Ich weiß ja nur die Richtugn!" Sie kicherte.
Jeremiath nickte, diese Antwort war zwar nicht sonderlich befriedigend, aber ohne die Huyal hätte er sich vermutlich schon längst verlaufen.
Plötzlich wurden die Gedanken in Tiavals Kopf müde, genauso wie ihre Beine. Sie war ja auch schon lange unterwegs heute, gerade erst in diesem Dorf angekommen... Sie ließ sich auf den Boden plumpsen. "Wir sollten rasten", verkündete sie.
"Jetzt schon? Hier?", fragte Jeremiath verwundert. "Wir sind doch praktisch gerade erst losgelaufen!"
"Huh..." Die Lichtung schien sich langsam un Tiaval zu drehen. "Ist es wirklich noch zu früh?"
"Wenn wir heute noch die Ruine erreichen und vor Abend zurück im Dorf sein wollen, ist es noch zu früh zum Rasten, würde ich sagen, ja."
Widerwillig erhob sich Tiaval und schaute sich schwankend um. Mist, jetzt hatte sie vergessen, aus welcher Richtung sie gekommen waren. "Na gut, dann weiter!" Sie marschierte auf gut Glück los.
Jeremiath folgte wie gehabt der erfahrenen Kundschafterin, die den Weg kannte.
Wieder ging es durch das Unterholz, doch auch diesmal lichtete sich der Wald bald wieder und sie erreichten einen breiten Pfad.
"Mh, das kann ja nicht richtig sein. Wir müssen hier einmal rüber", kommandierte Tiaval und ging quer über den Pfad.
"Hätten wir dann nicht gleich dem Pfad folgen und hier abbiegen können?", fragte Jeremiath skeptisch.
Da war was dran. Tiaval sah sich um. Inzwischen war sie schon selbst überzeugt, dass sie wusste, in welche Richtung sie mussten. "Nein, das ist ein anderer Pfad", erklärte sie.
"Und wo kommt der her? Ich habe nur den einen gesehen, der in den Wald führt."
"Ja, und das hier ist ein anderer." Ungeduldig lief Tiaval weiter zwischen die Bäume.
"Das sagtet Ihr bereits", stellte Jeremiath fest, während er ihr folgte. "Aber von wo aus?"
"Woher soll ich das wissen? Ich habe nicht nach einer Karte gefragt, sondern nach der Richtung."
"Verstehe", erwiderte Jeremiath skeptisch.
Bald hörten sie Geräusche in der Nähe, ein regelmäßiges, dumpfes Schlagen.
"Mh, sind hier viele Baumfäller im Dorf?", fragte Tiaval ihren Belgeiter, der ja schon vor ihr im Dorf gewesen war und deshalb viel mehr über es wissen musste.
"Das weiß ich nicht, aber einer der Holzfäller hat zumindest die Spuren gefunden. Also, laut dem Jäger."
"Aber die anderen nicht. Also..." Tiaval dachte angestrengt nach. "...sollten wir zu ihnen gehen und sie fragen, wo sie NICHT arbeiten!"
"Hä?!", war alles, was Jeremiath nach längerem Nachdenken über diese Aussage hervorbrachte. Dann setzte er noch ein weniger tölpelhaftes "Können wir nicht einfach die Ruine aufsuchen und uns DORT umsehen?" nach
Tiaval dachte darüber nach. "Das ergibt doch keinen Sinn, das machen doch sicher alle. Wir sollten etwas ganz anderes versuchen!"
"Unser Ziel war es doch, die Ruine aufzusuchen, was wollt Ihr denn jetzt plötzlich anderes versuchen?"
"Ich habe unseren Plan eben verbessert! Wenn sich eine Gelegenheit bietet, sollte man sie ergreifen!"
"Würdet Ihr mich in Euren Plan zumindest einweihen?", fragte Jeremiath, allmählich etwas genervt.
"Das habe ich doch gesagt! Wir fragen die Holzfäller, wo sie nicht arbeiten! Da muss dann ja was sein!" Verstand dieser Kerl denn gar nichts?
"Dazu müssten wir erstmal die Holzfäller finden, die vermutlich erst am Abend zurückkommen. Was auch wir könnten, wenn wir nicht weiter Zeit vergeuden würden. Wir sind wegen der Ruine hier, nicht wegen irgendwelcher anderen Orte, an denen niemand arbeitet und an denen vielleicht auch irgendetwas sein könnte!"
"Aber man hört sie doch!", wies Tiaval auf das Schlagen hin, das regelmäßig durch den Wald hallte.
Jeremiath lauschte in den Wald hinein, bis er es auch hörte. "Ah, sagt das doch... Gut, fragen wir sie."
"Wunderbar!" Mit neu erstarktem Tatendrang ging Tiaval den Geräuschen entgegen.
Jeremiath sah noch einmal den Pfad entlang und überlegte, die anscheinend verwirrte Huyal stehen zu lassen. Schließlich folgte er ihr aber doch.
Bald erreichten sie die Holzfäller, sie waren zu dritt und sie beäugten die beiden Neuankömmlinge mißtrauisch. "ihr seid wegen dieser Ruinen hier, stimmts?" meinte dann einer der drei.
"Nein, gar nicht!", erklärte Tiaval stolz. "Wir wollen wissen, wo Ihr nicht arbeitet!" Strahlend sah sie die Männer an.
Jeremiath schüttelte seufzend den Kopf. "Was sie damit sagen will, ist, dass wir uns gefragt haben, welche Bereiche des Waldes alles von Euch und den Jägern gemieden werden... Dass an einer dieser Stellen etwas gefunden würde wirft die Frage auf, ob im restlichen Wald auch etwas ist."
"Wir arbeiten meistens nicht sehr tief im Wald, Bäume gibt es schließlich überall." er sah sich mit bedeutungsvollem Blick um. "Aber falls ihr doch auf der Suche nach den Ruinen sein solltet, dann müsst ihr in diese Richtung weiter." die Worte wurden von einer entsprechenden Geste begleitet.
Tiaval blickte dem ausgestreckten Finger nach. "Was sind das eigentlich für Ruinen?"
"Keine Ahnung, ich war nicht dort."
"Warum weiß denn jeder hier, dass dort Ruinen sind, aber niemand war je dort? Das ist doch sehr merkwürdig!"
"der Jäger sagte da dort Ruinen sind und warum sollte ich ihm das nichtglauben?" entgegnete der Holzfäller.
Jeremiath seufzte abermals. "Gehen wir einfach selbst nachsehen..."
Tiaval hielt das für eine gute Idee. Wer weiß, am Ende gab es gar keine Ruinen, und vielleicht hatte es auch den Jäger überhaupt gar nie gegeben! Entschlossen nickte sie, wobei ihr nun aber etwas schwummerig wurde. "Dann... gehen wir mal."
Da er das Herumgeeier der Huyal Leid war und nun endlich selbst eine Richtung kannte, stiefelte Jeremiath dieses Mal vornweg.
sie kamen recht gut und vor allem ungestört voran, allerdings wurde der Wald mit der Zeit dichter und es war darum garnicht so einfach, die Richtung zu halten.
Insbesondere Tiaval fiel es zunehmend schwer, überhaupt zu gehen, geschweige denn gerade. Mühsam stapfte sie hinter dem Mann hinterher, den sie vor sich manchmal mehr als verschwommener Schatten sah denn als Gestalt.
"Gehen wir noch in die richtige Richtung?", wollte sich Jeremiath versichern, während er versuchte, nicht zu weit zur Seite abzudriften.
Tiaval überlegte. Wenn sie immer diesem Mann nachlief, wie hieß der eigentlich nochmal, dann konnte sie selbst ja wohl kaum etwas falsch machen. Zaghaft nickte sie, denn inzwischen dröhnte ihr Kopf doch merklich.
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Re: Jeremiath

Beitrag von KnigRhobarder am Mi Dez 13, 2017 8:55 pm

Sie marschierten eine ganze Weile weiter und begannen bereits sich zu fragen ob die Richtung noch stimmte, als der Wald sich wieder etwas lichtete und sie vor sich tatsächlich Ruinen erkennen konnten.
"Den Göttern sei Dank", stieß Jeremiath aus, als die Ruinen in sein Sichtfeld fielen. "Ich hatte schon geglaubt, wir wären doch falsch gelaufen... Ihr versteht Euch besser auf sowas, als ich, könnt Ihr irgendwelche frischen Spuren entdecken? Vorallem irgendwas in Richtung Menschenfuß mit Krallen?"
Mühsam, aber erleichtert ließ Tiaval sich auf alle Viere nieder und kroch auf dem Boden herum. Das hatte sie zwar anders gelernt, aber es tat gerade sehr gut. Trotzdem bemühte sie sich, gewissenhaft den Boden nach verdächtigen Spuren abzusuchen.
Spuren konnte sie zwar keine entdecken, bei einem Blick in die Ruinen bemerkte sie jedoch etwas anderes. Goblins...tote Goblins die offenbar den hiesigen Fallen zum Opfer gefallen waren. Eine Spur aus toten Goblins, insgesamt waren es fünf, zog sich bis zum zentralen Gebäude der Ruinen.
Mit einem winkenden Arm deutete sie auf die Spur, während sie sich gleichzeitig, überwältigt von diesem Anblick und dem Alkohol, ins Gras vor sich übergab.
Der Anblick versetzte Jeremiath in Skepsis, ob es eine gute Idee war, hierhergekommen zu sein. Mit seinen mangelhaften Kenntnissen kniete sich der angehende Magier neben den vordersten der toten Goblins und besah sich den Körper, um herauszufinden, woran genau er gestorben war.
Besondere Kenntnisse waren hier nicht nötig, der Goblin war ganz offensichtlich einem aus dem Boden hervorschnellenden, dicken Speer zum Opfer gefallen, der immer noch in der Leiche steckte.
Jeremiath sah sich nach einem langen Stock oder Ast um.
Tiaval hatte sich wieder etwas erholt, und auch ihr Kopf wurde wieder ein wenig klarer. Erschrocken sah sie die toten Goblins. Das könnte gefährlich werden! Warum waren sie nur hergekommen? Sie rappelte sich auf und spähte, ihren Bogen umklammernd, ängstich umher.
Ein entsprechender Ast war schnell gefunden, nur wenige Meter vor den Ruinen lag ein solcher gut sichtbar am Waldboden.
Mit diesem stocherte Jeremiath nun immer schräg vor sich im Boden herum, bevor er dann einen ebenso schrägen Schritt nach vorn machte. So hoffte er im Zweifelsfall eine Wurfgeschossfalle nicht frontal abzubekommen, sondern sie seitlich an sich vorbeifliegen zu lassen, während er gleichzeitig einen Schritt in vermeintlich sicheres Gebiet tat. Mit dieser zick-zack-Taktik bewegte er sich langsam von Goblin zu Goblin, um herauszufinden, welchen Fallenarten sie zum Opfer gefallen waren.
Vorsichtig folgte Tiaval ihm, um nicht alleine zurückzubleiben.
Er hatte etwa den halben Weg bis zum zentralen Gebäude hinter sich gebracht und festgestellt, das zwei weitere Goblins offenbar weniger klug als er gewesen waren, den sie waren mit Pfeilen gespickt. Dann jedoch schoß plötzlich aus einer Wand neben ihm ein Speer hervor und verletzte in schwer (5 Schaden)
Jeremiath stieß einen kurzen, aber lauten Schmerzensruf aus, bevor er seinen Arm vor sein Gesicht bringen und den Rest des Schreies mit seiner Armbeuge abschwächen konnte. Mit der anderen Hand hielt er sich die Wunde. Mit verklärtem Blick sah er zur Seite und versuchte zu begreifen, was überhaupt gerade geschehen war.
Auch Tiaval schrie erschrocken auf, als ihr Begleiter plötzlich offenbar aus einem Hinterhalt heraus angegriffen wurde. Reflexartig riss sie ihren Bogen nach oben.
Nach kurzem Umsehen fand Jeremiath den Speer mit der blutigen Spite, dem er die Schmerzen zu verdanken hatte. Da er dem Stock dahingehend nicht vertraute, hob er stattdessen den Speer auf und stütze sich an diesem mit einer Hand ab, während er die andere nach wie vor auf die Wunde presste. "Ihr habt doch sicher Verbände dabei!", presste er hervor.
"Nein, habe ich nicht!", rief Tiaval, während sie entsetzt und mit weiterhin erhobenem Bogen auf die Wunde starrte.
"Sonst irgendetwas hilfreiches?", hakte Jeremiath nach.
"Nein, ich fürchte nicht!" Sie war ja auch Kundschafterin, nicht Heilerin.
Jeremiath stöhnte gequält. Diese Huyal war vermutlich die unvorbereitetste Gefährtin, mit der er hierhin hätte aufbrechen können. "Geht Ihr vor", presste er hervor. "Ihr seid kleiner und schwerer zu treffen..." Nicht, dass das nicht auch auf die Goblins zutreffen würde, aber egal.
"Öööh..." Tiaval war von dieser Idee nicht ganz überzeugt, dennoch griff sie sich den Stock, der zwar schon zuvor nicht funktioniert hatte, aber dennoch ein Gefühl von Sicherheit spendete. Vorsichtig bahnte sie sich weiter ihren Weg entlang der Goblinspur.
Jeremiath wartete erstmal an Ort und Stelle und versuchte, sich auf den Beinen zu halten.
Sie erreichten das zentrale Gebäude ohne weitere Zwischenfälle. Im Inneren lagen zwei weitere tote Goblins und an der rückwärtigen Wand des einzigen Raumes stand eine Art kleiner Altar.
Tiaval spähte ins Innere in der Hoffnung erkennen zu können, wie diese beiden Goblins ums Leben gekommen waren.
"Lebt Ihr noch?", rief Jeremiath in Richtung des Gebäudes.
Wie es schien waren beide Goblins von herabfallenden Steinen erschlagen worden.
Tiaval versuchte, über ihnen zu erkennen, ob dort noch weitere Steine lauerten.
Anscheinend war auch sie einer Falle zum Opfer gefallen, schlussfolgerte Jeremiath aus dem Ausbleiben einer Antwort. Aber da sie problemlos bis zur Ruine gekommen war, humpelte Jeremiath auf demselben Weg hinterher. Er konnte sich das Gebäude ja zumindest von draußen ansehen.
Sie erkannte lediglich eine geschickt angebrachte Vorrichtung, aus der die Steine wohl herabgefallen waren und diese Vorrichtund schien un keine weiteren Steine mehr zu beinhalten
"Hier drin scheinen die Fallen bereits ausgelöst zu sein", rief Tiaval zurück und betrat das Gebäude.
Nicht gänzlich sicher, ob seine Erleichterung darüber, dass die Huyal offenbar doch noch am Leben war, ehrlich oder nur moralisch verpflichtend war, setzte auch Jeremiath einen Fuß in das Gebäude und sah sich um. "Ich wette, zwischen hier und dem Altar sind auch noch Fallen..."
"Bestimmt!" Vorsichtig schlich Tiaval zu den beiden Leichen. Die Chance war groß, dass die beiden den gleichen Weg genommen hatten, hier also keine Fallen mehr auszulösen waren.
Sie erreichte unbeschadet die beiden toten Goblins.
"Wir könnten einen der Goblins werfen, damit er die restlichen Fallen abbekommt", schlug Jeremiath auf den Speer gestützt vor. Wobei er mit "wir" eigentlich Tiaval meinte.
Wenig überzeugt betrachtete Tiaval die beiden Leichen und den verletzten Jäger. "Vielleicht sollten wir sie erstmal durchsuchen."
"Nur zu", dachte Jeremiath und wollte die Huyal bitten, das zu übernehmen. Andererseits vertraute er ihr nicht, dass sie das Gefundene gerecht teilen würde, weshalb er sich einen der Goblins doch selbst vornahm. Er war froh, dass er den Speer als Stütze mitgenommen hatte, das erleichterte das Bücken und Aufstehen etwas.
Die Goblins hatten, außer einigen Münzen, nichts interessantes bei sich (Tiaval +5 Zechinen, Jeremiath +3 Zechinen)
"Wieso sind die so unvorbereitet hergekommen?", überlegte Tiaval laut.
"Sind wir etwa besser vorbereitet?", erwiderte Jeremiath. "Appropo Vorbereitung, wie kommen wir da rüber, ohne uns sicher zu sein, dabei vermutlich draufzugehen?"
"Mh, gute Frage. Vielleicht können wir am Rand entlangschleichen? Da gibt es vermutlich weniger Fallen."
"Vermutlich, die meisten würden wohl geradeaus den Raum durchqueren... Wir sollten trotzdem einen der Goblins voraus... Ich habs!" Jeremiath hörte auf, sich auf den Speer zu stützen und drehte ihn, so dass er mit der Spitze nach unten zeigte. Genauer gesagt auf einen der toten Goblins. "Warum einen Goblin vor sich her werfen, wenn man ihn wie einen Mopp vor sich her schieben kann?"
"Das ist eine gute Idee!" Begeistert stupste Tiaval den anderen Goblin mit ihrem Bogen an.
Sie erreichten den Altar ohne dabei eine weitere Falle auszulösen. Auf dem Altar hatte sich scheinbar bis vor kurzem ein Gegenstand in einer Art Halterung befunden, war jedoch mit offenbar roher Gewalt aus dieser entfernt worden.
"Das zum Thema dass hier sonst noch niemand hergegangen ist", brummte Jeremiath missmutig.
"Aber wie ist derjenige bis zum Altar gekommen? Hat er zu den Goblins gehört?"
Jeremiath deutete auf die Halterung: "Haben die so viel Kraft?"
Tiaval zuckte mit den Schultern. "Vielleicht war er auch schlau, hat die Goblins reingeschickt um die Fallen auszulösen und ist dann selbst einfach reinmarschiert."
"Oder jemand war wie wir nach den Goblins hier...", erwiderte Jeremiath etwas abgelenkt. Er untersuchte gerade den Altar und die Wände genauer, um Hinweise zu finden, wer diese Ruinen überhaupt erbaut haben könnte oder welchem Zweck sie gedient haben.
Das einzige was er feststellen konnte war, das die Ruinen scheinbar schon recht alt waren wenn er nach dem Grad des Verfalls ging.
Wenig zufrieden mit dieser Erkenntnis ging er auf demselben Weg wieder aus dem Gebäude heraus, wie sie hineingekommen waren. Den Speer nahm er - ohne den zwischenzeitlich daran aufgespießten Goblin - wieder mit. "Könnt Ihr hier Spuren von wem anderes als uns und den Goblins sehen?"
"Fest steht jedenfalls, jemand war kürzlich hier! Und ist offenbar nicht dem mysteriösen Monster begegnet, das den Freund des Jägers getötet haben soll." Tiaval folgte ihm hinaus und betrachtete unter Berücksichtigung dieser neuen Erkenntnis die Umgebung.
"Appropo Freund des Jägers, der meinte, dass sein Freund am Eingang der Ruine von einer Falle getötet wurde... Habt ihr neben den Goblinleichen auch eine menschliche Leiche gesehen?" Und appropo Goblinleichen, da lagen unterwegs ja auch noch ein paar herum, die Jeremiath nun nocheinmal näher untersuchen ging. Oder besser gesagt ihre Taschen.
Er hatte sich gerade zur ersten Goblinleiche herabgebückt,diedirekt vor dme Eingang lag, als ihn ein lautes Kreischen unterbrach. Dort wo sie selbst die Ruinen betreten hatten standen zwei Goblins, die nach einem kurzen Moment der Verwirrung laut kreischend und keulenschwingend auf ihn losstürmten.
Tiaval war ihm gefolgt und drehte sich nun erschrocken zu den Schreien um. Wie zuvor riss sie reflexartig den Bogen hoch.
Jeremiath wusste, dass er in seinem Zustand nicht die geringste Chance hatte, wegzulaufen. Dafür war er mit der Verletzung gerade viel zu schwerfällig unterwegs. Umherlaufen in der Hoffnung, dass die Goblins in Fallen laufen würden, würde eher dazu führen, dass er selbst als Vornweglaufender die Fallen auslösen würde... Also blieb ihm nur, ein Stoßgebet an die Götter zu schicken, dass die Goblins genug Ehrfurcht vor Magie zeigen würden und dass er in den zwei Tagen an der Akademie tatsächlich etwas gelernt hatte. Er versuchte, so selbstsicher und überlegen wie nur möglich auszusehen, als er dem näheren der beiden Goblins einen Feuerstoß entgegensandte.
der Zauber traf den Goblin frontal auf die Brust und ließ ihn taumeln (5 Schaden)
Tiaval tat es dem Magier gleich, auch wenn sie von seinem Feuerzauber etwas erschrocken war, und feuerte einen Pfeil auf den heranstürmenden Goblin.
Der Pfeil traf den Goblin am Kopf und warf ihn endgültig aus der Bahn (6 Schaden), er stürzte schwer, schien aber noch zu leben. Goblin Nummer zwei hatte scheinbar nicht mit derartiger Gegenwehr gerechnet, denn er wurde nun merklich langsamer.
Jeremiath war zuversichtlich, dass sie den verletzten Goblin bei einer Flucht noch erwischen würden. Außerdem war er gestürzt und damit zumindest kurzzeitig keine Gefahr mehr, weshalb er den nächsten Feuerstoß gegen den zweiten Goblin richtete.
Wieder traf sein zauber frontal (6 Schaden)
Tiaval folgte wie zuvor seinem Vorbild und schoss ebenfalls auf den zweiten Goblin. Mit Glück würde man den ersten ja vielleicht sogar noch befragen können!
Auch der zweite Pfeil war ein guter Treffer (5 Schaden) und der Goblin versuchte nun schwer verletzt zu flüchten.
"Nix da", dachte sich Jeremiath und wirkte einen dritten Zauber, um den Goblin an der Flucht zu hindern. "Wir dürfen sie nicht entkommen lassen, sonst kommen sie mit Verstärkung zurück!"
Sein Zauber gab dem Goblin den Rest, er brach tot zusammen. Der andere Goblin hatte sich inzwischn mühsam wieder aufgerappelt und versuchte ebenfalls zu fliehen.
Tiaval hob erneut ihren Bogen und zielte diesmal auf die Beine des Goblins.
Der Pfeil traf und auch dieser Goblin brach nun tot zusammen. (beide je +11 EXP)
"Puh, das lief besser als ich erwartet hätte", stellte Jeremiath erleichtert fest. Nachdem er sich noch einma umgeblickt hatte, um sich zu vergewissern, dass nicht noch etwas auf sie zuzustürmen gedachte, setzte Jeremiath sein Vorhaben, die Goblins zu durchsuchen, fort.
Tiaval senkte ihren Bogen, ihr Puls noch schnell vom Kampf. Schnell beruhigte sie sich genug, um ebenfalls die gefallenen Goblins zu durchsuchen.
Die Durchsuchungen brachten nicht sonderlich viel zutage, lediglich einige wenige Münzen konnten sie bei den Leichen entdecken (beide +5 Zechinen)
"Ich frage mich, was so viele Goblins bei dieser Ruine machen", dachte Jeremiath laut und ließ den Blick schweifen, um einen Überblick darüber zu bekommen, was es außer dem Gebäude mit dem Altar noch gibt in der Ruine.
"Was ist das überhaupt für eine Ruine?" Das Adrenalin hatte Tiavals Verstand geklärt. "Könnten Goblins sie erbaut haben?"
"Bisschen groß für Goblins", mutmaßte Jeremiath.
Es gab noch 5 weitere Gebäude, von denen zwei jedoch bereits vollständig zerfallen waren wie es schien. Zwei der übrigen Gebäude erschienen baugleich und waren recht klein, das dritte Gebäude war etwas größer und hatte früher wohl zwei Stockwerke besessen.
Tiaval sah sich um. "Wie kommt es nur, dass diese Ruine gerade jetzt so viele Wesen anzieht? Wenn hier tatsächlich lange niemand gewesen ist..." Während sie laut überlegte, wanderte sie auf das größere der Gebäude zu.
Jeremiath folgte ihr in etwas Abstand und war darauf bedacht, an dieselben Stellen zu treten, wie die Huyal - solange das gut für sie ausging.
Sie erreichten unbeschadet das größere Gebäude.
"Werfen wir sicherheitshalber einen Goblin voraus", schlug Jeremiath vor. "Dazu kamen wir immernoch nicht..."
Tiaval blickte die Fassade empor. Was hatte dieses Gebäude wohl einst beinhaltet? Nach den Erlebnissen im ersten Gebäude nickte sie zustimmend. "Ja, wir sollten sichergehen, dass uns hier keine Fallen erwarten."
Jeremiath suchte sich den nächstgelegenen Goblin, spießte ihn auf den Speer und hiefte ihn sich so ueber die Schulter. So im Gepäck ging er zu dem Gebäude zurück.
Hilfreich packte Tiaval ein Bein des Leichnams und schwang ihn Richtung Eingang.
Und Jeremiath schwang den Speer nach vorn, so dass der Goblin herunter- und in das Gebäude hineinflog.
Der tote Goblin landete mit einem satten Platschen mitten im Gebäude, ansonsten geschah nichts.
Tiaval steckte ihren Kopf durch die Türöffnung und sah sich um. "So weit, so sicher", murmelte sie.
Jeremiath stützte sich nun wieder auf den Speer und betrat das Gebäude, damit sich seine Augen an das geringere Licht gewöhnen und er sich darin umsehen konnte.
Im Inneren lagen Trümmer herum und zerfallene Möbel, etwas interessantes gab es auf den ersten Blick nicht zu entdecken.
Tiaval näherte sich einem der Möbelstücke. Vielleicht beinhaltete es ja etwas, das auf die Erbauer dieser Anlage schließen ließ.
Viel erkennen konnte man aufgrund des Zerfalls nicht, doch zumindest konnte man erahnen das die Möbel wohl menschengroßen Wesen gehört hatten.
Jeremiath ging die Innenwand ab und untersuchte sie auf Schriftzeichen.
Sollte es einmal Schriftzeichen gegeben haben, so war davon nichtsmehr zu erkennen.
Tiaval suchte einen Weg in das ehemalige obere Stockwerk. Hoffentlich gab es dort noch etwas zu entdecken!
Im hinteren Teil des Gebäudes gab es Reste einer hölzernen Treppe, die früher offenbar nach oben geführt hatte.
Missmutig brummte Jeremiath. "Diese Ruinen sind mit zig noch funktionierenden Fallen gesichert, aber ansonsten ist alles verfallen bis zur Unkenntlichkeit!" Er besah sich die größeren Trümmerhaufen und umrundete sie, um abzuschätzen, ob sie etwas unter sich begraben haben könnten oder anscheinend nur heruntergekommener Schutt sind.
Unter einem Trümmerhaufen an der linken gebäudewand schien sich eine Art Falltür zu verbergen.
Die hölzerne Treppe konnte Tiavals Vertrauen nicht gewinnen. Sicher war sie durch und durch verrottet. "Hast du etwas Interessantes gefunden?", fragte sie ihren Begleiter.
"Ich glaube, hier drunter ist irgendetwas. Helft Mir mal mit dem Schutt hier!", erwiderte Jeremiath, lehnte den Speer an die nächstgelegene Wand und versuchte, die vermeintliche Falltür freizulegen.
Tiaval eilte ihm zu Hilfe und packte mit an, um den Schutt beiseite zu räumen.
Die Trümmerstücke waren zum Glück alle nicht sonderlich groß, so dass es ihnen mit einiger Anstrengung gelang, die Falltür freizulegen.
"Sieht aus, als hätten wir doch endlich etwas gefunden... Da der Boden unter unseren Füßen noch nicht nachgegeben hat, dürfte dort unten ja nicht alles verschüttet sein!" Mit neuer Motivation versuchte Jeremiath, die Falltür zu öffnen.
Die Falltür widerstzte sich seinen Bemühunen zunächst erfolgreich, gab aber schließlich doch noch nach. Darunter kam eine alte, hölzerne Leiter zum Vorschein die in die Dunkelheit unten führte.
"Nach Euch", lud Jeremiath die Kundschafterin mit einer einladenden Geste ein, das Kellergeschoss zu erkunden.
Tiaval hatte zwar gerade erst eine hölzerne Treppe für nicht vertrauenswürdig erklärt, aber diese hier war immerhin nicht wer weiß wie lange den Witterungen ausgesetzt. Vorsichtig testete sie die oberste Sprosse.
Die Sproße wirkte ziemlich stabil und schien zu halten.
Also begann Tiaval ihren Abstieg in die Dunkelheit.
Und Jeremiath sah sich nach etwas um, dass sich als Fackel eignen könnte. Notfalls würde er einen der toten Goblins um seine Keule erleichtern und die Stofffetzen, die sie an den Leibern trugen, darum herumwickeln, um sich eine zu improbisieren.
Es war eine echte Herausforderung in der Dunkelheit auch die Sproßen zu finden doch sie schaffte es, heil unten anzukommen. Erkennen konnte sie dort allerdings nichts, denn es war stockfinster.
Aus den Überresten der Möbel sollte sich mit ein wenig Geshick wohl eine halbwegs brauchbare Fackel bauen lassen.
Dann versuchte es Jeremiath erstmal damit, bevor er sich an den Goblins zu schaffen machte.
Seine erste "Fackel" fiel sofort wieder auseinander, der zweite Versuch gelang dann besser.
"Habt Ihr Feuersteine dabei?", rief Jeremiath nach unten.
"Nein, Ihr etwa auch nicht?", schallte es zurück.
"Nein, ich war nicht auf dunkle Kellergewölbe in Ruinen in Wäldern vorbereitet", gab Jeremiath zurück.
"Gibt es denn da oben nichts, was sonst entzündlich wäre?"
"Holz!"
"Brennt das Holz?"
"Das hoffe ich ja, aber dafür müssten wir es erstmal anzünden!" Jeremiath überlegte, ob er einfach den alten Trick versuchen sollte, ein Stück Holz zwischen beiden Händen auf einem anderen Stück Holz zu drehen... Nach einem Blick zur dunklen Falltür versuchte er das dann auch. Immerhin konnte die Huyal ihn von da unten nicht sehen, wenn er sich dabei total blamierte.
So viel er auch drehte, das Holz zeigte keinerlei Ambitionen dadurch Feuer zu fangen.
Genau das hatte sich Jeremiath nämlich auch gedacht. Er hatte eben einfach keine Ahnung von derlei Überlebenstricks. "Ihr seid doch viel unterwegs, Ihr müsst doch etwas dabei haben, um Euch unterwegs eine Feuerstelle anzuzünden!"
Natürlich hatte Tiaval während ihrer Ausbildung auch gelernt, ein Feuer zu machen, aber sie würde sich doch jetzt nicht damit lächerlich machen, zwei Hölzer aneinander zu reiben! "Was habt Ihr denn schon versucht?", rieg sie nach oben.
"Ich habe eine provisorische Fackel gebaut, damit Ihr etwas seht, aber Ihr müsst schon mithelfen!"
"Ich sehe aber nichts! Wie soll ich denn von hier unten helfen?" Tiaval kniff die Augen zusammen in der Hoffnung, vielleicht doch etwas hier unten zu erkennen.
Ohne Licht hatte sie keine Chance etwas zu erkennen.
"Dann kommt doch wieder hoch!"
Auf die Idee war sie noch gar nicht gekommen. Tiaval tastete sich die Leiter wieder nach oben.
Der Aufstieg war nicht einfacher als der Abstieg, doch sie schaffte es ohne Zwischenfälle wieder nach oben.
Jeremiath reichte ihr die provisorische Fackel.
Tiaval betrachtete die provisorische Fackel.
Sie ist für eine provisorische Fackel wunderschön.
Sie war kaum als Fackel zu erkennen.
"Also... zündet sie an!", brach Jeremiath das Schweigen und Anstarren der "Fackel".
"Ja, jajaja", riss sich Tiaval aus dem hypnotischen Sog des potentiellen Lichtverbreiters. Zum Glück entdeckte sie sofrt zwei Stücke Holz, die wie dazu gemacht wirkten, aneinander gedreht zu werden. Fast sah es so aus, als hätte genau jemand gerade erst mit ihnen gemacht...
Ihr Versuch scheiterte kläglich, denn das Stück Holz brach bei ihren Bemühungen mitten entzwei.
"So ein Mist", fluchte sie. "Gibt es hier nach was Anderes, was wir anzünden könnten?"
"Das Problem ist ja gerade nicht was wir anzünden, sondern dass wir überhaupt zündeln!", seufzte Jeremiath.
"Wurden hier wirklich keine Lampen oder so zurückgelassen? Und wieso waren die Goblins so schlecht vorbereitet, dass die nichts dabeihatten?"
"Es sind Goblins, wenn sie besser vorbereitet wären, als wir, dann wäre das ein ziemliches Armutszeugnis für uns!"
"Das ist auch wieder wahr." Tiaval überlegte. "Vielleicht finden wir in den anderen Gebäuden etwas zum Feuermachen!"
"Hmm... Zwei kleinere haben wir ja noch... Gut, sehen wir nach."
Tiaval marschierte zum Ausgang.
Jeremiath ließ der Kundschafterin wieder den Vortritt. Ihm saß der Speer immer noch in übler Erinnerung.
Aufs Geratewohl wählte Tiaval eines der beiden kleineren Gebäude und marschierte zu dessen Eingang.
"Ansonsten, wenn wir da auch nichts finden, könnten wir den Eingang erstmal wieder verstecken und ins Dorf zurückgehen. Und dann morgen mit Feuerstein und Zunder zurückkommen..."
Das Gebäude war völlig heruntergekommen und hatte dem Geruch nach zu Urteilen in der Vergangenheit irgendeinem Tier als Unterschlupf gedient.
"Puh..." Tiaval wedelte mit der Hand in der Luft vor ihrer Nase herum. Die Idee, später zurückzukommen erschien zwar auf den ersten Blick recht gut, aber sie war nicht ganz sicher, ob sie die Ruinen wiederfinden würde... Deshalb wagte sie sich vorsichtig ins Innere des Gebäudes. Wenn hier ein Tier gehaust hatte, waren sicher keine Fallen zu erwarten.
Jeremiath nahm zur Kenntnis, dass Tiaval seinen Vorschlag offenbar kommentarlos zur Kenntnis genommen hatte, und ging zu einem anderen Gebäude. Der alte Stall stank ihm zu sehr.
Auch das zweite Gebäude enthielt nichts interessantes, verströmte aber zumindest keinen Geruch nach irgendwelchen Tieren beziehungsweise deren Hinterlassenschaften. Tiaval konnte im Inneren des Gebäudes nichts entdecken.
Also verließ sie das Gebäude wieder und ging dem Magier hinterher zu dem anderen Haus.
"Auch nichts", kommentierte dieser, als er es gerade wieder verließ. "Verbergen wir die Falltür und kommen wir morgen besser vorbereitet wieder... Diese Gerüchte sind seit Tagen in Umlauf, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet heute Nacht nach uns noch jemand tatsächlich her kommt und uns zuvorkommt?"
"Ihr habt recht." Hoffentlich würden sie die Ruine auch wirklich wiederfinden können... Tiaval lief zurück zum großen Haus. Dort hatte es ja auch Schutt zum verstecken gegeben.
Der angehende Magier folgte der Huyal wiedereinmal, was so langsam zur Gewohnheit wurde. Schließlich konnte er die kleine Frau schlecht allein die schwere Arbeit verrichten lassen. Und schließlich wollte er auch, dass es ordentlich gemacht wurde. Nach getaner Arbeit versteckte Jeremiath den Speer zwischen ein paar Büschen und sie machten sich auf den Rückweg zum Dorf.
Hier folgte ausnahmsweise mal Tiaval dem Magier. Inzwischen taten ihr alle Knochen weh von all dem Kämpfen und Schutt verlagern, dazu setzte so langsam der Kater ein...
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Re: Jeremiath

Beitrag von KnigRhobarder am Mi Dez 13, 2017 9:03 pm


Nach einiger Zeit stießen sie wieder auf einen Pfad im Wald und als sie diesem folgten, erreichten sie auch den Waldrand und das Dorf. Mittlerweile war es auch bereits Abend geworden und die Sonne ging allmählich unter.
"Hoffen wir mal, dass in der Taverne noch zwei Betten frei sind", murmelte Jeremiath. Viel Hoffnung hatte er angesichts des großen Andrangs allerdings nicht. Sein Glück versuchte er trotzdem.
In der Taverne herrschte gewaltiger Trubel, scheinbar hatten die allermeisten der Anwesenden dne gesamten Tag hier verbracht und etliche Humpen Bier zu sich genommen. Es gab lautstarke Diskussionen, gegrölte Sauflieder und wohl auch das ein oder andere Würfelspiel.
Jeremiath "kämpfte" sich durch den Trubel und versuchte, die Theke zu erreichen, damit er den Wirt nach einem Schlafplatz fragen konnte!
Das war garnicht so einfach, denn niemand machte freiwillig Platz. Und bereits der zweite, den Jeremiath beiseite drängte reagierte darauf äußerst ungehalten:"Hey! Was glaubt ihr wohl wer ihr seid?!" brüllte der Mann Jeremiath an baute sich vor ihm auf.
Tiaval versuchte, mitzuhalten, indem sie sich zwischen den riesigen Leuten hindurchzwängte. Irgendwo hier musste doch der Tresen sein...
"Tut mir Leid, ich suche meine Gefährtin, sie ist gerade mal halb so groß und entsprechend schwer zu finden. Sie kann doch kaum auf sich aufpassen!", erwiderte Jeremiath mit besorgtem Blick und Ton. Beide gar nicht mal so weit hergeholt, da er tatsächlich besorgt war, Bekanntschaft mit der Faust des Mannes zu machen.
Tiaval profitierte bei ihren Bemühungen von dem Trubel, den Jeremiath veursachte, denn einige Tavernengäste hatten sich interessiert dem Geschehen zugewandt und registrierten Tiaval darum garnicht. So konnte sie tatsächlich unbehelligt den Tresen erreichen.
"Achja?! Und sehe ich vielleicht aus wie eure Gefährtin?" der Mann kniff die Augen zusammen und blickte Jeremiath jetzt lauernd an.
"Hallo?" Wieder stand Tiaval vor dem Problem, dass hier der Tresen viel höher war, als er eigentlich sein sollte. "Hallo!"
Trotz des gewaltigen Trubels in seinem Schankraum dauerte es nicht lange, bis der Wirt Tiaval bemerkte "Was kann ich für euch tun?" er musste dabei die Stimme erheben um den allgemeinen Lärm zu übertönen.
"Natürlich nicht, aber sie muss hier irgendwo in der Menge sein. Nun entschuldigt mich bitte, ich würde mir nie verzeihen, wenn ihr etwas zustößt." Jeremiath versuchte, bei weniger dämlichen Exemplaren von Tavernengästen vorbeizukommen.
Der Mann schien einen Augenblick darüber nachzudenken Jeremiath festzuhalten, entschied sich dann aber doch dafür lieber seinem Humpen wieder die volle Aufmerksamkeit zu widmen. Derweil erreichte Jeremiath dann auch ohne weitere Zwischenfälle den Tresen.
Erleichtert atmete Jeremiath aus und lehnte sich an den Thresen. Geschafft.
"Wir suchen Zimmer! Zwei!" Tiaval reckte hinter dem Tresen die Hand mit zwei erhobenen Fingern empor.
Jeremiath stellte sich den Anblick von der anderen Seite des Thresens lustig vor, wenn nur ein Handgelenk mit zwei erhobenen Fingern darüberlugte und grinste entsprechend.
"Tut mir leid, ich habe nichts mehr frei für diese Nacht." erklärte der Wirt.
"Gibt es sonst noch Schlafplätze im Dorf?"
"Ich glaube kaum das die Leute Fremde einfach so bei sich aufnehmen, aber versuchen könnt ihr es natürlich." meinte der Wirt achselzuckend.
"War ja klar", dachte sich Jeremiath und seufzte. Er sah sich die Nacht schon irgendwo hinter einer Hütte verbringen und ratlos nach unten, in der Hoffnung, dass Tiaval einen Einfall hatte.
"Auf dem Weg hier her habe ich im Wald übernachtet, das wäre eine Option. Als ausgebildete Kundschafterin ist das für mich kein Problem!"
"Na, wenn Ihr das sagt...", erwiderte Jeremiath halblaut und damit wohl kaum verständlich bei all dem Lärm. Ihr Argument klang so unplausibel ja gar nicht. Nur nach den Wegfindungsschwierigkeiten des Tages hatte er so seine Zweifel.
"Hä?"
"Gute Idee, geht voraus!", sagte Jeremiath lauter und zuversichtlicher.
Tiaval nickte und begann, sich wieder durch das Getümmel zu quetschen.
Sie erreichten unbehelligt den Ausgang der Taverne.
Jeremiath folgte ihr direkt auf Schritt und Tritt!
Draußen angekommen blickte Tiaval zum sich verdunkelnden Himmel auf. "Wir sollten uns beeilen, einen Rastplatz zu finden!"
"Ihr seid die Kundschafterin, mein Rastplatz wäre da drin gewesen!"
"Richtig." Tiaval marschierte, wie meistens, voraus, fort vom Lärm der Schenke und aus dem Dorf hinaus.
So langsam fühlte sich Jeremiath wie ein nutzloser Helfershelfer, wie er Tiaval schon wieder hinterherstiefelte.
Außerhalb des Dorfes ar s bereits ziemlich dunkel und da der Himmel gerade ziemlich wolkenverhangen war, würde bald garnichtsmehr zu erkennen sein.
Tiaval machte einen geeigneten Ort ausfindig und sagte selbstbewusst: "Hier sollten wir unser Lager aufschlagen!"
Tatsächlich schaffte sie es, im letzten Tageslicht eine recht gut zum Lagern geeignete Stelle am Waldrand zu finden.
"Sag ich doch", sagte Tiaval.
"Ich habe doch gar nichts gesagt!", erwiderte Jeremiath und versuchte es sich mit seiner Tasche als provisorisches Kopfkissen so bequem wie den Umständen entsprechend möglich zu machen. "Ich werde morgen früh so erschlagen sein", dachte er und seufzte hörbar.
Tiaval hatte bereits Kopfschmerzen vom Kater und grummelte nur vor sich hin.
"Ähm... ja, gute Nacht?"
*schnarch*
Die Nacht verlief zunächst störungsfrei, doch irgendwann wurden die beiden von einsetzendem Regen geweckt.
Jeremiath rutschte murrend eng an den Stamm einer der Bäume mi weiter Krone, neben denen sie lagerten.
Tiaval zog sich ihren Rucksack über den Kopf und versuchte, weiterzuschlafen.
Zu ihrem Glück ließ der Regen schnell wieder nach und so konnten ie, wenn auch etwas durchnässt, ohne Störungen weiterschlafen.
*schnarch*
*ratzepüüüüh*
Tiaval konnte bei diesem Krach nicht schlafen und steckte ihren Kopf noch tiefer in den Rucksack.
*RATZEPÜÜÜÜÜÜÜH*
Tiaval dreht sich in Schlaf und Rucksack um und haut in Richtung dieser Ruhestörung.
Jeremiath dreht sich daraufhin auch einmal und ist fortan ruhig.
Tiaval konnte dann auch endlich in Ruhe schlafen.
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Re: Jeremiath

Beitrag von KnigRhobarder am Mi Dez 13, 2017 9:13 pm

Als sie am nächsten Morgen erwachten fühlten sie sich nicht wirklich erholt. Durch die Nässe war ihnen ziemlich kalt geworden und der Boden war auch alles andere als bequem gewesen.
"Ich fühle mich nicht wirklich erholt. Durch die Nässe ist mir ziemlich kalt geworden und der Boden war auch alles andere als bequem gewesen", sagte Tiaval.
"Ihr nehmt mir die Worte aus dem Mund...", grummelte Jeremiath morgenmuffelig. "Wärmen wir uns in der Taverne etwas auf und dann besorgen wir uns Fackeln..."
"Klingt nach einer guten Idee." Tiaval streckte ihre steifen Glieder. Mühsam sammelte sie ihre Habseligkeit zusammen und stopfte sie zurück in den Rucksack.
Auch Jeremiath hängte seine Tasche wieder um, bevor er, noch immer missmutig und dementsprechend schweigsam, zurück in Richtung Taverne stapfte. Unterwegs aß er etwas von den mitgebrachten Rationen.
Tiaval schlurfte hinterher. Ihr Magen knurrte, aber sie hatte ihre Rationen aufgebracht. Deshalb aß sie ein paar Beeren, die sie an einem Busch fand.
Die Beeren schmeckten scheußlich. Den Geschmack würde sie sicher noch bis zur Taverne im Mund haben.
"Wir brauchen Fackeln!", erklärte Tiaval noch einmal mit leuchtenden Augen, die vermutlich auch ohne Fackeln den Keller der Ruine hätten erleuchten können.
"Nebst Feuerstein und Zunder, um sie anzuzünden", fügte Jeremiath sicherheitshalber hinzu.
"Fackeln? Ja, die habe ich. Und Zunderbüchsen natürlich auch, kein Problem." der Mann kramte Fackeln und Zunderbüchsen hervor. "Ich nehme an für jeden eine Zunderbüchse? Und wie viele Fackeln dürfen es sein?"
"Wie lange halten sie denn etwa?"
"Die Fackeln? Eine Stunde in etwa denke ich."
Jeremiath wandte sich an Tiaval: "Dann erstmal eine für jeden, würde ich sagen."
"Und was kosten die?", fragte Tiaval, immer noch aufgeregt.
"Fackel und Zunderbüchse zusammen gebe ich euch für jeweils 4 Zechinen."
"Ja, das klingt gut", nickte Tiaval sowohl zu dem Händler als auch dem Magier.
Letzter war bereits dabei, die vier Zechinen abzuzählen und dem Krämer auf den Tisch zu legen.
Eifrig tat Tiaval es ihm nach.
Der Händler bedankte sich und reichte jedem jeweils eine Zunderbüchse und eine Fackel.
"Oooh, jetzt schnell zurück in den..." Tiaval stockte. Sie sollte doch nichts verraten! "In *unseren* dunklen Keller! Zu Hause." Sie zwinkerte ihrem Begleiter verschwörerisch zu.
"Habt Dank", entgegnete Jeremiath daraufhin, verstaute die Zunderbüchse in seiner Tasche und hängte sich die Fackel an seinen Gürtel. Auf Tiavals Worte hin verzog er gequält das Gesicht und sah den Krämer fast schon hilfesuchend an. "Gehabt Euch... wohler als ich, vermute ich", verabschiedete er sich.
Aufgeregt wuselte Tiaval aus dem Laden und überlegte, in welcher Richtung sie gestern gegangen waren.
Den Göttern sei Dank war Jeremiath weit weniger zerstreut und schlug kurzerhand den Weg in Richtung Waldpfad ein. Diesmal würden sie nicht erst ewig umherirren, nur, um dann auf genau diesem Pfad zu landen.
Tiaval war nicht ganz überzeugt, dass das der richtige Weg war, aber sie war viel zu aufgeregt, um selbst die richtige Richtung zu finden. Irgendwie würde es schon gutgehen!
Vom Waldpfad aus gingen sie dann wie am Vortag in Richtung Ruine.
Sie waren noch nicht sonderlich weit gekommen, da sahen sie sich einem ziemlich großen Bären gegenüber. Dieser schien allerdings nicht weniger überrascht ob der plötzlichen Begegnung und starrte die beiden zunächst nur an.
Nicht gewillt, einem so schönen Geschöpf des Waldes den Pelz zu versengen und den Jägern des Dorfes die Beute zu nehmen entfernte sich Jeremiath eilends von dem Bären - bereit, loszurennen, wenn dieser seine pazifistische Einstellung ob dieser Begegnung nicht teilen sollte.
Nachdem Tiaval ihre anfängliche Überraschung überwunden hatte, griff sie ihren Bogen, um die erfolgreiche Zusammenarbeit gegen die Goblins zu wiederholen. Doch als sie nach einem Pfeil greifen wollte bemerkte sie die Leere Stelle neben ihr, an der eindeutig kein Magier stand. Schnell erfasste sie die Situation und folgte dem Magier.
Der Bär bedachte die beiden noch mit einem bedrohlichen Brüllen, schien aber ansonsten damit zufrieden zu sein das die beiden sich zurückzogen und macht keinerli Anstalten, ihnen zu folgen.
"Dann gehen wir eben einen Umweg", schlug Jeremiath vor. "Einen schönen, großen Bogen um den Bären."
Dieser Plan erschien Tiaval ein guter zu sein, konnte er sie doch auf den richtigen Weg führen. Zustimmend nickte sie.
Auf ihrem Umweg gab es keine weiteren Zwischenfälle und so erreichten sie schließlich wieder die Ruinen.
"Hurra", stellte Jeremiath nüchtern fest. "Und jetzt will ich endlich wissen, was wir dort unten finden... Vermutlich einfach nur Staub, Geröll und Spinnweben..."
Zuersteinmal holte sich Jeremiath aber den Speer zurück, den er am Vortag versteckt hatte.
Tiaval hatte doch gewusst, dass das der falsche Weg gewesen war! Zum Glück hatte der Bär sie auf den richtigen Pfad gebracht. Jedenfalls war sie jetzt Feuer und Flamme, die Ruinen zu erkunden und lief zu dem Haus, in dem die Luke gewesen war.
Sie fanden das Innere des Gebäudes so vor wie sie es am Tag zuvor zurückgelassen hatten.
Nachdem er den Speer geholt hatte ging auch Jeremiath wieder in das Gebäude und half dabei, die Luke wieder freizulegen. "Geht Ihr wieder vor? Nur diesmal mit Licht", fragte Jeremiath.
Aufgeregt nickte Tiaval. Dann tat sie ihr Bestes, ihre Fackel zu entzünden.
Dank der Zunderbüchse war es kein problem die Fackel anzuzünden.
Derart mit Licht ausgestattet stiegen sie die Treppe hinunter und sahen sich um.
Mit einer Fackel in der Hand konnte man zwar sehen wo man hintrat, hatte aber natürlich eine Hand weniger umsich an der durchaus morschen Leiter festzhalten. Dennoch schafften sie es heil nach unten und fanden sich dort in einer Art Lagerraum wieder. Allerdings waren die Lagerregale schon ziemlich zerfallen und was auch imemr dort einmal gelagert hatte, war offenbar vor alnger Zeit entfernt...
...worden.
Mit erhobener Fackel ging Tiaval zwischen den Regalen entlang, auf der Suche nach irgendetwas Interessantem.
Jeremiath fasste den Speer beidhändig und folgte Tiaval. Er rechnete zwar nicht direkt mit einem Angriff in einem verschütteten Lagerkeller, aber sicherer fühlte er sich so trotzdem.
"Ich hoffe, hier findet sich nach all der Mühe etwas mehr als zerfallene Regale und Nichts!"
Da der Lagerraum nicht besonders groß war, dauerte es nicht sonderlich lange ihn zu durchsuchen. Doch außer Staub alten, halb zerfallenen Regalen schien es hier tatsächlich nichts zu geben.
"Was für eine Enttäuschung!", stellte Tiaval enttäuscht fest. "Gibt es in diesen Ruinen denn gar nichts Interessantes?"
"Irgendwo muss es etwas geben... Wenn alles schon geplündert wäre, wären die Fallen nicht mehr aktiv gewesen", mutmaßte Jeremiath. "Bestimmt gibt es hier irgendwo einen... Geheimgang oder so. Leuchtet doch einmal alle Ecken aus!
Tiaval leuchtete alle Ecken aus.
Auch in den Ecken fand sich jedoch nichts von Interesse.
Gefrustet klopfte Jeremiath mit dem Stab die Wände ab. "Ein zugemauerter Gang ist hier irgendwo, eindeutig!"
Die Wände klangen überall gleichmäßig massiv.
Tiaval stampfte auf dem Boden herum. Vielleicht gab es ja noch mehr versteckte Luken. Eine hatten sie ja schon gefunden.
Eine Luke konnte sie nicht finden, dafür trat sie jedoch an einer Stelle im dicken Staub auf dem Boden auf irgendetwas kleines, hartes wodurch sie fast stolperte.
"Hier ist etwas kleines, hartes!", rief sie aufgeregt. "Ich wäre fast gestolpert!" Mit ihrer Fackel leuchtete sie die Stelle am Boden aus.
Jeremiath konnte sich nur darüber wundern, dass die Huyal sogar beim Herumstampfen ins Straucheln geriet, verbarg seine Verwunderung darüber aber, als sie sagte, sie hätte etwas gefunden.
Stattdessen beugte sich Jeremiath zu der ausgeleuchteten Stelle herunter und wischte den Staub beiseite.
Im Staub fand sich ein kleiner, unregelmäßig geformter und im Schein der Fackeln schwach grünlich schimmernder Stein.
Jeremiath hob ihn aus dem Staub und wischte ihn an seiner Robe sauber. Dann hielt er ihn erneut in den Schein der Fackel.
Der grünliche Schimmer war nun etwas stärker zu sehen, aber immer noch ziemlich schwach.
"Was ist es?", fragte Tiaval aufgedreht.
"Was macht ein Edelstein hier unten?", wunderte sich Jeremiath halblaut. "Auf jeden Fall sollten wir den nicht in diesem kleinen Dorf mit all den betrunkenen Grobianen erwähnen oder zeigen... Sonst sind wir den sofort wieder los." Nach kurzer Überlegung ergänzte Jeremiath: "Mal ein ganz abwegiger Gedanke: In dem Haupthaus war doch eine Fassung aus der irgendetwas entwendet wurde. Ob das auch ein Stein war, wir den hier stattdessen in die Fassung setzen und damit eine Geheimkammer freilegen können?" Der angehende Magier hatte eindeutig zu viele klischeehafte Geschichten gelesen.
"Die Fassung im Haupthaus war doch deutlich größer als das kleine Steinchen", sagte Tiaval überzeugt.
Jeremiath seufzte. "Da habt Ihr wohl Recht... Vielleicht findet Ihr ja weitere Steine, wenn ihr herumstampft?", schlug er vor.
Tiaval hatte so ihre Zweifel an dieser Herangehensweise, aber sie stampfte versuchsweise noch etwas herum.
Jeremiath brummte missmutig: "Am Ende war der Jäger wirklich hier, hat seinen Freund umgebracht, nachdem sie aus der Hauptruine was auch immer dort war entwendet haben und eine Geschichte erzählt, damit ihm keiner auf die Schliche kommt..."
Tiaval schrak zusammen. Stimmt, da war ja die Geschichte mit dem Monster! Das hatte sie schon komplett vergessen. Und sie stampfte hier lautstark herum! Erschrocken erstarrte sie auf der Stelle und flüsterte: "Aber das Wesen... Was hat die Goblins getötet?"
"Na die Fallen", erwiderte Jeremiath. "An das Monster glaube ich mittlerweile gar nicht mehr."
Tiaval entspannte sich etwas. "Huh." Waren die Gerüchte doch wahr gewesen? "Dann gibt es hier wirklich nichts? Aber was macht der Edelstein hier?"
"Vermutlich beim Ausräumen runtergefallen. Viel wichtiger ist doch, was war hier sonst noch, wer hat das hier erbaut und warum ist alles voller Fallen? Das scheinen wir hier nicht in Erfahrung zu bringen..."
"Aber wo sollen wir weitermachen? Wir haben keine anderen Spuren!"
"Lasst uns einmal nach Spuren von dem toten Freund des Jägers suchen. Laut seiner Erzählung ist er direkt am Eingang der Ruinen ums Leben gekommen. Wenn das stimmt, sollten sich dort ja zumindest Blutspuren finden."
"Stimmt! Wurde überhaupt seine Leiche gefunden? Oder hat die Kreatur ihn verschleppt?"
"Der Jäger klang zumindest bei seiner Erzählung, als hätte er sich nicht die Zeit genommen, seinen Freund mitzunehmen... Und da wir ihn nirgendwo liegen sahen, hat ihn entweder eine Kreatur mit krallenbewährten Füßen entführt oder an der ganzen Geschichte ist einfach etwas faul."
Jeremiath wandte sich zum Gehen, bat dann aber doch Tiaval, mit dem Licht der Fackel vorauszugehen.
Tiaval kam dieser Bitte gerne nach. Vorsichtig kletterte sie die Leiter wieder nach oben.
Nach oben zu stigen erwies sich mit Licht als bedeutend leichter als das Herabsteigen und so gelanten sie beide sicher wieder oben an.
Jeremiath ging dann zurück zum Eingang der Ruinen und suchte den Boden nach Blutspuren ab. Und bei der Gelegenheit schaute er auch, ob die beiden Goblins, die sie gestern erwischt hatten, noch da lagen, wo sie sie haben liegen lassen.
Tiaval löschte die Fackel und eilte dann ebenfalls zum Eingang, um sich dort umzusehen.
Die Goblins lagen noch an ort und Stelle und Jeremiath fand auch eine nicht unerhebliche Blutspur, allerdings ohne zugehörige Leiche.
Über diesen Fund informierte er die kleine, aufgedrehte Huyal. "Bleibt uns gerade wohl nicht viel anderes an Spuren übrig, denen wir nachgehen können, als der hier" - er deutete auf die Blutspur - "zu folgen."
Na, DAS klang doch mal nach einer Kundschafteraufgabe! Endlich konnte Tiaval ihre erlernten Fähigkeiten einsetzen und machte sich mit vollem Eifer daran, der Spur zu folgen.
Die Spur endete nach wenigen Metern hinter einem Mauerrest. Dort lag auch die, bereits von diversen Tieren ziemlich angefressene, Leiche eines Mannes.
"Puh..." Angewidert wandte Tiaval sich ab. "Den hätten wir dann wohl gefunden."
"Irgendjemand scheint sich die Mühe gemacht zu haben, die Leiche hierhinter zu ziehen und zu verstecken... Aber eindeutig war das keine Eulenbestie, die ihn verschleppt und aufgefressen hat", dachte Jeremiath laut. Er zog sich die Robe über die Nase und beugte sich herunter, um die Leiche zu untersuchen. "Ich würde zu gern wissen, ob sich noch Einstichwunden erkennen lassen."
Die offenkundige Todesursache waren vermutlich zahlreiche Pfeile gewesen, bei genauerem Hinsehen ließen sich in der Leiche noch 4 abgebrochene Pfeile erkennen.
Jeremiath deutete auf die nicht zu übersehenden Pfeile: "Ihr seid die Kundschafterin, sehen die für Euch halbwegs neu oder eher nach einigen Dutzend bis hundert Jahren alt aus?"
Tiaval überwandt ihren Ekel und betrachtete widerwillig die Pfeile.
Die Pfeile waren von offenbar primitiver Bauart, aber derart einfache Pfeile fanden auch heute noch Verwendung. Es war allerdings nicht zu erkennen wie alt die Pfeile wirklich waren, dafür hatten Blut und hungrige Tiere gesorgt.
"Schwer zu sagen. Die könnten schon etwas älter sein, aber wirklich beurteilen kann ich das nicht."
War ja klar, dass sie wieder keine Ahnung hatte, dachte sich der angehende Magier. "Nun, ich denke, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass unser Jäger seinem Freund gleich mehrere Pfeile in die Brust geschossen hat... Sieht mir also doch eher nach einer Fall als nach einem Mord aus... Auch, wenn ich mich frage, wer die Zeit hatte, ihn hierher zu schleifen..."
"Bei näherer Betrachtung fällt mir auf, dass die Pfeile so aussehen wie die, die auch die Goblins getötet haben. Ihr könntet also recht haben, dass er durch eine Falle gestorben ist. Aber warum sollte sein Freund dann die Geschichte von dem Monster erfinden?"
"Ich weiß es nicht", gab Jeremiath seufzend zurück. "Aber davon, dass er hier am Eingang gestorben ist und die Goblins im Innern können wir wohl darauf schließen, dass er und der Jäger vor den Goblins hier waren... Also scheint es mir unwahrscheinlich, dass der Jäger was auch immer in der Fassung im Haupthaus war gefunden und die Eulenbestie erfunden hat, damit niemand nachforscht. Bleibt die Frage, warum so kurz darauf Goblins auch hier hergekommen sind. Jahrzehntelang bleibt diese Ruine unberührt und innerhalb weniger Tage oder Wochen kommen erst zwei Jäger aus dem Dorf und danach ein ganzer Trupp Goblins hintereinander hier her?"
"Das ist wirklich seltsam." Tiaval überlegte. "Wo die Goblins wohl hergekommen sind? So ein Trupp muss doch auch Spuren hinterlassen." Sie sah sich um, ob sie noch erkennen konnte, von wo die Goblins das Areal betreten hatten.
Es gab zwar zahlreiche Spuren, doch da sie bisher keine Rücksicht darauf genommen hatten wra nun nichtmehr zu erkennen wo welche Spur herkam oder hinführte.
Tiaval ging zurück zur Leiche und versuchte zu erkennen, ob ihr Körper Spuren von Klauen oder ähnlichem aufwies. Auch wenn es eklig war.
"Eigentlich brauchen wir ja nur zu sehen, ob es Spuren außerhalb des Bereiches gibt, in dem wir herumgelaufen sind... Also in eine andere Richtung in den Wald führen als aus der wir kamen", dachte Jeremiath laut.
Abgesehen von den Bissspuren der Aasfresser war an der Leiche nichts weiter zu erkennen.
"Das ist eine gute Idee." ""
Tiaval ließ die Leiche Leiche sein und entfernte sich lieber etwas von ihr. "Ich kann jedenfalls sonst nichts weiter erkennen."
Es dauerte garnicht lange, da hatte Tiaval eine passende Spur gefunden. Die Goblins waren scheinbar ohne besondere Vorsicht durch den Wald gestampft. Zwar konnte sie nicht erkennen wie viele es genau waren, aber auf jeden Fall waren es mehr gewesen als sie Leichen in den Ruinen gefunden hatten.
"Hier drüben!", rief sie aufgeregt und präsentierte ihren Fund. "Es waren also noch mehr hier, einige sind also entkommen! Vermutlich haben die dann das Ding aus der Ruine geklaut!"
"Mehr? Ich weiß nicht, ob es eine gute Idee ist, den Spuren zu folgen... Ich meine, wir sind nur zu zweit. Gegen zwei von ihnen kommen wir an, aber was, wenn es zwei Dutzend sind? Wenn die uns entdecken, dann..." Er ließ den Satz offen.
"Wir wissen auch nicht, wohin die entkommenen Goblins dann gegangen sind. Aber wenn wir herausfinden, woher sie kommen, könnte uns das vielleicht trotzdem weiterhelfen. Wir müssen eben vorsichtig sein."
Jeremiath dachte einen Moment darüber nach, was ihm mehr Sorgen bereitete. Die Aussicht, in eine Horde Goblins und den sicheren Tod zu laufen oder mit leeren Händen zu Hochmeister Elowin zurückzukehren... "Geht voran", sagte er schließlich, als er das Gesicht des Arsani vor sich sah.
Vorsichtig folgte Tiaval den Spuren, die sie entdeckt hatte.
Sie waren noch nicht sehr weit gekommen, da kam ihnen eine Orkfrau entgegen. Jeremiath erkannte sie als diejenige, mit der er sich in der Taverne des Dorfes kurz unterhalten hatte. "Ihr solltet umkehren." teilte die Ork ihnen mit, ohne sich Zeit für irgendeine Art der Begrüßung zu nehmen.
"Kommen wir ansonsten Euch und Eurer Beute oder Goblins in die Quere?", erwiderte Jeremiath und hob zumindest kurz grüßend die Hand.
Die Orkfrau grinste:"Goblins. Jedenfalls wenn ihr sie einholen könnt."
Da das bedeutete, dass die Goblins sich entfernten und nicht jeden Moment hinter der Orkjägerin auftauchen würden, entspannte sich Jeremiath. "Danke für die Warnung. Hattet Ihr Erfolg bei Eurer Jagd?"
Sie schüttelte den Kopf "Nein." sie blickte dabei recht grimmig drein. "Und ihr?"
Auch Jeremiath schüttelte den Kopf "Außer, dass die Goblins ebenfalls in der Ruine waren und einige von ihnen in die Fallen gelaufen sind konnte ich auch nichts in Erfahrung bringen, nein... Außer, dass sie vermutlich irgendetwas gefunden und gestohlen haben. Aber die Götter wissen, was."
"Sie hatten es jedenfalls eilig wieder von hier wegzukommen."
Jeremiath schaute in die Richtung, aus der die Orkfrau gekommen war. "Ihr wisst nicht zufällig, wohin sie unterwegs sein könnten?"#
Wieder schüttelte sie den Kopf "Nein. Und ich werde es auch nichtmehr herausfinden, sie haben drei Tage Vorsprung."
Der angehende Magier nickte: "Zu schade, aber habt Dank. Ich wünschte, ich könnte Euch ebenfalls etwas hilfreiches sagen, aber die mysteriöse Kreatur haben wir weder gesehen noch sind uns derlei Spuren aufgefallen."
"Ich werde mir andere Beute suchen." sie setzte ihren Weg fort, hielt aber noch einmal kurz inne. "Ihr solltet ebenfalls ins Dorf zurückkehren."
"Viel Erfolg", wünschte Jeremiath noch und wandte sich dann an Tiaval: "Wenn die Goblins bereits so weit weg sind, sollten wir wirklich umkehren. Dann können wir hier gerade nichts mehr tun."
Enttäuscht blickte Tiaval der Spur nach. "Ja, vielleicht habt ihr Recht."
Darauf bedacht denselben Weg einzuschlagen wie sie gekommen waren, um sich nicht zu verirren, traten sie also abermals den Rückweg ins Dorf an.
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Re: Jeremiath

Beitrag von KnigRhobarder am Mi Dez 13, 2017 9:17 pm

Sie erreichten das Dorf ohne Zwischenfälle und stellten fest, das es mittlerweile wieder Nachmittag geworden war.
"Was werdet Ihr nun tun?", fragte Jeremiath seine Begleiterin.
Tiaval überlegte. "Ich würde gerne das Rätsel der Ruine lösen. Aber im Moment weiß ich nicht, wo wir noch weitersuchen könnten. Was habt Ihr geplant?"
Jeremiath seufzte. "Zurück zur Akademie gehen und dem Hochmeister berichten, was wir herausfinden konnten. Und zu den Göttern beten, dass er mich für die wenigen Erkenntnisse die wir gewonnen haben nicht aus der Akademie wirft."
"Oh." Akademie? War der etwa noch gar nicht ausgebildet? Das erklärten natürlich, warum sie als ausgebildete Kundschafterin so wenig hatte erreichen können, mit einem solchen Klotz am Bein! "Das klingt doch nach einer guten Idee. Dann könnt Ihr noch weiter an Euren Künsten arbeiten."
"Das hoffe ich zumindest... Der Hochmeister meinte, entweder, ich solle mit Informationen oder gar nicht wiederkommen... Also, falls Euch doch noch etwas einfällt, wäre jetzt ein guter Moment, bevor ich meinem Schicksal entgegenreise."
Tiaval überlegte. "Nein, es scheint so, als hätten wir alles gemeinsam herausgefunden, ich weiß also nicht mehr als Ihr."
Abermals seufzte Jeremiath, bevor er Ihr die Hand zum Abschied reichte: "Nun gut, dann lasst mich Euch für die Zusammenarbeit danken, ... Verdammt, ich kenne nicht einmal Euren Namen!"
Tiaval reichte ihm ebenfalls die Hand. "Stimmt, ich kenne Euren auch gar nicht!" Merkwürdig, das war ihr bisher gar nicht aufgefallen. Wie hatten sie das die ganze Zeit durchgehalten?
"Jeremiath", stellte sich jener daraufhin vor.
"Tiaval", antwortet Tiaval, immer noch seine Hand schüttelnd.
"Freut mich... Mögen Eure weiteren Wege von mehr Erfolg gekrönt sein als dieser, vielleicht kreuzen sich unsere Wege ja eines Tages erneut. Gehabt Euch wohl, Tiaval!"
"Gehabt Euch auch wohl, Jeremiath!" Etwas wehmütig war ihr bei diesen Worten schon. War ihr erstes Abenteuer etwa jetzt zu Ende, so ganz ohne Erfolg?
Nach dieser Verabschiedung wandte sich Jeremiath ab - und stellte fest, dass er durch den Sprung durch das Portal keine Ahnung hatte, wo er überhaupt war. Großartig...
Auch Tiaval wandte sich ab und marschierte erstmal zurück ins Dorf.
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Re: Jeremiath

Beitrag von KnigRhobarder am Mi Dez 13, 2017 9:18 pm

Jeremiath ging zurück in das Gasthaus, um sich beim Wirt nach dem Weg nach Silian zu erkunden.
"Silian? Am einfachsten ist es wenn ihr einfach der Straße folgt, die aus dem Dorf führt. Sobald ihr dann auf die große Straße stoßt haltet euch dort einfach in nördlicher Richtung und ihr kommt nach Silian. Zu Fuß werdet ihr aber eine ganze Weile unterwegs sein."
"Wie weit ist denn eine ganze Weile?"
"Ich sebst war noch nie dort, aber ich schätze ihr werdet 5 Tage brauchen."
Portalmagie. Jeremiath würde die Portalmagie, mit der Hochmeister Elowin ihn binnen Sekunden hierhergebracht hatte, während seiner Ausbildung zum Magier erlernen. Soviel stand fest. "Habt Dank für die Auskunft. Gehabt Euch wohl", verabschiedete sich der angehende Schüler daraufhin wieder und machte sich auf den beschriebenen Weg...
Der lange Fußmarsch war ziemlich anstrengend, doch zumindest fand er unterwegs Gelegenheiten, sich ordentlich auszuschlafen und so erreichte er tatsächlich am Nachmittag des fünften Tages die Tore von Silian (Mana aufgefüllt, LP aufgefüllt, -7 Zechinen)
"Endlich!" Das tagelange Laufen machte sich in Jeremiaths Waden bemerkbar und er gönnte sich einen Moment des Verschnaufens, indem er sich auf den alten Speer stützte. Dieser hatte ihm in den vergangenen Tagen zumindest als Wanderstab gute Dienste geleistet. Nach einer kurzen Pause betrat er dann die Stadt. Auf dem Weg zur Akademie ließ er sich allerdings Zeit, schließlich trennte ihn nur noch dieser kurze Weg von seiner nächsten Begegnung mit dem Hochmeister der Pforte - nach dem er sich in der Akademie schließlich angekommen auch erkundigte.
Ein Magier, der den Speer mit einem schrgen Blick registrierte, führte ihn zu Hochmeister Elowin "Oh, ihr seid tatsächlich zurückgekehrt." stellte dieser fest.
Während Jeremiath sich vor dem Hochmeister respektvoll verneigte, verdrehte er die Augen über diese geringschätzige Begrüßung. "Mit den Informationen über die Geschehnisse in dem Dorf, die einzuholen Ihr mich beauftragt habt."
"Und gedenkt ihr auch mir diese Informationen mitzuteilen?"
"Die Dorfjäger sind im Wald auf alte Ruinen gestoßen. Den noch aktiven Fallen nach zu urteilen wurden sie davor auch noch nicht entdeckt. Dieser Fund hat abenteuerlustige Schatzsucher angelockt, die sich dann in der örtlichen Taverne betranken. Und eine Horde Goblins, die die Ruinen schließlich geplündert haben und es danach ziemlich eilig hatten, wieder zu verschwinden. Das muss etwa drei, vier Tage, bevor ich selbst dort angekommen bin, gewesen sein. Im mittig gelegenen Gebäude der Ruine gab es einen Sockel mit einer Fassung. Was darin war, wissen die Götter und die Goblins, die es an sich genommen haben." Jeremiath wartete einen kurzen Moment, bevor er weitersprach. "Aber was auch immer es war, die Goblins wussten offensichtlich, wo und wonach sie suchten."
"Außerdem gab es noch Gerüchte über eine Kreatur, deren Fußspuren wie die eines ausgewachsenen Menschen mit Krallen aussehen sollen. Gesichtet hat eine solche Kreatur jedoch niemand."
"Also nichts von Belang. Nungut, das war auch nicht anders zu erwarten." Elowin musterte Jeremiath einen Moment lang. "Immerhin seid ihr zurückgekehrt, ihr scheint also nicht völlig unfähig zu sein. Wartet hier, ich lasse jemanden rufen der sich um alles weitere kümmert." mit diesen Worten schritt Elowin davon (+100 EXP)
Jeremiath seufzte und verdrängte den Gedanken, "Arschloch" zu murmeln. Auch, wenn sich besagter Gedanke einige Zeit lang hartnäckig hielt, während er wartete.
Nach kurzer Zeit kam ein junger Magier auf ihn zu "Seid gegrüßt, ich bin Warno. Ihr seid sicher Jeremiath, nicht wahr?" grüßte dieser höflich.
"So ist es, seid gegrüßt!", erwiderte Jeremiath freundlich.
"Folgt mir bitte, ich bringe euch zu Hochmeister Peragioc. Er wird euch dann einen Lehrmeister zuteilen für eure Ausbildung."
Jeremiath nickte und folgte dem jungen Magier. "Könnt Ihr mir etwas über Hochmeister Peragioc sagen? Vom letzten Hochmeister, den ich traf, war ich etwas... überrascht", drückte er es gelinde aus.
"Hochmeister Elowin kann recht schwierig sein, das ist wahr." Warno schien aus Erfahrung zu sprechen. "Hochmeister Peragioc ist für die Ausbildung der Magier zuständig und er ist meist recht umgänglich."
Das klang doch nach einer Verbesserung der Umstände. "Das ist beruhigend zu hören... Hat Hochmeister Peragioc auch einen besonderen Titel? Hochmeister Elowin ist ja der Hochmeister der Pforte."
"Hochmeister Peragioc ist der Hochmeister der Sprüche." Warno blieb vor einer schweren, reich verzierten Holztür stehen. "Er erwartet euch drinnen."
Jeremiath nickte Warno zu: "Habt Dank." Nach einem tiefen Atemzug klopfte Jeremiath an und öffnete dann die Tür, um einzutreten. Wenn er ohnehin erwartet wurde, schien es unsinnig, auf ein extra "Herin!" zu warten.
In dem Raum befanden sich einige Regale und Schränke, in der Mitte des raumes befand sich eine Art kleines Pult und davor stand ein Schemel. Auf diesem Schemel stand ein Huyal in einer reich verzierten Robe. "Jeremiath, richtig?" meinte er statt einer Begrüßung und musterte ihn aufmerksam von oben bis unten.
Jeremiath brauchte einen kurzen Moment, bevor er sich respektvoll verneigte und die Frage beantwortete: "Der bin ich. Ich grüße Euch, Hochmeister." Einen Huyal hatte er nicht erwartet. Schon gar nicht, nachdem sein Eindruck von der Kompetenz der Angehörigen dieser Rasse durch jüngste Ereignisse etwas getrübt wurde.
"Wenn ich euch so ansehe." sein Blick verharrte einen Moment auf dem Speer "dann ist es nicht sonderlich schwer den richtigen Lehrmeister für euch zu finden." ein amüsierter Ausdruck erschien dabei auf seinem Gesicht und Jeremiath fiel auf, das der Hochmeister offenbar schon recht alt war. Nebenher kramte er mit einer Hand in einer Tasche seiner Robe und murmelte etwas unverständliches.
Jeremiath bemerkte, dass Peragiocs Blick auf dem alten Speer hängen blieb. "Oh, das... Ein Andenken an Hochmeister Elowins Aufgabe und eine Erinnerung daran, vorsichtig zu sein. Der Speer hätte meine Reise um ein Haar beendet, stattdessen habe ich ihn auf selbiger als Wanderstab verwertet", erklärte Jeremiath, warum er mit einem alten Speer herumlief, obwohl das in der Akademie vermutlich ziemlich dämlich aussah.
Bevor Peragioc darauf etwas erwidern konnte, betrat ein weiterer Magier den Raum "Ihr habt mich gerufen?" erkundigte er sich und verneigte sich höflich. "Ah, Valorian. Ich habe einen neuen Schüler für euch." Peragioc deutete auf Jeremiath.
Jeremiath drehte sich zu dem Neuankömmling um und verneigte sich seinerseits höflich. "Seid gegrüßt, ich bin Jeremiath", stellte er sich kurz vor.
"Nun, dann folgt mir bitte, ich denke es ist das beste wenn ich euch ersteinmal etwas näher kennenlerne." Valorian verneigte sich noch einmal kurz in Richtung des Hochmeisters und verließ dann den Raum.
Jeremiath tat es seinem neuen Lehrmeister gleich und folgte diesem dann.
Valorian führte ihn in den Speisesaal wo er sich an einen Tisch setzte "Setzt euch, ihr seid sicher hungrig nach der lange Reise."
"Das kann man wohl sagen. Ihr wisst bereits von meiner Reise?", fragte Jeremiath etwas verwundert, schließlich war er gerade erst davon zurückgekommen.
"Oh, Hochmeister Elowin neigt dazu Anwärter in der Gegend herumzuschicken um sie zu prüfen."
"Es war zumindest eine interessante Reise", erwiderte Jeremiath in Gedanken an die völlig verwirrte Huyal. "Ihr sagtet, Ihr wollt mich erst einmal kennen lernen. Möchtet Ihr etwas bestimmtes wissen?"
"Warum fangt ihr nicht einfach mit eurer Reise an?" Valorian winkte einen anderen Schüler heran der gerade zufällig vorbeikam "Seid doch so gut und bringt uns etwas zu Essen, ja?" Der Schüler verneigte sich kurz und kam der Bitte rasch nach.
Jeremiath nickte, bevor er von Elowins Aufgabe und der damit verbundenen Reise erzählte. Von den Gerüchten, die er in der Taverne vom Jäger hörte und der Orkjägerin, die er dort traf. Von dem ominösen Wesen, das sie jagen wollte. Von der quirrligen Huyal, die unter all den kräftigen Möchtegernabenteurern schließlich doch die einzige war, die tatsächlich den Mut aufbrachte, die Ruinen zu erkunden. Von der Speerfalle, die nun sein Reisestab war und den toten Goblins sowie den toten Jäger, den sie dort fanden. Von dem Haupthaus mit der Fassung, aus der etwas entnommen wurde und seiner Vermutung, dass die Goblins die Diebe waren. Von der weiteren Suche in den Ruinen bei der sie schließlich auf den Keller stießen, der ungemütlichen Nacht am Waldrand und - mit einem Grinsen und Kopfschütteln - wie die Huyal den armen Krämer bedrängte. Davon, wie sie am nächsten Tag, dieses Mal mit dem Licht des Fackelscheins, den Keller erkundeten, der sich als leer entpuppte.
"Leer bis auf diesen Stein, den wir im Staub fanden", stellte Jeremiath nach einer kurzen künstlerischen Pause, während der er besagtes Objekt aus seiner Tasche nahm und auf den Tisch legte, richtig. Er schloss seine Erzählung mit der Verfolgung der Goblinspuren und dem zweiten Treffen mit der Orkjägerin, die ihnen sagte, dass die Goblins drei Tage Vorsprung hatten.
Valorian hörte aufmerksam zu und betrachtete dann eingehend den Stein. "Ich würde behaupten das eine Art Magie von diesem Stein ausgeht. Wenn ihr einverstanden seid würde ich ihn morgen gerne Hochmeister Korgan zeigen."
"Selbstverständlich. Mich würde interessieren, was es mit diesen Ruinen auf sich hat. Wer sie erbaut hat, welchem Zweck sie dienten und vorallem, warum sie mit derart vielen tödlichen Fallen versehen waren. Dieser Stein ist das einzige, was ich von meiner Reise dorthin an Hinweisen mitbringen konnte. Wenn sich Wissen aus ihm gewinnen lässt, dann sehr gern - mit Verlaub, wer ist Hochmeister Korgan?"
"Der Hochmeister der Runen, ein sehr kluger Mann. Gelegentlich etwas ungehobelt, aber so sind Zwerge nunmal." Valorian schmunzelte. "Aber was diese Ruinen angeht...eurer Beschreibung nach zu urteilen waren sie sehr alt. Da wundert es mich doch sehr das noch derart viele Fallen intakt waren."
Jeremiath nickte: "Diese Verwunderung teile ich. Die Ruinen waren weniger als eine halbe Tagesreise vom Dorf entfernt. Sogar mit anfänglichem Umherirren nach längerem Aufenthalt in der Taverne und mit einigem Untersuchen der Ruinen waren wir noch in der Abenddämmerung zurück im Dorf. Dass sie so lange unentdeckt und unberührt geblieben sind und dann innerhalb weniger Tage erst von zwei Jägern des Dorfes und dann von einer ganzen Goblinhorde aufgesucht werden, erscheint mir seltsam."
"In der Tat, ich vermute fast das jemand diese Fallen nachträglich angebracht hat um irgendetwas in der Ruine zu schützen. Vermutlich das Artefakt das die Goblins dann an sich genommen haben."
"Dann wollte dieser Jemand, dass es in der Fassung in der Ruine bleibt, ansonsten hätte er es stattdessen einfach mitnehmen und an einen anderen Ort bringen können. Und er war bereit, dafür Tote in Kauf zu nehmen." Jeremiath überlegte einen Moment, da ihm das nicht weniger seltsam vorkam. "Dann käme ein weiterer sehr sonderbarer Zufall hinzu: Dass dieser Jemand die Fallen aufgestellt hat, bevor die Goblins kamen. Was sie davor offenbar Jahrzehnte, Jahrhunderte oder wissen die Götter wie lange nicht passiert ist."
"Das ist richtig, aber die Goblins werden nicht von alleine auf diese Idee gekommen sein. Diese Kreaturen sind für gewöhnlich eher feige und hätten den Rückzug angetreten sobald sie derartige Verluste erleiden."
"Das dachte ich auch, aber so viel weiß ich nicht über sie und das war das erste Mal, dass ich überhaupt welche gesehen habe. Ich wüsste leider nicht, wer die Goblins dazu gebracht haben könnte. Zwei von ihnen waren wir sogar begegnet, das war mir glatt entfallen. Als wir am ersten Tag aus der Ruine gingen, waren zwei dort am Eingang und haben sich umgesehen. Sie schienen im ersten Moment auch ziemlich überrascht zu sein, als sie uns gesehen haben... Der eine hatte aber zumindest versucht, zu entkommen, nachdem wir den anderen erledigen konnten."
"In jedem Fall sind das äußerst interessante Ereignisse. Ich denke ich werde versuchen weitere Informationen zu erhalten."
"Bitte teilt mit mir, wenn Ihr etwas in Erfahrung bringen könnt. Nicht zuletzt da dies meine Aufnahmeprüfung war habe ich großes Interesse daran, was hinter dieser Geschichte steht. Mit Eurer Erlaubnis würde ich Euch auch gern zu Hochmeister Korgan begleiten - etwas von der Akademie sehen und ein weiteres ihrer hohen Mitglieder kennenzulernen klingt interessant." Und einen Zwerg in Robe zu sehen erst. Den Anblick konnte sich Jeremiath beim besten Willen nicht vorstellen.
"Natürlich werdet ihr mich zu Hochmeister Korgan begleiten, ihr habt den Stein schließlich gefunden. Und bezüglich der Ruinen werdet ihr mir vielleicht sogar helfen müssen wenn es darum geht an weitere Informationen heranzukommen." Valorian erhob sich nun. "Für heute ist es aber denke ich genug, ihr müsst euch bestimmt ausruhen und morgen geht es dann frisch an Werk."
"Wo finde ich Euch morgen?"
"Wenn ihr früh genug aufsteht vermutlich hier im Speisesaal."
Das klang einleuchtend. "Dann bis morgen, Meister Valorian." Auch Jeremiath erhob sich nun und verneigte sich zum Abschied vor seinem neuen Lehrmeister.
Zurück in seinem Zimmer brauchte Jeremiath heute deutlich länger, um einzuschlafen. Er hatte es geschafft. Gestern um diese Zeit - um nicht zu sagen, vor wenigen Stunden noch - bangte er noch darum, dass Hochmeister Elowin ihn vor die Pforte setzen würde... Hatte er dieses schlechte Wortspiel gerade wirklich gedacht? Jeremiath schüttelte den Kopf. Es wurde wirklich Zeit, dass er einschlief... Was er dann zum Glück auch tat, bevor er noch mehr Unsinn dachte.
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Re: Jeremiath

Beitrag von KnigRhobarder am Mi Dez 13, 2017 9:19 pm

Auf dem Weg zum Frühstück fragte Jeremiath sich, ob er Meister Valorian noch im Speisesaal antreffen würde.
Valorian saß an einem Tisch und unterhielt sich mit zwei anderen Magiern.
Nachdem er sich etwas zu Essen geholt hatte, ging er zu diesen und begrüßte das Trio mit einer Verbeugung und einem freundlichen "Guten Morgen." Dazu setzte er sich nicht einfach, um nicht aufdringlich zu wirken.
"Ah, guten Morgen Jeremiath." begrüßte ihn Valorian. "Setzt euch und esst, wir müssen gleich zu Hochmeister Korgan, er wartet sicher bereits."
Jeremiath tat genau das auch mit Freuden, er hatte nämlich Hunger. Weshalb Valorian auch nicht lange auf ihn warten musste.
Nachdem Jeremiath fertig war, verabschiedete sich Valorian von den beiden anderen Magiern und bedeutete Jeremiath, im zu folgen.
Auch dies tat er.
Valorian führte ihn eine Treppe hinab in den Keller der Akademie. "Hattet ihr schon einmal mit Zwerge zu tun?"
Der Schüler schüttelte den Kopf. "Nein, bisher noch nicht. Ich wusste bis gestern noch nicht einmal, dass es Magier unter den Zwergen gibt, wenn ich ehrlich sein soll."
"Oh es gibt durchaus einige zwergische Magier, allerdings beschäftigen sie sich meist lieber mit Runenmagie statt mit arkaner Magie. Aber worum es mir eigentlich geht, seid nicht von Hochmeister Korgans Art überrascht, Zwerge pflegen etwas andere Umgangsformen als wir Menschen es gewohnt sind."
Das verwunderte Jeremiath nicht. In den vergangenen Tagen hatte er die legendäre Arroganz der Arsani und die Quirrligkeit der Huyal kennen gelernt. Er war gespannt, wie seine erste Begegnung mit einem Zwerg verlaufen würde. "Ich werde es beherzigen. Auch, wenn ich nach der vergangenen Woche glaube, dass mich andere Umgangsformen nicht mehr sonderlich zu überraschen vermögen."
Valorian schmunzelte und öffnete dann ohne anzuklopfen eine reich verzierte Tür. "Da seid ihr ja endlich." brummte ein Zwerg, dessen Robe dergestalt verziert war, das sie fast wie eine Rüstung wirkte.
Gut, Jeremiath war darüber verwundert, dass ein Magier ohne anzuklopfen die Tür eines Hochmagiers öffnete. Aber das zählte dazu, dass ein Mensch ihn überrascht hatte, nicht ein Zwerg! Wie gehabt verneigte sich Jeremiath vor dem deutlich ranghöheren Magiekundigen höflich.
"Hochmeister Korgan, das ist mein neuer Schüler Jeremiath." stellte Valorian ihn vor. "Er hat etwas gefunden wozu ich gern eure Meinung hören würde." Korgan musterte Jeremiath eingehend "Dann lasst mal sehen."
Jeremiath holte den besagten Edelstein aus seiner Tasche und ging zu Korgan, um ihn diesen zu reichen. "Diesen Stein fand ich in einer alten Ruine in einem Wald, etwa fünf Tagesmärsche südlich von hier", fasste er das Gröbste zusammen.
Der Zwerg nahm den Stein entgegen und betrachtete ihn ausführlich "Hmm...auf alle Fälle magisch" stellt er fest und ging dann zu einem großen, steinernen Tisch, in den viele Runen eingeritzt waren.
Die Neugier überwandt die Ehrfurcht und der Schüler folgte dem Hochmagier kurzerhand, um einen Blick auf den Tisch zu werfen. Etwas Abstand, um nicht im Weg zu stehen, hielt er natürlich.
Korgan legte den Stein in die Mitte des Tisches und fuhr mit dem Finger einige der eingeritzten Runen nach, wobei er irgendetwas unverständliches vor sich hinmurmelte.
Jeremiath beobachtete das Geschehen nur stumm.
"Die Magie ist schwach, ich werde genauere Untersuchungen durchführen müssen wenn wir mehr wissen wollen." stellte Korgan schließlich fest. "in jedem Fall hatte ich einen solchen Stein noch nicht in der Hand."
"Ich habe den Stein in der Hoffnung mitgebracht, dass hier jemand mehr darüber weiß, was es mit ihm auf sich hat. Nehmt Euch jede Zeit für Eure Untersuchung, die Ihr benötigt."
"Ich lasse euch wissen wenn ich etwas herausgefunden habe." Korgan begann damit, in verschiedenen Schubladen zu wühlen.
"Habt Dank", erwiderte Jeremiath mit einer Verneigung, bevor er zu Valorian zurückkehrte. Korgan machte auf ihn gerade nicht den Anschein, als wolle er sich von seiner Arbeit abhalten lassen.
"Gehen wir, es wird vermutlich ein paar Tage dauern ehe wir von ihm hören." meinte Valorian und machte sich auf den Rückweg.
Jeremiath ließ Valorian den Vortritt und schloss die Tür dann hinter sich. "Ich hatte nicht erwartet, dass Hochmeister Korgan 'solch einen Stein' noch nicht in Händen gehalten hat. Als ich ihn fand und mitnahm, hielt ich ihn für einen gewöhnlichen Edelstein."
"Oh, ich denke er bezog sich weniger auf das Material sondern mehr auf die Magie darin."
"Als Ihr gestern sagtet, der Stein sei magisch, hatte ich nicht daran gedacht, dass es sich um eine Magie handeln könnte, die der Hochmeister noch nicht zuvor in einem anderen Stein gesehen hatte", stellte Jeremiath seine vorherige Aussage klarer. "Wenn ich Tiaval noch einmal treffen sollte, muss ich ihr noch einmal für ihre Hilfe dabei danken, ihn gefunden zu haben."
"Runenmagie ist etwas gänzlich anderes als arkane Magie, es gibt vermutlich vieles was Hochmeister Korgan noch nicht kennt obwohl er über ein gewaltiges Wissen verfügt."
"Worin besteht denn der grundsätzliche Unterschied?"
"Arkane Magie wird direkt von euch gewirkt, Runenmagie dagegen ist immer an Gegenstände gebunden."
"Das heißt, wenn man diese Gegenstände verliert..." Jeremiath ließ den Satz offen. "Da bevorzuge ich es doch, die Magie selbst zu wirken."
Valorian lachte "Ja, auf solche Gegenstände sollte man gut achtgeben."
"Wie wird meine weitere Lehre nun eigentlich vonstatten gehen? Vor Hochmeister Elowins Prüfung war der Tagesablauf klar... Aber abgesehen davon, dass Ihr gestern Abend sagtet, wir würden heute Morgen Hochmeister Korgan aufsuchen, wüsste ich jetzt gar nicht, wo ich allmorgendlich erscheinen sollte. Abgesehen vom Speißesaal, versteht sich."
"Wenn ihr früh genug aufsteht werde ich euch immer direkt nach dem Frühstück eure Aufgaben für den Tag geben."
"Verstehe... Und angenommen, ich schlafe einmal zu lange dafür und verpasse Euch?"
"Dann wird es eure erste Aufgabe des Tages sein mich zu finden."
Jeremiath musste kurz lachen. "Den Wink habe ich verstanden... Zum Glück bin ich kein Langschläfer."
"Dann werde ich euch nun eure Aufgabe für den heutigen Tag geben. Da ihr die Akademie bisher noch nicht kennt, empfehle ich euch für heute einen Besuch in der Bibliothek, seht euch dort einfach ein wenig um und macht euch mit allem vertraut. Vielleicht findet ihr ja etwas interessantes zu lesen."
"Oh, da bin ich mir sicher. Die Schwierigkeit wird nicht daran bestehen, etwas interessantes zu finden, sondern sich für etwas davon zu entscheiden", erwiderte Jeremiath schmunzelnd. Einen ganzen Tag ohne ein vorgegebenes Thema in der Bibliothek der Akademie von Silian stöbern zu klang perfekt. "Lasst mich raten. Es gehört zur Aufgabe, die Bibliothek zu finden, ohne, dass Ihr mir sagt, wo sie sich befindet?"
"Oh, ich denke die Bibliothek ist groß genug das ihr sie rasch finden werdet. Tut mir nur den Gefallen und verärgert Hochmeister Skalssis nicht wenn ihr dort seid."
"Das würde ich nie mit Vorsatz tun", versicherte Jeremiath. "Das ist der Hochmeister der Schriften, nehme ich an?"
"Sehr richtig. Wenn ihr ihn getroffen habt kennt ihr alle Hochmeister der Akademie."
"Gut zu wissen. Aber darf ich Euch zuvor noch eine Frage stellen?"
"Natürlich dürft ihr."
"Mir stellt sich schon seit ich bei Hochmeister..." Jeremiath stockte kurz, als er versuchte, sich des Namens des Hochmeisters der Sprüche zu entsinnen. "Peragioc war eine Frage. Nämlich die, wonach er entscheidet, welchen Lehrmeister ein neuer Schüler zugeteilt bekommt. Er meinte, dass es nicht sonderlich schwer sei, einen passenden Lehrmeister für mich auszuwählen, nachdem er mich mit meinem mitgebrachten Speer kurz gemustert hatte. Und wenn ich es mir in der Aufregung nicht eingebildet habe, könnte ich schwören, dass er dabei ziemlich erheitert war."
Valorian lachte" Ja das kann ich mir denken. Ich muss gestehen das ich in meiner Jugend auch dazu neigte, gewisse unkonventionelle Dinge zu tun." Bei diesen Worten konnte sich Jeremiath des Eindruckes nicht erwehren, das diese Jugend noch garnicht allzu lange zurücklag.
"Verstehe", erwiderte Jeremiath und musste schmunzeln. "Dann habe ich ja jetzt eine Vorstellung davon, welchen ersten Eindruck ich hinterlassen habe", fügte er amüsiert hinzu, bevor er sich seiner heutigen Aufgabe besann. "Habt Dank für die Antwort, dann will ich Euch nicht weiter aufhalten. Gehabt Euch wohl, Meister Valorian", verabschiedete sich Jeremiath dann mit einer Verbeugung. Als ihm beim Wiederaufrichten einfiel, dass er ja gar keine Ahnung hatte, wo er nun eigentlich langlaufen musste und es ihm dumm vor kam, nach der Verabschiedung planlos herumzustehen, ging er daraufhin einfach aufs Geratewohl einen Gang entlang und versuchte, sich generell erst einmal in der Akadamie zu orientieren. Er wusste, wo der Speißesaal lag, wo sein Schlafzimmer war und nun auch, wo Hochmeister Korgan zu finden war. Daher bemühte er sich, immer von einem dieser bekannten Punkte ausgehend die Gänge der Akadamie zu erforschen und auch wieder zu einem dieser drei Punkte zurückzufinden, um sich zumindest erstmal nicht zu verlaufen.
Das war leider leichter gedacht als getan und schon nach kurzer Zeit hatte sich Jeremiath ziemlich verlaufen.
"Ach, verdammt", fluchte Jeremiath, als er das dritte Mal dachte, jetzt aber wirklich den Rückweg zu seinem Schlafzimmer eingeschlagen zu haben, dann aber vor einer Wand stand, von der aus er nur nach links und nach rechts gehen konnte. "Das reinste Labyrinth", murmelte er vor sich hin und wägte ab, welche der beiden Richtungen er einschlagen sollte. Schließlich entschied er sich, nach links abzubiegen und es mit einem anderen Ansatz zu versuchen: Er würde die Wand, die jetzt zu seiner Rechten war, einfach immer zu seiner Rechten belassen. Wenn er also an eine Abzweigung kam, würde er immer den Weg nehmen, der diese Wand zur Rechten hatte. Wenn er nicht gerade dummerweise in der Mitte der Akademie gelandet war und diese Wand einfach nur in einem Kreis verlief, müsste er dadurch ja irgendwann irgendwo rauskommen. Ja, das klang nach einem Plan.
Der Plan ging auf, bald stieß Jeremiath auf einen breiten Gang, der zu einer hohen, breiten Tür führte. Die Verzierungen der Tür deuteten darauf hin, das sich dahinter viele Bücher befanden.
"Ha!", dachte Jeremiath zufrieden. Das Grinsen verging ihm aber, als ihm klar wurde, dass er zwar die Bibliothek gefunden hatte, aber deswegen noch lange keine Ahnung hatte, wo er eigentlich war. "Verdammt", schob er in Gedanken nach und nahm sich vor, in der Bibliothek als erstes nach einer Karte der Akademie oder dergleichem zu suchen... Aber erst einmal ging er durch die große Tür und sah sich um.
Die Bibliothek hatte gewaltige Ausmaße, sie schien einen ganzen Flügel der Akademie einzunehmen. Einige Magier waren hier damit beschäftigt nach Büchern zu suchen oder in Büchern zu lesen. Zu diesem Zweck standen etliche Stehpulte bereit.
Überwältigt sah der junge Schüler sich um, während er langsam weiter ging. Er fragte sich, ob er es in seiner Lebenszeit überhaupt schaffen könnte, alle Schriften hier zu lesen, wenn er heute damit anfangen und jeden seiner Tage diesem Vorhaben widmen würde. Nicht, dass ihm das auf Dauer nicht zu langweilig werden würde. Fürs erste versuchte er sich einfach nur einen Überblick über den Aufbau der Bibliothek zu verschaffen.
Die Bibliothek war in verschiedene Bereiche aufgeteilt. Der erste Bereich lag links von der Tür und dort fanden sich wie es schien viele Bücher in mehrfacher Ausgabe. Der zweite Bereich auf der rechten Seite zeichnete sich dadurch aus, das die Bücher mit dünnen Ketten an den Regalen festgemacht waren. Der dritte Bereich lag von der Tür aus gesehen direkt geradeaus und war durch ein reich verziertes Gitter vom Rest abgetrennt.
Jeremiath vermutete, dass für ihn der linke Bereich insbesondere jetzt zu Anfang seiner Lehre am relevantesten sein würde und die anderen beiden höheres, fachspezifischeres Wissen beinhalten würden, das ihn im Moment ohnehin überfordern würde. Daher versuchte er sich ersteinmal daran, im linken Bereich einen Überblick zu bekommen.
Den Titeln der Bücher nach zu urteilen hatte er mit seiner Vermutung recht, denn es schien sich hauptsächlich um Grundlagenwerke zu handeln. Zudem tummelten sich in diesem Bereich viele junge Magier und waren eifrig damit beschäftigt, diverse dicke Bücher zu studieren.
Jeremiath suchte für den Anfang nach einer Übersicht, wo er Bücher zu bestimmten Themen finden konnte. Einen Katalog, eine beschworene Dienerkreatur, die stoisch Auskünfte gab oder einen Bibliothekar mit eben dieser Aufgabe.
Es dauerte nicht lange, da stand er einer groß gewachsenen Echse in reich verzierter Robe gegenüber "Ah, ein neues Gesicht." stellte er (oder sie, Jeremiath hatte keine Ahnung wie man das bei einem Skaril unterscheiden sollte) fest.
Anhand des Namens hatte Jeremiath bereits erwartet, dass Skalssis ein Skaril sein würde. Daher, aufgrund der verzierten Robe und da sein Gegenüber wusste, dass er gerade zum ersten Mal in der Bibliothek war, schlussfolgerte Jeremiath ganz gekonnt, dass das Hochmeister Skalssis sein musste - und verneigte sich dementsprechend respektvoll. "Seid gegrüßt, Hochmeister. Ich bin tatsächlich zum ersten Mal hier", bestätigte er, vermutlich überflüssigerweise.
"Was führt euch in die Bibliothek?" erkundigte sich Skalssis, nachdem er sich ebenfalls leicht verbeugt hatte.
"Es ist mein erster Tag als Schüler der Akadamie und mein Lehrmeister wollte, dass ich ihn nutze, um die Bibliothek kennen zu lernen." Er kam nicht umhin, während er dies sagte, den Blick kurz schweifen zu lassen. Die schiere Größe beeindruckte ihn immer noch, was man seinem Gesicht auch deutlich ansehen konnte.
"Nun, dieser Bereich hier ist der Bereich für die Schüler, dort drüben ist der Bereich für die ausgebildeten Magier und der hintere Bereich ist den Meistern vorbehalten." erklärte der Hochmeister und Jeremiath fiel auf, das Skaril scheinbar über keinerlei Mimik verfügten. "Solltet ihr Fragen haben oder ein bestimmtes Werk suchen, so wendet euch an mich oder einen der anderen Schriftenmeister."
"Fürs erste würde ich gern eine Karte oder dergleichen von der Akadamie einsehen, um mir einen Überblick zu verschaffen, welche Wege ich nehmen muss, um mich nicht zu verirren", gab Jeremiath zu, bevor er gleich noch eine Frage nachschob: "Woran erkenne ich die anderen Schriftenmeister denn?"
"Eine Karte der Akademie? Dann hat man es also versäumt euch herumzuführen. Das sollte nachgeholt werden. Die Schriftenmeister werde ich euch vorstellen, folgt mir."
Jeremiath war überrascht, dass sich der Hochmeister die Zeit dafür nahm. Die anderen drei Hochmeister hatten bisher einen kurz angebundenen lass-mich-in-Ruhe-Eindruck auf ihn gemacht, Skalssis erwies sich dem gegenüber als willkommene Abwechslung. "Nein, das hat niemand... Ich bin aber auch erst gestern Abend von Hochmeister Elowin als Schüler anerkannt wurden, viel Gelegenheit gab es dazu leider noch gar nicht." Natürlich folgte Jeremiath dem Skaril.
Jeremiath war es ein absolutes Rätsel wie der Skaril zwischen all den Regalen zielsicher die Schriftenmeister finden konnte. Binnen kürzester Zeit wurde Jeremiath nun Meister Melrat, einem Menschen, Meisterin Sirkas, einer Skaril und Meister Samron, einem Huyal vorgestellt. Danach verabschiedete sich der Hochmeister und wandte sich wieder seinen sonstigen Aufgaben zu.
Auch Jeremiath verabschiedete sich von dem Hochmeister und trug sein Anliegen, eine Karte zu suchen, um den Weg in der Akademie zu finden, anschließend erneut vor Samron vor.
"Eine Karte der Akademie?" Meister Samron sah in von unten herauf an. "ich glaube kaum das es soetwas gibt und bisher hat auch noch niemand danach gefragt denke ich."
"Dann ist es wohl nicht üblich, dass ein neuer Schüler nicht herumgeführt wird, nehme ich an... Die Bibliothek habe ich mehr durch Zufall gefunden", gab Jeremiath seufzend zu.
"Ich bin sicher euer Lehrmeister wird das nachholen und bis dahin haltet euch einfach an den großen Gang der euch hierher geführt hat, dann findet ihr alles wichtige."
"Habt Dank für den Rat, Meister Samron. Nun kann ich den Tag nutzen, ohne die ganze Zeit über den Rückweg grübeln zu müssen... Wenn Ihr mir wohl sagen könntet, wo ich Bücher über alte Kulturen finden kann? Im Zuge meiner Aufnahmeprüfung untersuchte ich eine verfallene und sehr alt anmutende Ruine inmitten eines Waldes und ich würde gern versuchen, mehr darüber in Erfahrung zu bringen."
"Alte Kulturen? Ich fürchte da muss ich euch wieder enttäuschen. Hier werdet ihr nur Werke finden die sich mit Magie befassen und Werke über die Magie alter Kulturen findet ihr nicht im Bereich für die Schüler."
Das schien ja zur Gewohnheit zu werden, dass Huyal ihn enttäuschten, wenn er glaubte, sie könnten ihm auf eine bestimmte Weise helfen. "Oh, ich verstehe. Verzeiht, das war mir nicht bewusst." Er überlegte kurz. "Nun gut, dann vielleicht ein Grundlagenbuch zu arkaner Magie? Die zweitägige Grundlehre von Hochmeister Elowin war zwar sehr fruchtbar, aber ich merke doch, dass mir noch viel Wissen drumherum fehlt. Ich weiß dank seiner Grundlehre, wie ich einen ganz einfachen Feuerzauber wirken kann, aber nicht wirklich, was dabei eigentlich passiert... Das klingt sicher gerade wirr, ich hoffe, Ihr versteht, worauf ich hinaus will." Jeremiath kam sich gerade ziemlich unbeholfen vor, aber die Wahrheit war, dass Elowin ihnen so wenig Zeit ließ, über das Gelernte nachzudenken und es zu verinnerlichen, dass er den Feuerstoß eher auf Grundlage von Auswendiglernen und nicht auf Grundlage eines tatsächlichen Verständnisses arkaner Magie wirken konnte. Und während Elowins Unterricht nachzufragen war etwas, das man sich einfach nicht traute. Diese Wissenslücke war ein Umstand, den er gern ändern würde.
"Ja, da kann ich euch weiterhelfen, folgt mir." Samron schritt zielsicher auf ein Regal im Bereich für die Schüler zu und zog ein dickes, schweres Buch heraus. "Hier, bis ihr alles darin verstanden habt seid ihr wahrscheinlich schon fast ein fertiger Magier."
Jeremiath war sich nicht sicher, ob das nur eine nett gemeinte Vorwarnung war, dass es nichts ungewöhnliches sein würde, wenn Jeremiath lange an diesem Buch sitzen würde, oder ob es doch eine versteckte Beleidigung sein sollte. Aber er nahm dem kleinen Huyal erstmal das große, schwere Buch ab und bedankte sich mit einer knappen Verbeugung, bevor er sich nach Sitzmöglichkeiten umsah. Den ganzen Tag an einem Pult zu stehen musste er nicht unbedingt haben.
Zu seinem Leidwesen musste er feststellen, dass hier offenbar niemand besonderen Wert auf Sitzmöglichkeiten zu legen schien, denn es gab lediglich Stehpulte soweit er sehen konnte.
Jeremiath wandte sich doch noch einmal an Samron: "Ist es erlaubt, die Bücher aus der Bibliothek auszuleihen oder dürfen sie nur hier gelesen werden?", erkundigte er sich.
"Selbstverständlich dürft ihr Bücher ausleihen, ihr müsst lediglich einem der Schriftenmeister darüber Bescheid geben. Nur aus der Akademie dürft ihr die Bücher nicht entfernen."
"Natürlich. In dem Falle würde ich mir das Buch gern ausleihen."
"Sehr gerne, ich hoffe ihr könnt viel daraus lernen."
Das hoffte der junge Schüler auch... Und vorallem hoffte er, den Rückweg zu seinem Zimmer zu finden. Dem großen Gang folgen hatte Samron gesagt...
Beim Verlassen der Bibliothek wäre Jeremiath fast mit einer Arsani in einer dunkelblauen Robe zusammengestoßen. "Ihr müsst Valorians neuer Schüler sein." stellte sie fest, nachdem sie ihn kurz gemustert hatte. "Willkommen in der Akademie." sie lächelte kurz und verschwand dann in der Bibliothek.
Jeremiath war einen Moment zu lang verdutzt darüber, woher die Fremde das wusste, um schnell genug etwas zu erwidern, bevor sie in der Bibliothek verschwunden war. Etwas verdutzt setzte er seinen Weg fort.
Dem großen Gang zu folgen erwies sich tatsächlich als hilfreich, denn dieser führte an allen wichtigen Punkten der Akademie vorbei und so fand sich Jeremiath auch bald in einem ihm vertrauten Bereich wieder.
Er fragte sich ernsthaft, warum er am Morgen nicht von sich aus auf die Idee gekommen war, einfach dem offensichtlichsten Gang zu folgen. Er schob es darauf, dass er immernoch zu überwältigt von der Akademie war. Nun, da er wusste, wo er war, schlug er den Weg zu seinem Zimmer ein, um bis zum Abendessen das Buch zu lesen.
Bereits nach kurzer Zeit wurde ihm klar, das die Worte von Meister Samron keineswegs eine Beleidigung waren, denn das Buch war wirklich vollgestopft mit Wissen und begann sehr theoretisch mit der Erklärung verschiedener Ebenen und deren Energien.
Jeremiath versuchte, den Worten zu folgen. Gelegentlich legte er das Buch für ein paar Minuten zur Seite, um sich durch Auf- und Abgehen ein wenig die Beine zu vertreten und seinem Kopf einen Moment der Ruhe zu gönnen.
Am Ende des Tages hatte er zumindest so viel verstanden, dass das Wirken arkaner Magie darauf beruhte, Energien aus einer anderen Ebene in bestimmte Bahnen zu lenken. Doch wie genau das funktionieren sollte, war ihm noch ein Rätsel.
Nun, das war ein Anfang, befand Jeremiath, als er das Buch zur Seite legte und sich über die Schläfen fuhr. Nach dem fünftägigen Marsch war es ihm ganz Recht gewesen, sich heute kaum zu bewegen und stattdessen in Ruhe zu lesen. Dennoch merkte er auf dem Weg zum Speißesaal die Erschöpfung - es dürfte nicht schwer werden, heute einzuschlafen und seinen Lehrmeister morgen früh nicht zu verpassen.
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Re: Jeremiath

Beitrag von KnigRhobarder am Di Mai 08, 2018 8:10 pm

Am nächsten Morgen fand er Valorian wieder an einem Tisch sitzend vor, dieses mal allerdings alleine "Ah, guten Morgen Jeremiath." grüßte er ihn.
"Guten Morgen, Meister Valorian", erwiderte Jeremiath den Gruß, verneigte sich und setzte sich zu seinem Lehrmeister.
"Ich hoffe ihr habt den Aufenthalt in der Bibliothek nicht nur dazu genutzt mit der Erzmagierin Bekanntschaft zu schließen." meinte Valorian schmunzelnd und nahm einen Schluck von seinem Tee.
"Die Erzmagierin?", fragte Jeremiath verwundert. "Nein, nur mit den Schriftmeistern." Am Ende war die Arsani, die er fast umgerempelt hätte, die Erzmagierin, die er nicht als solche erkannt hatte. Das würde zu seinem Glück passen - er sollte wirklich wieder häufiger zu Lirani beten. Aber nein, das war sie bestimmt nicht.
"Ah, ihr habt sie also nicht erkannt." Valorian schmunzelte noch immer. "Dabei ist sie die einzige Magierin dich ich kenne, die eine derartige Robe trägt."
"Ich habe in den letzten anderthalb Tagen viele Roben zum ersten Mal gesehen", gab Jeremiath ausweichend zurück. Immerhin hatte er die drei anderen Hochmeister neben Elowin kennengelernt, die alle besondere Roben trugen. Und nein, er hatte ganz gewiss nicht die Erzmagiern beinahe angerempelt. Dass diese Arsani zu denen gehörte, die eine Robe trug, die er gestern zum ersten Mal gesehen hatte, hatte nichts zu bedeuten.
"Macht euch nichts daraus, ich vermute es war ihre Absicht nicht erkannt zu werden."
"In dem Fall ist es ihr gelungen... Was macht Euch eigentlich so sicher, dass ich ihr begegnet wäre?"
"Oh es spricht sich einfach herum wenn eine neuer Schüler fast die Erzmagierin über den Haufen rennt."
Jeremiath senkte den Kopf und verbarg sein Gesicht, indem er die Linke an die Stirn legte. "Das wäre jetzt der richtige Moment, um mir zu sagen, dass Ihr mich nur auf den Arm genommen habt, um zu sehen, wie ich reagiere!"
"Ich fürchte den Gefallen kann ich euch nicht tun."
"Das darf nicht wahr sein", murmelte Jeremiath leise. "Das darf doch einfach nicht wahr sein..." Er legte sein Besteck erst einmal zur Seite, der Appettit war ihm gerade vergangen. Sein erster Tag an der Akademie. Und er rennt fast die Erzmagiern über den Haufen. Er fragte sich, ob er sich heute Abend eine neue Unterkunft suchen müsste - wäre er weniger aufgewühlt, würde ihm vielleicht sogar der Gedanke kommen, dass er dann wohl im Verlaufe des gestrigen Tages irgendwann zum Gehen aufgefordert worden wäre. Aber er war gerade nicht weniger aufgewühlt, also malte er sich gerade ein Szenario nach dem nächsten aus.
Valorian lachte laut, in schien das ganze ziemlich zu amüsieren. "Falls ihr jetzt Angst vor negativen Folgen habt kann ich euch beruhigen, ich bezweifle das die Erzmagierin es euch übel nimmt."
Jeremiath war alles andere als zum Lachen zu Mute und er fand die Situation auch beim besten Willen nicht amüsant. Eher das genaue Gegenteil. Er war ab jetzt "Der Neue, der die Erzmagierin an seinem ersten Tag beinahe über den Haufen gerannt hätte". "Bei den Göttern, ich hoffe, Ihr habt Recht", erwiderte er. "Davon ausgegangen, dass dem so ist... Was habt Ihr heute für eine Aufgabe für mich vorgesehen?", versuchte Jeremiath das Thema zu wechseln.
"Nun, zunächst könntet ihr mir einmal berichten was ihr in der Bibliothek sonst noch getan habt."
"Mich von Hochmeister Skalssis einweisen lassen, festgestellt, dass es ausschließlich Bücher über Themen mit Bezug zur Magie gibt und keine über alte Kulturen - abgesehen von magischen Praktiken alter Kulturen - und mir schließlich von Meister Samron ein dickes Buch über magische Grundlagen zeigen lassen und es mir ausgeliehen", zählte Jeremiath auf. "Das ich den Rest des Tages dann studiert habe, um mehr Verständnis von dem zu erlangen, was Hochmeister Elowin uns gelehrt hat."
"Ihr wart also fleißig, sehr gut." (+10 EXP)
"Ich habe etwas dazugelernt, ja. Und nachdem ich die letzte Woche nur umhergelaufen bin, war es auch eine willkommene Abwechslung, meinen Beinen einen Tag Ruhe zu gönnen und stattdessen etwas zu lesen."
"Ihr werdet hier noch viel Gelegenheit zum Lesen bekommen. Nun aber zu eurer heutigen Aufgabe. Ihr müsstet für mich etwas in der Stadt besorgen."
Froh darüber, dass die Erzmagierin nicht mehr das Thema war, kehrte Jeremiaths Appettit allmählich zurück und er aß nebenbei den Rest seines Frühstücks. "Natürlich, sagt mir nur, was und von wem."
"Ein Buch, oder besser gesagt eine Abschrift aus einem Buch. Ein Kurier sollte um die Mittagsstunde am Stadttor eintreffen."
"An welchem?", fragte Jeremiath nach. Er wollte ja nicht am falschen Tor stehen.
"Als Treffpunkt war das nördliche Stadttor ausgemacht."
"Gibt es etwas, woran ich den Kurier erkenne? Oder da vermutlich nicht zu viele zur Mittagszeit offensichtlich nach jemandem suchend am Stadttor sein werden, eine Übereinkunft, wodurch ich mich als Euer Bote zu erkennen gebe?" Natürlich könnte er es auch einfach mit einem freundlichen "Seid gegrüßt, Meister Valorian schickt mich" versuchen, aber damit könnte ja jeder kommen.
"Oh es sollte eigentlich ausreichen wenn ihr ihm sagt das ich euch schicke."
"Gut, gut. Ich wollte lieber nachfragen als einfach davon auszugehen... Wohin soll ich Euch die Abschrift dann bringen?"
"Ihr werdet mich vermutlich in der Bibliothek antreffen."
Jeremiath nickte: "Dann werde ich Euch am Nachmittag dort aufsuchen." Und den Vormittag konnte er nutzen, um sich die Stadt anzusehen. Außer der Akadamie hatte er von Silian noch nicht viel zu Gesicht bekommen.
Der Großteil von Silian wurde von dem gewaltigen Gebäudekomplex der Akademie eingenommen. Daneben gab es eine große Taverne, ein Garnisonsgebäude und einige wenige Wohnhäuser. Wirklich viel zu sehen gab es nicht, selbst der Marktplatz war äußerst überschaubar.
Nun, immerhin hatte er jetzt einen Überblick über die Stadt. Um die restliche Zeit bis zum Mittag sinnvoll auszuschöpfen, kehrte Jeremiath nach seinem kleinen Rundgang in die Akademie zurück und las noch etwas in dem Buch, das er sich ausgeliehen hatte. Rechtzeitig, um nicht zu sagen überpünktlich, machte er sich dann auf den Weg zum nördlichen Stadttor, um auf den Boten zu warten.
Das erste was er am Stadttor bemerkte, waren zwei ziemlich gelangweilt aussehende Wachen, die weder von ihm noch von irgendjemandem sonst wirklich Notiz nahmen. Lange warten musste er glücklicherweise nicht, denn bald näherte sich ein Reiter in der typischen Kleidung eines Boten und hielt sein Pferd vor ihm an "Ich nehme an ihr seid hier wegen der Nachricht für Valorian?" erkundigte er sich, ohne dabei vom Pferd abzusteigen.
Jeremiath nickte, froh, dass sich die Frage nach der Erkennung von selbst erledigt hat. "So ist es", gab er antwort.
"Gut." er griff in seine Satteltasche und holte eine Schriftrolle daraus hervor. "Hier, das soll ich euch geben."
Der Schüler nahm die Schriftrolle entgegen und verwahrte sie vorsichtig in seiner eigenen Tasche. "Meister Valorian dankt", behauptete er einfach mal.
Der Kurier verabschiedete sich und ritt dann wieder davon.
"Gut, ich muss ihn nicht bezahlen", dachte Jeremiath erleichtert und ging zurück in durch das Tor. Sein nächstes Ziel war die Bibliothek - und diesmal würde er dem großen Gang folgen, um dort hin zu gelangen. Und zweimal schauen, um nicht wieder jemanden beinahe über den Haufen zu rennen.
Er erreichte die Bibliothek ohne Zwischenfälle und fand dort auch Meister Valorian, der sich an einem der Stehpulte in ein Buch vertieft hatte.
Jeremiath räusperte sich kurz, um auf sich aufmerksam zu machen. "Entschuldigt, Meister Valorian", begann er und wartete, bis sein Lehrmeister von dem Buch aufsah, bevor er den Satz beendete: "Ich habe Eure Abschrift."
"Ah, sehr gut. Ich hoffe es gab keine Probleme."
"Gab es nicht, nein. Kann ich heute sonst noch etwas für Euch tun? Ansonsten würde ich es Euch gleich tun und mich belesen."
"Nein, heute gibt es nichts weiter, ihr könnt..." weiter kam er nicht, denn Hochmeister Korgan betrat in diesem Augenblick die Bibliothek "Hier steckt ihr also!"
Jeremiath hatte so eine Ahnung, wer gemeint war und worum es ging, und begrüßte den Hochmagier mit einer respektvollen Verneigung.
"Ihr habt mich gesucht?" erkundigte sich Valorian und blickte Hochmeister Korgan interessiert an. "Nein, euren Schüler." Korgan deutete auf Jeremiath. "Ich habe einige Fragen an ihn."
"Selbstverständlich", erwiderte Jeremiath verwundert und trat einen Schritt vor.
"Kommt mit, die Echse mag es nicht besonders wenn man hier diskutiert." Der Hochmeister drehte sich um und stapfte davon. "Wir sollten ihm besser folgen, es scheint wichtig zu sein." meinte Valorian, klappte das Buch zu und folgte Korgan.
Was sein Lehrmeister nicht sagte, Jeremiath hätte die Aufforderung des Hochmagiers jetzt glatt ignoriert und wäre hier geblieben. An der großen Bibliothekstür angekommen ließ Jeremiath seinem Lehrmeister respektvoll den Vortritt - sollte er die Erzmagierin über den Haufen rennen.
Ihr Weg führte sie wieder in den Keller der Akademie, dieses Mal jedoch in einen anderen Raum. "Dieser Stein den ihr gefunden habt...er ist sehr alt und er ist ein Bruchstück von irgendetwas." eröffnete Korgan ohne Umschweife das Gespräch.
"Ich fand ihn versunken unter einer Staubschicht in einer Art Kellerlageraum", erklärte Jeremiath, da er viel mehr dazu gerade nicht zu sagen wusste und Korgan offensichtlich mehr Informationen von ihm wollte.
"Ich nehme an ihr habt dort nicht unbedingt darauf geachtet ob es irgendwelche Hinweise gibt was es mit diesem Stein auf sich hat?"
"Ich habe diesen gesamten Raum nach Hinweisen auf irgendetwas abgesucht. Aber alles daran schien wie ein schlichter Lagerraum. Ich habe auch in den anderen Gebäuden der Ruine nach ähnlichen Kellereingängen gesucht, aber leider keinen weiteren gefunden."
"Ihr hättet einen Hinweis vermutlich ohnehin nicht erkannt. Euch fehlt die Ausbildung dafür."
"Das ist wohl wahr... Etwas, was ich im Verlauf der Zeit gern ändern würde. Bis dahin könnte ich wohl höchstens jemandem mit mehr Kenntnis auf dem Gebiet den Weg zu den Ruinen weisen, um hilfreich zu sein."
"Ha, ihr habt da einen wirklich gescheiten Schüler. Wir werden gleich morgen aufbrechen und ihr zeigt mir wo ihr diesen Stein gefunden habt."
Jeremiath verneigte sich knapp: "Selbstverständlich. Als ich vor einer Woche dort war, waren viele Abenteurer in der ansässigen Taverne. Gut möglich, dass einige sich seit dem dazu aufraffen konnten, die Ruine tatsächlich aufzusuchen, anstatt nur darüber zu reden."
"Abenteurer? Hoffen wir mal das sie vernünftig waren und weiter in der Taverne geblieben sind. Werdet ihr uns begleiten?" erkundigte sich Korgan nun bei Valorian. "Ich fürchte ich habe nicht die Zeit dazu."
"Hochmeister Elowin schickte mich durch ein Portal, als er mir auftrug, herauszufinden, was in dem Dorf vor sich ging. Falls Ihr auf die Hinreise verzichten wollt", informierte Jeremiath den eifrigen Zwerg.
"Natürlich wird uns das Spitzohr durch ein Portal schicken."
Jeremiath verneigte sich knapp. "Dann treffe ich Euch morgen früh... Wo? Bei Hochmeister Elowin, im Speißesaal oder hier?"
"Wir treffen uns an der Pforte."
"Wie Ihr wünscht." Jeremiath wartete noch einen Moment, ob Korgan noch etwas zu sagen hatte, oder ob er entlassen war.
Valorian nahm ihm die Entscheidung ab und bedeutete Jeremiath, ihm zu folgen. "Ich hätte nicht erwartet das ihr so bald wieder zu einer Reise aufbrecht." meinte er, als sie draußen waren.
"Das war auch nicht das, was ich erhofft hatte... Der Vorschlag war mehr aus Höflichkeit vorgetragen, da Hochmeister Korgan mich extra aufgesucht hatte, ich ihm aber keinerlei hilfreiche Antworten geben konnte. Verzeiht, dass ich Euch als meinen Lehrmeister nicht vorher gefragt habe."
"Oh macht euch keine Gedanken, Hochmeister Korgan wäre früher oder später ohnehin von selbst auf diese Idee gekommen und zumindest weiß ich das euch in seiner Begleitung keine Gefahr droht."
"Ich hoffe nur, dass ihm für den Rückweg auch etwas vorschwebt... Ich bin nicht sonderlich erpicht darauf, diese Strecke jetzt jede Woche zu laufen", scherzte Jeremiath.
Valorian lachte"Ich bin mir ziemlich sicher das es auch für den Rückweg ein Portal geben wird."
"Den Göttern sei Dank", erwiderte Jeremiath erleichtert. "Kann ich heute Nachmittag noch etwas für Euch tun?"
"Ich denke das Beste ist es, wenn ihr euch auf eure Reise vorbereitet."
Jeremiath verneigte sich knapp. "Dann bis morgen früh, Meister Valorian", verabschiedete er sich. Viel vorzubereiten gab es nicht, er hatte ja nichts zu packen. Also gönnte er seinen Beinen noch einen halben Tag Pause, indem er sich der Länge nach auf sein Bett setzte und das ausgeliehene Buch las. Am nächsten Morgen bat er im Speisesaal zusätzlich zum Frühstück noch um etwas Proviant für den Ausflug mit Korgan und suchte dann seinen Lehrmeister, um sich zu ihm zu setzen und zu frühstücken. Sofern dieser außer etwas morgendlicher Plauderei nichts weiteres auf dem Herzen hatte, würde er sich danach zur Pforte begeben, um Korgan zu treffen. Darauf bedacht, Elowin nach Möglichkeit nicht unbedint über den Weg zu laufen.
Das erste was ihm an der Pforte auffiel, waren zwei Zwerge in schweren Panzerrüstungen und Hochmeister Elowin, der die beiden mit sichtlicher Abscheu musterte. Den beiden Zwergen war das offenbar völlig gleichgültig, sie standen steif wie Statuen herum und blickten stur geradeaus. Ehe sich Jeremiath jedoch näher mit der Situation beschäftigen konnte, erschien auch Hochmeister Korgan "Es kann losgehen." verkündete er an E
lowin gewandt.
Jeremiath fragte sich, wo diese beiden so gar nicht in die Stadt der Magier passenden Zwergenkrieger so schnell hergekommen waren. Portalmagie war die für ihn offenkundige Antwort, aber von Zwergen-Nichtmagiern hatte er erwartet, dass sie sich von derlei Magie fernhalten würden. Aber gut, bis vor wenigen Tagen dachte Jeremiath auch noch, dass überhaupt kein Zwerg etwas mit Magie am Hut hätte und nun war er mit einem zwergischen Hochmagier unterwegs. Warum wunderte er sich also überhaupt noch über irgendetwas? Der Schüler beließ es einfach dabei, sich ohne ein Wort respektvoll vor den Hochmagiern zu verbeugen und sich an Korgans Seite zu halten.
"Könntet ihr wohl diese beiden Subjekte hier von meiner Pforte entfernen?" beschwerte sich Elowin bei Korgan. "Keine Panik, wir brauchen nur ein Portal zu diesem Dorf." Korgan schien die Situation irgendwie zu genießen. Elowin wandte sich mit einem Blick ab, der alles über seine Einstellung zu Zwergen aussagte und öffnete ein magisches Portal. Daraufhin setzten sich die beiden gepanzerten Zwerge wortlos in Bewegung und stapften du
rch das Portal. "Los gehts." meinte Korgan vergnügt und bedeutete Jeremiath, es den beiden Zwergen gleichzutun.
Das ließ sich Jeremiath nicht zweimal sagen. Auch, wenn er kein vollstes Vertrauen in Elowin hatte, dass dieser aufgrund seiner Abneigung gegenüber Zwergen nicht einfach ein Portal nach Sonstwohin geöffnet hatte, war es dort wohl immernoch angenehmer, als in Elowins Gegenwart. Und schon war der Schüler den beiden Panzerzwergen hinterhergeeilt.
Er kam ziemlich genau an der selben Stelle heraus wie beim ersten Mal, nur das dieses Mal eben zwei gepanzerte Zwerge dort warteten und ihm Hochmeister Korgan dichtauf folgte. "So, da wären wir also." stellte er fest und sah sich interessiert um.
"Die Ruine liegt etwa einen halben Tagesmarsch von hier im Wald", gab Jeremiath Auskunft. Zugegebenermaßen hatten er und die quirrlige Huyal an einem Tag den Hin- und Rückweg inklusive Erkundung geschafft, weshalb "halber Tag" wohl leicht übertrieben war, aber er vermutete, dass die Panzerzwerge ein wenig langsamer sein würden. "Hier entlang", fügte Jeremiath hinzu, als ihm einfiel, dass er Korgan ja zur Ruine führen sollte, und ging auf das Dorf zu.
"Das Spitzohr hätte uns auch direkt zu dieser Ruine bringen können." brummte Korgan als er Jeremiath folgte. Die beiden Gepanzerten stapften ihnen einfach wortlos hinterher. Im Dorf angekommen erregte die kleine Gruppe natürlich sofort einige Aufmerksamkeit.
Jeremiath nickte zustimmend. "Darf ich fragen, wer unsere beiden Begleiter sind?", fragte er, während er unbeachtet der neugierigen Blicke das Dorf mit den Zwergen durchquerte, um den Pfad in Richtung Ruine einzuschlagen.
"Die beiden da? Ich vermute die sind so etwas wie meine Leibwächter, der König sieht es nicht so gerne wenn hochrangige Vertreter seiner Volkes ohne Eskorte unterwegs sind. Als ob ich nicht auf mich selbst aufpassen könnte..."
"Oh, ich hatte gedacht, sie seien auf Euren Wunsch hin hier und hatte mir ihr kurzfristiges Auftauchen so erklärt."
"Nein, ich habe lediglich dafür gesorgt das es nur zwei sind, der König hätte mir vermutlich am liebsten ein halbes Dutzend geschickt."
"Verzeiht, wenn die Frage unsinnig ist, aber warum habt Ihr Eurem König mitgeteilt, dass Ihr diese Ruinen untersucht, wenn Euch die erwartete Eskorte missfällt?"
Korgan blieb stehen und musterte Jeremiath eingehend. "Ihr habt nicht oft mit Zwergen zu tun oder?"
Dieser schüttelte den Kopf. "Bevor ich Euch vorgestellt wurde noch nie. Ich weiß leider nur sehr wenig über Euer Volk", gab er zu.
"Dachte ich mir. Aber ihr scheint ja begierig etwas zu lernen." Korgan stapfte wieder weiter. "Aufgrund meines Ranges steht mir eine Eskorte zu die mich eigentlich immer begleiten sollte. Ich konnte den König aber glücklicherweise davon überzeugen das ich weder in der Akademie noch in Silian eine Eskorte benötige. Wenn ich aber Silian verlasse besteht der König nun einmal darauf das ich nicht alleine Reise. Das liegt alle
s in zwergischer Tradition begründet, ein Zwerg der seinen Status nicht zeigt ist einfach kein richtiger Zwerg."
"Das bin ich", erwiderte Jeremiath und lauschte der Erklärung. Sie ergab Sinn und er musste sagen, ihm gefiel diese Tradition - auch, weil das bedeutete, dass er sich bei dieser Expedition keine Sorgen machen musste. "Habt Dank für die Ausführungen, Hochmeister." Er stellte sich unterwegs vor, wie es wohl aussehen würde, wenn Korgan mit einer Eskorte von sechs dieser Panzerzwerge - wie er sie ihrer Ausrüstung nach jetzt einfach für sich bezeichnete - durch die Gänge der Akademie laufen, in die Bibliothek stürmen und "Da seid Ihr ja!" rufen würde. Eine durchaus beeindruckende Vorstellung, diese Szene - wobei er dabei aber lieber ein abseits stehender Beobachter wäre als der Angesprochene. Für den Rest des Weges verzichtete Jeremiath aber darauf, Korgan weiter Fragen über sein Volk zu stellen.
Sie erreichten die Ruinen deutlich vor Ablauf eines halben Tages, denn die Zwerge erwiesen sich als keineswegs langsam, sie waren lediglich ziemlich laut beim Marschieren. "Da wären wir also, sieht nicht gerade nach Magie aus hier." stellte Korgan fest.
"Aber Fallen gibt es hier eine Menge, sofern nicht mittlerweile alle ausgelöst wurden", warnte Jeremiath. "Sie hatten über ein Dutzend Goblins getötet und mich auch beinahe." Dabei deutete Jeremiath auf den Speer, den er aus eben jener Ruine mitgenommen hatte und seitdem als Gehstab missbrauchte. "In dem großen Gebäude dort vorn fanden wir eine Art Altar mit Sockel, aus dem etwas herausgebrochen wurde. Und viele tote Goblins. Da diese laut einer orkischen Jägerin mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Norden unterwegs waren, glauben wir, dass sie Was-auch-immer-dort-war an sich genommen haben." Jeremiath machte eine kurze Pause, bevor er fortfuhr. "Und dort drüben, links, ist das Gebäude, in dessen Keller ich den Stein gefunden habe", fasste er das Wichtigste zusammen.
"Gut, fangen wir mit dem großen Gebäude an." über die Goblinleichen hatten sich mittlerweile Aasfresser hergemacht, doch ansonsten sah alles noch ziemlich genauso aus wie bei Jeremiaths erstem Besuch. Korgan machte sich sofort daran den Altar zu untersuchen.
Jeremiath hielt sich zwei Schritte schräg hinter dem Hochmagier, um ihn nicht zu stören, aber in Reichweite zu sein, falls er etwas für ihn tun konnte. Und nebenbei schaute er ihm über die Schulter - was aufgrund des Größenunterschiedes nicht schwer war.
Korgan murmelte irgendetwas unverständliches vor sich hin, dann begann er damit, verschiedene Runen auf den Altar zu zeichnen.
Der Schüler musste einiges an Willenskraft aufbringen, um ein "Was genau tut Ihr da?" zu unterdrücken. Die Frage würde er auf jeden Fall nachholen, sobald er sich sicher war, Korgan damit nicht mehr abzulenken. Für den Moment versuchte er nur, irgendetwas zu erkennen - aber mit seinen ausgeprägten Kenntnissen über Runen blieb es bei der Erkenntnis, dass Korgan eben solche zeichnete. Toll.
"Was auch immer sie hier mitgenommen haben, es war nicht magisch." verkündete Korgan schließlich. "Sehen wir uns den Keller an."
"Mit diesen Runen habt Ihr untersucht, ob sich hier etwas Magisches befunden hat?", äußerte Jeremiath seine Vermutung fragend, während er Korgan zu dem Gebäude mit dem Keller führte. Den Kellereingang hatten er und Tiaval ja nicht wieder versteckt.
"Ja, alle magischen Gegenstände hinterlassen eine Art Abdruck wenn sie längere Zeit an einem Ort aufbewahrt werden. Mit ein wenig Runenmagie kann man diesen Abdruck dann aufspüren." erklärte Korgan. Dann betrachtete er die Leiter, die hinunter in den Keller führte "Ihr zwei wartet hier oben." wies er seine Begleiter an. "Die Leiter ist nicht die stabilste." Die beiden Gepanzerten postierten sich daraufhin am Gebäudeeingang.
Wie gut, dass Jeremiath bei seinem letzten Ausflug hierher Tiaval überredet hatte, ihre Fackel anzuzünden, sich selbst aber auch eine gekauft hatte. Auch, wenn er sich sicher war, dass Korgan mit Leichtigkeit magisches Licht herbeizaubern konnte und auch würde, konnte er zumindest den Eindruck erwecken, vorbereitet zu sein und sich nützlich machen zu können, indem er seine Fackel anzündete und zuerst nach unten stieg.
Korgan folgte ihm und sah sich anschließend im Keller um "Hier ist tatsächlich nichts." stellte er dann frustriert fest. "Wie zum Henker kommt so ein Stein an so einen Ort?"
Jeremiath deutete im Fackelschein auf die verfallenen Regale. "Das weiß ich leider nicht, aber da er hier vermutlich mit diversen anderen Dingen gelagert wurde, wusste sein einstiger Besitzer vielleicht gar nicht, dass der Stein magisch war? Hielt ihn, wie ich fälschlicherweise, für einen einfachen Edelstein, den er hier aufbewahrte und beim Ausräumen des Kellers verloren hat? Hätte er für ihn eine größere Bedeutung gehabt, hätte er sich doch sicher doppelt und dreifach vergewissert, ihn auch wirklich einstecken zu haben, bevor er diesen Ort verlassen hat", mutmaßte Jeremiath.
"Einen Edelstein bewahrt man doch nicht im Keller auf. Es muss eine andere Erklärung geben. Ich werde mir auch die anderen Gebäude noch ansehen."
Damit hatte Korgan so ziemlich das ausgesprochen, was Jeremiath auch von vornherein an seinem Erklärungsversuch zweifeln ließ. Der Schüler ließ beim Aufstieg dem Hochmeister den Vortritt, bevor er die Fackel löschte und ihm folgte.
Als Korgan endlich alle Gebäude untersucht hatte, ging die Sonne bereits unter, doch gefunden hatte er nichts. "Das gefällt mir nicht." brummte er. "Das gefällt mir überhaupt nicht."
"Auch, wenn ich glaube, dass die Goblins auf Was-auch-immer sich in dem Sockel auf dem Altar befand aus waren, vielleicht gab es noch in einem anderen Gebäude etwas, das magische Spuren hinterlassen hat und von ihnen entwendet wurde?"
"Das wäre möglich, aber für heute ist es zu spät um weitere Untersuchungen anzustellen. Das Spitzohr wird uns gleich ein Portal zur Akademie öffnen."
"Praktisch", erwiderte Jeremiath, mehr zu sich selbst. "Das hätte Hochmeister Elowin ruhig auch tun können, als ich mit meiner Untersuchung hier fertig war letzte Woche", fügte er mit einem Schmunzeln hinzu.
Ehe Korgan antworten konnte, öffnete sich tatsächlich nur wenige Schritte vor ihnen ein magisches Portal. "Gehen wir." meinte Korgan und schritt als erster durch das Portal.
Jeremiath folgte dem Hochmagier eilends, bevor Elowin sich entschied, nur seinen Hochmagierkollegen zurückzuholen.
Auch die beiden Zwerge folgten ihm, verneigten sich knapp vor Korgan und stapften dann davon. "Kommt morgen mit Valorian zu mir, wir haben einiges zu besprechen." wies Korgan Jeremiath an, ehe er sich in Richtung Speisesaal davonmachte.
Dorthin folgte ihm Jeremiath erstmal, um selber etwas zu essen und vielleicht um seinen Lehrmeister zu treffen und ihm berichten zu können, wie ihr Tagesausflug verlaufen war.
Valorian war jedoch nicht im Speisesaal, überhaupt waren dort nur noch wenige Magier anzutreffen.
Dann ging Jeremiath nach dem Essen eben ins Bett und würde Valorian am nächsten Morgen beim Frühstück unterrichten.
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Re: Jeremiath

Beitrag von KnigRhobarder am Di Mai 08, 2018 8:11 pm

Am nächsten Morgen traf Jeremiath seinen Lehrmeister wie gewohnt an einem Tisch sitzend im Speisesaal an. "Guten Morgen." grüßte ihn Valorian. "Wie ist eure Reise mit Hochmeister Korgan verlaufen?"
"Guten Morgen", erwiderte Jeremiath den Gruß inklusive einer Verneigung, bevor er sich setzte. "Sie verlief leider ergebnislos. Hochmeister Korgan konnte nichts finden. Weder magische noch nicht-magische Spuren. Ich konnte nicht so recht deuten, ob er darüber nur enttäuscht und frustriert, oder sogar in gewisser Hinsicht besorgt war. Aber er wünscht, dass wir ihn beide aufsuchen, um Weiteres zu besprechen."
"Das klingt eher beunruhigend, ich vermute ihm ist etwas aufgefallen das er nicht nur mit einem Schüler besprechen will."
"Dann sollten wir ihn nicht warten lassen und gleich nach dem Frühstück zu ihm gehen", schlug Jeremiath vor, während er aß.
"Ja, das sollten wir. Ich bin sehr gespannt was Hochmeister Korgan so beunruhigt."
Wenig später waren Schüler und Lehrmeister fertig mit essen und machten sich auf den Weg zu Korgan.
Korgan war diesmal nicht alleine, die Erzmagierin war bereits bei ihm und dieser Umstand ließ für einen Moment einen sehr sorgenvollen Ausdruck auf Valorians Gesicht erscheinen. "Hochmeister Korgan hat mich bereits informiert." begann die Erzmagierin anstelle einer Begrüßung. "Er wird für euch alles noch einmal zusammenfassen." Valorian verneigte sich höflich und wandte seine Aufmerksamkeit dann dem Zwerg zu.
Jermiath erstarrte für einen Moment und die Erinnerung an den Beinahezusammenstoß kehrte zurück. Er musste aufpassen, heute nicht wieder einen tölpelhaften Eindruck zu machen. Er verneigte sich tief und hoffte, dass aller Aufmerksamkeit zu sehr Korgan galt, als dass jemand bemerkte, dass sein Gesicht einen Rotstich bekommen hatte.
"Was auch immer die Goblins in dieser Ruine gesucht haben, es war nicht magisch. Wenn ich nach der Form der Fassung urteile, aus der es herausgebrochen wurde, dann vermute ich eine Schrifttafel oder etwas ähnliches." begann Korgan. "In jedem Fall wußten die Goblins sehr genau was sie gesucht haben und haben sich auch durch Verluste in ihren Reihen nicht aufhalten lassen. Irgendjemand muss sie angetrieben haben und jemand anderes wollt
e diese Ruine schützen. Die Fallen dort waren jedenfalls deutlich jünger als die Ruine selbst."
Das erklärte, warum sie in all der Zeit noch nie ausgelöst wurden. Eine Theorie, über die Jeremiath auch schon nachgedacht hatte, auf die er sich aber auch keinen weiteren Reim machen konnte. "Ich kenne leider nur eine ungefähre Richtung, in die die Goblins gegangen sind. Laut einer Jägerin waren sie bereits drei Tagesmärsche entfernt, als ich vergangene Woche dort war, und hatten es ziemlich eilig", gab Jeremiath nach kurzem Überlegen Auskunft.
"Was diesen Stein hier angeht." Korgan hielt den kleinen Stein hoch. "Er könnte natürlich zufällig in diesem Keller gelandet sein...oder aber jemand wollte das er dort gefunden wird, vermutlich derselbe jemand der auch die Ruine schützen wollte. In diesem Fall muss dieser Stein irgendeinen Hinweis darauf liefern was die Goblins dort wollten. Leider bin ich bisher nicht in der Lage damit etwas anzufangen."
Dazu wusste Jeremiath nun nichts hilfreiches beizusteuern, weshalb er sich für den Moment aufs Schweigen und Zuhören beschränkte.
Valorian nickte nur stumm, ihm schien auf die Schnelle ebenfalls nichts dazu einzufallen. "Valorian, eure Aufgabe wird es sein mehr über diese Geschehnisse und die Ruine herauszufinden." fuhr nun die Erzmagierin fort. "Im Übrigen wird diese ganze Angelegenheit niemandem gegenüber erwähnt bis wir wissen worum es wirklich geht, die anderen Hochmeister werde ich persönlich über alles in Kenntnis setzen. Sobald ihr etwas herausgef
unden habt, lasst es mich wissen."
Jeremiath war überrascht, dass um diesen Diebstahl so viel Wirbel gemacht wurde. Sicher, er fand es auch verwunderlich, dass Goblins in irgendjemandes Auftrag etwas aus einer alten Ruine stahlen, aber dass die Erzmagierin der Akademie von Silian sich der Sache annahm und sämtliche Hochmagier unterrichtete hätte er nie gedacht. Vermutlich würde er seinen Lehrmeister dabei unterstützen sollen, mehr herauszufinden.
"Ich werde euch unverzüglich Bericht erstatten" versprach Valorian. "Dann will ich euch nicht länger aufhalten." die Erzmagierin verneigte sich kurz und Valorian bedeutete Jeremiath, ihm zu folgen.
Auch Jeremiath verneigte sich noch einmal und eilte nach kurzem Zögern dann Valorian hinterher. Eigentlich wollte er sich noch entschuldigen, aber er bekam einfach kein Wort heraus, als er sich der Erzmagierin dafür kurz zugewandt hatte.
Als sie draußen waren atmete Valorian tief durch "Lasst uns einen Spaziergang machen, am besten außerhalb der Stadt."
"Schon wieder laufen", dachte Jeremiath. "Gern", antwortete er. "Warum außerhalb der Stadt?", wollte er jedoch wissen.
"Damit wir uns ungestört unterhalten können, ihr habt die Erzmagierin ja gehört."
Das klang einleuchtend. Auch, wenn Jeremiath dachte, dass Valorian ein eigenes Büro hatte, in dem das ebenso möglich war. Das sollte er bei Gelegenheit erfragen - möglichst, wenn es nicht nach einem Vorwand klang, nicht herumlaufen zu müssen.
Valorian schlug außerhalb der Stadt ein sehr gemächliches Tempo an, so dass es wirklich nur ein Spaziergang war. "Was haltet ihr von der ganzen Angelegenheit?" erkundigte er sich, als sie das Stadttor ein Stück weit hinter sich gelassen hatten.
"Hauptsächlich bin ich verwirrt", gestand Jeremiath. "Dass die Erzmagierin sich persönlich dafür interessiert. Die Hochmagier informiert und Stillschweigen fordert. Niemand weiß bisher, was genau die Goblins gestohlen haben. Alles, was wir haben, sind Hochmeister Korgans Vermutungen, dass es eine Schrifttafel war und die Theorie, dass dieser Stein zum Finden in einem Keller versteckt wurde... Ich will seine Einschätzung nicht in Frage stellen, dazu fehlt mir seine Erfahrung und sein Wissen, aber für mich klingt das doch etwas... gewagt. Den Stein hätte jeder finden können, der die Ruinen untersucht. Und genau genommen habe auch nicht ich ihn gefunden, sondern eine unerfahrene, quirrlige Huyalkundschafterin. Ich habe den Eindruck, dass sie auch dorthin gegangen wäre, wenn ich nicht zufällig zur gleichen Zeit in Hochmeister Elowins Auftrag dort gewesen wäre. Wenn dieser Stein wirklich wichtige Hinweise birgt, erscheint es mir einfach als zu viel Glück, dass er tatsächlich in die Hände der Akademie gefallen ist... Und was die Goblins angeht und die, die sie geschickt haben: Auch hier hätte ich vermutet, dass es Angelegenheit des Reiches wäre, das zu untersuchen und nicht, dass die Akademie das im Geheimen tut."
"Nun, ich denke das der Adressat des Hinweises nicht unbedingt die Akademie war sondern vermutlich einfach derjenige, der sich das Ganze ansieht. Und solange die Goblins bloß irgendwelche Ruinen plündern wird sich der König vermutlich nicht sonderlich für die Sache interessieren. Mich persönlich beunruhigt eigentlich am meiste das uns die Erzmagierin nicht alles erzählt hat was sie weiß."
"Der König vielleicht nicht, aber sich gibt es unter seinen Herrführern jemanden, den es interessiert, wenn Kreaturen wie Goblins sich unter jemandes Befehl formieren und gezielt agieren. Noch sind es nur leerstehende Ruinen, aber das birgt Potential, das mich als Verantwortlichen für die Sicherheit des Reiches interessieren würde... Denke ich." Vielleicht würde er in Friedenszeiten auch einfach nur seinen Ruhm und Einfluss genießen und nichts auf Goblins geben, weil er einen gänzlich anderen Charakter hätte. "Was hat Euch den Eindruck gegeben, die Erzmagierin hätte uns über etwas im Dunkeln gelassen, obwohl sie Euch auftrug, mehr herauszufinden?"
"Ich kenne sie bereits eine Weile und sie hat uns definitiv nicht alles gesagt was sie weiß. Sie wird natürlich ihre Gründe dafür haben, unter Umständen ist es für uns sogar besser manches nicht zu wissen. Dennoch ist es beunruhigend, die Angelegenheit scheint größer zu sein als wir es bisher vermuten."
"Das dachte ich in dem Moment, als Hochmeister Korgan, nachdem er nichts gefunden hat, weiteres mit uns besprechen wollte...", dachte Jeremiath laut. "Was unternehmen wir, um den Wunsch der Erzmagierin zu erfüllen?"
"Eine sehr gute Frage, ich vermute es dürfte wenig hilfreich sein erneut die Ruinen aufzusuchen."
"Ich war zweimal dort, einmal in Begleitung von Hochmeister Korgan... Ich wüsste beim besten Willen nicht, was wir beim dritten Mal mehr herausfinden sollten", stimmte Jeremiath zu. "Vielleicht sind die Goblins eine Spur? Sie waren in einer größeren Gruppe unterwegs, sicher sind sie dabei nicht unebemerkt geblieben und jemand weiß, wohin sie gegangen sind. Mit der Steintafel."
"Eine gute Idee, allerdings ist es bereits etliche Tage her seit sie dort waren. Es wird eure Aufgabe sein dieser Spur zu folgen. Ich werde derweil versuchen ob ich in irgendwelchen Schriften einen Hinweis finden kann."
Das war ja so klar. "Ich werde eine Karte brauchen, um abschätzen zu können, wo sie entlang gegangen sein könnten und wo ich die nächsten Dörfer und Städte finde, um mich nach ihnen zu erkundigen."
"Keine Sorge, wir werden eure Reise entsprechend vorbereiten. Wir haben keine Eile, Sorgfalt ist jetzt wichtiger als Geschwindigkeit."
Jeremiath nickte. Er fand zwar, dass es umso schwerer werden würde, eine aktuelle Spur zu finden, je mehr Zeit verging, aber er wollte seinem Lehrmeister heute nicht nur widersprechen und Skepsis äußern.
"Nun, lasst uns zurückkehren zur Akademie." meinte Valorian schließlich nach einem Moment des Schweigens. "Wir müssen eure Reise vorbereiten."
"Ich hatte nicht erwartet, dass ich in so kurzer Zeit so viel herumkommen würde", dachte Jeremiath auf dem Rückweg. Er war sich selbst nicht sicher, ob er das gut oder schlecht finden sollte. Zum einen gab es auf so einer Reise deutlich mehr interessantes zu entdecken und zu erfahren, zum anderen wollte er aber auch mehr über die Magie lernen. Er hatte eine Idee. "Meister Samron sagte, es sei untersagt, Bücher aus der Bibliothek mitzunehmen. Außerhalb der Akademie, meine ich. Aber es wäre schön, etwas lehrreiches zu Lesen dabei zu haben. Es wird sicher den einen oder anderen Tag geben, an dem es töricht wäre, weiter zu gehen, anstatt etwas früher in ein Gasthaus einzukehren, nur, um des Nachts noch nicht das nächste erreicht zu haben."
"Ein verständliches Anliegen, aber ich fürchte die Schriftenmeister werden für euch keine Ausnahme machen."
"Deswegen hatte ich gehofft, dass Ihr vielleicht ein Buch besitzt, dass Ihr mir leihen könntet. So wäre es keines aus der Bibliothek, dass die Akademie vorrübergehend verlassen würde."
"Oh auch meine Bücher gehören eigentlich der Bibliothek, außer der Erzmagierin besitzt hier glaube ich niemand eigene Bücher."
"Oh... Verstehe", gab Jeremiath zurück und nickte. "Nun gut, dann ist meine Tasche zumindest leichter", gewann er der Sache zumindest etwas Positives ab.
Valorian schmunzelte nur und führte Jeremiath dann in einen Raum mit einem großen Tisch in der Mitte. "Sehen wir uns doch zunächst einmal an, welchen Weg ihr am besten einschlagen solltet."
Jeremiath stellte sich neben den Tisch und schaute darauf.
Valorian berührte einige Runen am Rande des Tisches, dann zeigte sich darauf plötzlich eine Karte. "Hier müsste in etwa die Ruine sein...dann haben die Goblins vermutlich diese Richtung eingeschlagen."
Jeremiath besah sich die Stelle, an der Valorian die Ruine vermutete, genauer. Er suchte nach der Stelle, an der das Dorf liegen musste, auch, wenn er nicht erwartete, dass es verzeichnet war. Aber grob würde er es anhand der Lage am Waldrand, der Position der Ruine und der Lage von Silian und der großen Straßen ja abschätzen können. Davon ausgehend versuchte er sich zu erinnern, in welche Richtung sie gelaufen waren, als sie von der Ruine aus die Goblinspuren verfolgten und die Orkjägerin trafen, um Valorians Vermutung bestätigen oder anfechten zu können.
Nachdem er sich kurz auf der Karte orientiert hatte, stellte er fest, dass Valorians Vermutungen wohl ziemlich zutreffend waren. "Wenn die Goblins ihre Richtung nicht massiv geändert haben, solltet ihr wohl am besten diesen Weg hier einschlagen." Valorian deutete auf einen Weg, der durch ein Waldgebiet führte, das den Namen 'Wolfswald' trug.
"Wolfswald? Klingt nicht ungefährlich", gab Jeremiath zu bedenken. Und der Zwergenkönig würde ihm wohl kaum ebenfalls zwei Panzerzwerge als Geleitschutz mitgeben. Vielleicht, wenn er kleiner wäre und sich als Korgans Lehrling ausgeben würde... Jeremiath schüttelte kurz den Kopf, da er gedanklich abschweifte. "Wohin führt dieser Weg?", fragte er. Mehr sich selbst, während er den Weg auf der Karte verfolgte, als Valorian.
"Ja, soweit ich weiß trägt der Wald seinen Namen nicht ohne Grund. Aber Wölfe haben zum Glück wie alle wilden Tiere eine natürliche Furcht vor Feuer." Der Weg würde ihn wieder auf die Spur der Goblins führen, sofern diese ihre Richtung beibehalten hatten.
Jeremiath versuchte abzuschätzen, wie lange er für die Durchquerung des Waldes brauchen würde. Bei aller Furcht vor Feuer der Tiere, er wollte nicht wirklich in einem Wald voller Wölfe und Wissen-die-Götter-was übernachten müssen.
Der Pfad durchquerte den Wald an einer relativ schmalen Stelle, soweit er es abschätzen konnte sollte es also möglich sein, den Wald binnen eines Tages zu durchqueren.
Jeremiath verfolgte den Weg weiter, da er wissen wollte, wohin er führte und wohin die Goblins unterwegs gewesen sein konnten. Und natürlich, welche Ortschaften entlang des Weges lagen, in denen er sich hoffentlich noch nach den Goblins erkundigen konnte.
Wie es aussah, vermied der gerade Weg der Goblins jede größere Ansiedlung, doch vermutlich gab es den ein oder anderen Bauernhof auf dem man Erkundigungen würde einziehen können.
Er hoffte nur, es würde diese Bauernhöfe tatsächlich noch geben und nicht nur niedergebrannte, geplünderte Überreste... Jeremiath sah nun nicht nur stur den Weg entlang, sondern auch nach anderen auffälligen Orten, die das Ziel der Goblins gewesen sein könnten, die vom Ende des Wolfswaldes aus erreichbar wären, wenn man den Weg verlässt und dennoch größere Ansiedlungen vermeidet.
"Ich mag mich täuschen, aber ich würde vermuten sie wollen in die Berge." unterbrach Valorian Jeremiaths Gedankengänge und deutete an die entsprechende Stelle der Karte. "Ihr solltet euch aber unterwegs vergewissern das sie tatsächlich nicht die Richtung geändert haben."
Jeremiath nickte: "Genau darüber habe ich auch gerade nachgedacht. Über kurz oder lang wird es ihnen sicher zu auffällig gewesen sein, die befestigten Wege zu nutzen. Ich würde mir gern eine Skizze der Umgebung abzeichnen", erwiderte Jeremiath, während er sich umsah. Warum hatte er eigentlich bisher nicht daran gedacht, ein wenig Papier und einen Kohlestift einzustecken? Er nahm sich kurzerhand ein Blatt Papier und Schreibzeug, dass er in einem Fach am Tischrand fand, und machte sich ans Werk, eine Skizze von der Ruine und dem dortigen Dorf ausgehend anzufertigen, in die er den Weg bis zu den Bergen, den Wolfswald und sonstige markante Punkte einzeichnete.
"Eine sehr gute Idee. Aber vergesst nicht, auch den Weg einzuzeichnen der ihr selbst nehmen wollt."
Jeremiath deutete auf den Strich, der durch den Blobb führte, an den er "Wolfswald" geschrieben hatte: "Ich wäre Eurer Empfehlung gefolgt, diesen Weg einzuschlagen." Er zeigte dann auf die Ruine, die er untersucht hatte. "Laut der Jägerin hatten die Goblins drei Tage Vorsprung in diese Richtung", sagte er, während er von der Ruine ausgehend mit dem Finger in die entsprechende Richtung ging. Da seine Skizze aber deutlich weniger detailliert und maßstäblich war, als die Karte auf dem Tisch, wandte er sich dieser wieder zu. "Drei Tage", wiederholte er nachdenklich und versuchte auf der Tischkarte abzuschätzen, wo die Goblins drei Tage später etwa gewesen sein könnten. Und damit abzuschätzen, auf welchem Weg er am sinnvollsten von Silian aus dorthin gelangte.
"Mittlerweile sind es einige Tage mehr, wenn ihr den Wolfswald durchquert habt und einfach weiter dem Pfad folgt, müsstet ihr ungefähr hier "Valorian deutete auf die entsprechende Stelle. "wieder auf ihre Spur stoßen. Bestimmt sind sie nicht unbemerkt geblieben und jemand kann euch Auskunft geben."
Jeremiath markierte die Stelle auf seiner provisorischen Karte und nahm sich dann ein neues Blatt, um den Weg von Silian bis zum Wolfswald ebenso zu skizzieren.
Nachdem auch das erledigt war, ließ Valorian die Karte wieder verschwinden. "Gut, euer Reiseweg wäre also geklärt."
"Dann brauche ich noch Proviant... Ich bezweifle, dass ich so viel im Speisesaal bekommen werde, dass so lange genießbar ist. Ich habe vielleicht zehn, höchstens fünfzehn Zechinen, das könnte knapp werden. Ich will nicht gierig erscheinen, aber da ich im Auftrag der Akademie unterwegs bin, ist es doch sicher nicht vermessen, anzunehmen, dass die Akademie zumindest einen Teil der zu erwartenden Kosten übernimmt, die durch den Kauf von Proviant und Übernachtung entstehen?"
Valorian schmunzelte:"Da habt ihr wohl recht...das Problem ist nur, das wir mit niemandem über die Sache reden dürfen, also auch nicht mit dem Schatzmeister der Akademie."
"Müssten wir diesem denn so detailliert Auskunft erteilen? Mein Lehrmeister schickt mich auf eine längere mehrtägige Reise und ich brauche ein paar Münzen für Verpflegung und Übernachtung. Davon ist doch noch nichts verraten, dass ein Schüler losgeschickt wird, ist doch sicher nichts ungewöhnliches?"
"Nein, das nicht, aber der Schatzmeister wird nähere Informationen haben wollen, er ist da sehr eigen. Doch sorgt euch nicht, wenn ihr morgen aufbrecht werde ich euch schon etwas Geld besorgt haben."
Jeremiath nickte: "Habt Dank. Damit hätten wir einen weiteren Punkt der Vorbereitung geklärt... Vielleicht sollten wir uns noch darauf verständigen, wann ich zurückkehren soll. Wenn ich eine bestimmte Information habe, die wichtig genug ist, um sie nicht erst Tage später mit Euch zu teilen und damit zurückkehren soll, anstatt vorher noch mehrere Tage auf weitere Nachforschungen zu verwenden zum Beispiel."
"Nun ich würde sagen ihr kehrt entweder zurück wenn ihr die Spur verliert oder wenn ihr das Ziel der Goblins gefunden habt. Ihr solltet vermutlich eher nicht versuchen dort nähere Nachforschungen anzustellen, das dürfte zu gefährlich sein."
Abermals nickte der Schüler als Zeichen, dass er verstanden hatte. "Es ist befreiend, zu wissen, wann man zurückkehren kann... Als Hochmeister Elowin mich zum ersten Mal zu der Ruine sandte ging mir permanent die Frage durch den Kopf, ob ich mit nichts als einem wie ich dachte schönen, aber uninteressanten Stein zurückkehren oder weiter etwas herauszufinden versuchen sollte..." Jeremiath überlegte kurz, doch auf die Schnelle fiel ihm nichts weiter ein, was er unbedingt ansprechen wollte. "Ihr sagtet, Hochmeister Peragioc hätte mich Euch zugewiesen, da Ihr selbst viel erlebt habt... Habt Ihr also noch einen Rat, von Lehrmeister zu Schüler?", fragte er mit einem leichten Grinsen.
"Ja, ich denke den habe ich tatsächlich. Wenn ihr wirklich etwas erreichen wollt, dann geht ungewöhnliche Wege. Und wenn ihr Informationen wollt, dann helft den Leuten denen ihr begegnet."
Jeremiath dachte einige Sekunden lang über Valorians Worte nach, bevor er antwortete: "Ich werde daran denken... Sagt, gibt es in der Akademie eine Art Übungsraum? Ich würde den Zauber, den ich gelernt habe, gern noch einmal üben, bevor ich aufbreche. Bisher hatte ich erst einmal die Gelegenheit dazu und ich will mir sicher sein, dass ich weiß, was ich tue, wenn ich auf überwindbaren Widerstand stoße."
"Ja, den gibt es. Kommt, ich zeige ihn euch."
Jeremiath steckte seine Skizzen ein und verstaute das Schreibzeug wieder im Fach am Tischrand, dann folgte er Valorian.
Der Raum befand sich im Keller, war ziemlich groß und bereits von einigen anderen Schülern bevölkert, die fleißig verschiedene Zauber übten.
"Habt Dank. Gibt es noch etwas, das Ihr besprechen wollt, bevor ich mich auf morgen vorbereite?"
"Ich denke wir haben alles nötige besprochen."
"Gut. Dann bis morgen, Meister Valorian." Jeremiath verneigte sich zum Abschied wie gehabt. Nachdem sein Lehrmeister gegangen war, sah er sich den Übungsraum genauer an.
Der Raum war in verschiedene Areale eingeteilt, die offenbar verscheidenen Zwecken dienten. Für seinen Feuerzauber erschienen ihm einige Lebensgroße Attrappen das richtige Ziel zu sein.
Nachdem sich Jeremiath einen Moment Zeit genommen hatte, um einigen anderen Schülern zuzusehen, ging er zu den Attrappen und stellte sich in einiger Entfernung zu ihnen auf, um das Wirken des Feuerstoßes ein paar Mal zu üben.
Die Zauber gelangen ihm ohne Probleme und da die Attrappen sich nicht bewegten, traf er auch jeweils sein Ziel.
Nach dem Üben verließ Jeremiath den Raum erleichtert und mit neuer Zuversicht. Und da er davon ausging, einige Wochen unterwegs zu sein, beschloss er, sich noch einen letzten Nachmittag Ruhe zu gönnen und ein paar Kapitel in dem ausgeliehenen Buch über magische Grundlagen zu lesen. Und am Abend etwas früher zu Bett zu gehen, um Valorian am nächsten Morgen frisch und munter im Speisesaal gegenüberzutreten.
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Re: Jeremiath

Beitrag von KnigRhobarder am Di Mai 08, 2018 8:13 pm

Valorian erwartete ihn am nächsten Morgen wie üblich im Speisesaal und überreichte ihm bei der Begrüßung einen kleinen Beutel, in dem offenbar einige Münzen klimperten.
Jeremiath verneigte sich zum Gruß vor seinem Lehrmeister und nahm den Beutel dankend entgegen. Beim Frühstück erkundigte er sich, ob sich seit ihrem gestrigen Gespräch noch etwas ergeben hätte, oder ob er sich nach dem Essen auf den Weg machen konnte.
"Ich bin noch nicht dazu gekommen weitere Nachforschungen anzustellen."
"Gut, dann bleibt alles so, wie abgesprochen", nickte Jeremiath ab. "Viel Erfolg bei Euren weiteren Nachforschungen", wünschte er Valorian, nachdem sie gefrühstückt hatten.
"Euch eine sichere Reise. Denkt daran keine unnötigen Risiken einzugehen."
"Keine Sorge, ich habe ein persönliches Interesse daran, lebendig zurückzukommen", erwiderte Jeremiath mit einem Schmunzeln. "Gehabt Euch wohl, Meister Valorian", verabschiedete er sich dann und bat im Speisesaal noch um Proviant für seine Reise. Wenigstens für die ersten Tage konnte er ja etwas mitnehmen.
Da er zunächst eine befestigte Straße nutzen konnte, kam Jeremiath gut voran und sein Proviant reichte problemlos für die ersten beiden Tage aus. Am Abend des dritten Tages, er hatte am morgen auf einen weniger gut befestigten Pfad wechseln müssen, wollte er in einer Taverne in Sichtweite des Wolfswaldes übernachten. Vor der Taverne lungerte eine kleine Truppe von wenig vertrauenerweckenden Gestalten herum, die offenbar s
chon einiges getrunken hatten.
Jeremiath überlegte kurz, hielt dann aber optimistisch auf die Taverne zu, ohne weiter auf die Gestalten zu achten. Zumindest nicht offensichtlich, im Augenwinkel behielt er sie sicherheitshalber dennoch.
"Mag sein das er die Nacht überlebt, aber spätestens morgen Abend zerreißen ihn die Wölfe. Er hätte sich eben überlegen sollen was er sagt." konnte Jeremiath einen Gesprächsfetzen aufschnappen.
Das klang zwar beunruhigend, aber nicht so, als wären die betrunkenen Gestalten bösartige Mörder. Da er gar nicht genauer wissen wollte, worum es geht - gut, wollte er schon, aber er wollte den Männern keinen Anlass geben, ihn anzupöbeln - drückte er die Tavernentür auf, um hineinzugehen.
Im Schankraum waren relativ wenige Gäste, die Route durch den Wolfswald schien nicht die beliebteste zu sein. Das hatte den Vorteil, das der Wirt sofort Zeit für Jeremiath hatte "Seid gegrüßt, ich hoffe ihr hattet keinen Ärger vor der Tür." Offenbar war dem Wirt bewußt wer sich dort draußen aufhielt.
Jeremiath schüttelte den Kopf: "Nein, gar keinen", erwiderte er erleichtert. "Den Göttern zum Gruß, habt Ihr wohl noch ein Bett für die Nacht?"
"Natürlich, für vier Zechinen bekommt ihr ein gutes Bett und morgen ein Frühstück."
"Reichlich teuer", dachte sich Jeremiath, während er in Valorians Geldbeutel langte, um die Münzen herauszunehmen.
Der Beutel enthielt zum Glück genügend Münzen um den geforderten Preis bezahlen zu können.
Jeremiath wäre auch überrascht gewesen, wenn nicht. "Wer sind denn die Männer vor Eurer Taverne?", fragte er, während er die Münzen auf den Thresen legte.
"Ich vermute Wegelagerer aus dem Wald."
"Klingt ja nach rosigen Aussichten... Was würdet Ihr jemandem raten, der von hier auf die andere Seite des Waldes gelangen und nach Möglichkeit keinen Wegelagerern in die Hände fallen will?"
"Ich würd euch empfehlen morgen gleich bei Sonnenaufgang aufzubrechen. So viel wie die da draußen gerade trinken werden sie morgen vermutlich lange schlafen und euch nicht behelligen. Wenn ihr wollt werde ich euch entsprechend zeitig wecken."
"Das wäre nett, ja", stimmte Jeremiath zu. Womit auch entschieden wäre, dass er früh ins Bett gehen würde. "Gibt es ansonsten wissenswerte Vorkommnisse in der Gegend?"
"Nein, das ihr auf die Wölfe achten müsst wißt ihr ja sicher."
"Durchaus, der Wolfswald soll seinen Namen zurecht tragen, wie ich hörte." Da eine Horde Goblins, die gesichtet wurde, wohl zu wissenswerten Vorkommnissen hätte zählen müssen, beließ es Jeremiath dabei. Er wollte nicht mehr am Thresen stehen, wenn die vermeintlichen Wegelagerer neues Bier bestellten. Und da er ohnehin früh geweckt werden wollte, konnte er auch genauso gut früh schlafen gehen.
Am nächsten Morgen weckte ihn der Wirt wie vereinbart in aller Frühe. "Guten Morgen, ich habe euer Frühstück bereits im Schankraum bereitgestellt."
Der Schüler brauchte einen Moment, bevor er das "Guten Morgen", nuschelnd erwiderte und sich aufrappeln konnte. Ihm war schleierhaft, wie der Wirt schon auf den Beinen sein konnte. Aber um sich darüber - oder überhaupt über irgendetwas - Gedanken zu machen, war es eindeutig zu früh. Daher beließ er es dabei, einfach nur zu frühstücken, dem Wirt noch einmal seinen Dank zu entrichten und dann seine Reise in Richtung Wolfswald fortzusetzen.
Er erreichte den Waldrand, als die Sonne gerade vollständig aufgegangen war. Der Pfad, der in den Wald hineinführte, wirkte so als würde er durchaus des öfteren genutzt, scheinbar sogar von Karren. Als er diesem eine kleine Weile gefolgt war, zweigte nach rechts ein schmaler Pfad ab. Aus dieser Richtung war ein Schrei zu hören.
Einen Moment lang haderte Jeremiath zwischen Misstrauen und Hilfsbereitschaft, aber letztere gewann rasch die Oberhand und veranlasste ihn, nach rechts abzubiegen und im Laufschritt nach der Quelle und dem Grund des Schreis zu sehen.
Er musste nicht lange suchen, der schmale Pfad mündete bald auf einer kleinen Lichtung. Auf dieser war ein junger Ork an einen Baum gefesselt, bekleidet lediglich mit einem Lendenschurz. Sein Oberkörper wies einige Schnittwunden auf, die vermutlich vom Vortag stammten. Das Blut hatte wie es schien drei Wölfe angelockt, die den Ork belauerten, sich aber noch nicht trauten ihn anzugreifen. Lange würde der Ork aber wohl nichtm
ehr durchhalten, er schien bereits am Ende seiner Kräfte zu sein.
"Verdammt, verdammt, verdammt", fluchte Jeremiath innerlich. Das zum Thema vor Wölfen hüten. Hätte er doch bloß auf die Stimme in seinem Hinterkopf gehört, die ihn vor einer Falle gewarnt hat, dann wäre er jetzt in Sicherheit. Aber jetzt konnte er nicht mehr einfach umdrehen und den festgebundenen Ork seinem Schicksal überlassen. Elende Gutmütigkeit! "Ihr Götter, straft mich nicht für meine Hilfsbereitschaft und steht mir bei", sandte er ein stummes Stoßgebet gen Himmel, während er seine Fackel entzündete. Wölfe fürchten sich vor Feuer hatte Valorian gesagt. Und jener war selbst abenteuerlustig gewesen, also musste an seinen Worten doch etwas dran sein... Wenn nicht, würde er Valorian als Geist heimsuchen, soviel stand fest. Als die Fackel entzündet war, ging er auf die Wölfe zu und wedelte mit dem Feuer langsam vor sich hin und her, um sie zu verscheuchen.
Die Wölfe hatten zumindest einigen Respekt vor dem Feuer und wichen davor zurück. Aber offenbar hatten sie nicht vor, ihre sicher geglaubte beute so einfach aufzugeben. Denn nun versuchten sie, Jeremiath zu umgehen um ihm in den Rücken fallen zu können.
"Nein, nein, nein, haut ab, verdammt nochmal!", fluchte Jeremiath innerlich und versuchte, zu dem Ork aufzuschließen und ihn mitsamt dem Baum im Rücken zu haben, damit die Wölfe ihn nicht von Hinten anfallen konnten. Oder zumindest überhaupt einen größeren Baum.
Es gelang ihm, sich mti dem Rücken zum Ork zu postieren und so alle drei Wölfe halbwegs vor sich zu haben. Hinter sich hörte er den schweren Atem des Orks, doch er hatte keine Zeit sich zu diesem umzudrehen da mindestens einer der Wölfe ständig versuchte, ihn seitlich zu attackieren und er ständig die Fackel von links nach rechts schwenken musste.
Nachdem er so ein paar Mal einen der Wölfe wieder zu mehr Distanz überredet hatte, konzentrierte sich Jeremiath, um dem nächsten übermütigen Wolf einen Feuerstoß entgegenzuwerfen. Er hoffte, sich dadurch mehr Respekt verschaffen zu können.
Fast hätte der Zauber sein Ziel verfehlt, aber eben nur fast. Statt den Wolf frontal zu treffen, brannte sich der Feuerstoß in die Flanke des Tieres. Und auch wenn er dort nicht wirklich viel Schaden anrichtete, ließ er den Wolf doch erschrocken aufheulen und dann das Weite suchen. Die beiden anderen Wölfe wichen ebenfalls zwei Schritte zurück.
"Sie sind verunsichert, jetzt muss ich zeigen, dass ich mich ihnen überlegen fühle", dachte Jeremiath im Adrenalinrausch und lief, die Fackel schnell vor sich herwedelnd, mit einem lauten "RAAAH!"-Ruf auf die Wölfe zu. Sollte das nicht reichen, würde er dem näheren von beiden den nächsten Feuerstoß um die Ohren werfen.
Als Jeremiath auf sie zustürmte, machten die Wölfe kehrt und rannten schleunigst davon.
Fast hätte Jeremiath sich die Fackel ins Gesicht gegen die Schulter gedrückt, als er vor Erleichterung mit dem Ärmel über seine Stirn wischen wollte. Als ihm die Wärme entgegenschlug, merkte er es zum Glück aber noch. Er vergewisserte sich durch Umsehen, dass die Wölfe wirklich weg waren, bevor er die Fackel löschte und zu dem gefesselten Ork zurückkehrte.
Der Ork sah ihn erschöpft und schwer atmend an, offenbar konnte er sein Glück noch nicht fassen das er nun doch nicht von Wölfen gefressen würde.
Nach den Erfahrungen, die er mit der Orkjägerin gemacht hatte, verzichtete Jeremiath auf höfliche Begrüßungsfloskeln und fragte stattdessen ohne Umschweife: "Könnt Ihr gehen?", während er sich daran machte, die Fesseln zu lösen.
Nachdem die Fesseln gelöst waren, atmete der Ork mehrmals tief durch: "Danke." brachte er schließlich heraus. "Ich stehe in eurer Schuld." (+50 EXP)
"Darüber können wir später reden, erst einmal sollten wir aus dem Wald kommen, bevor die Wölfe wiederkommen... Oder die Banditen."
"Ich werde euch folgen."
Es war ungewohnt, diesen Satz zu hören, statt ihn zu sagen. Jeremiath ging den schmalen Pfad zurück zum Hauptweg und diesen dann weiter in die Richtung, in die er unterwegs gewesen war. "Wie seid Ihr denn überhaupt in diese Lage gekommen?", wollte Jeremiath wissen, als sie auf dem Hauptweg waren.
Der Ork hatte zwar Mühe ihm zu folgen, doch er hielt eisern Schritt. "Sie wollten mich für ihre Truppe gewinnen." berichtete er. "Sie sagten wir würden kämpfen und Beute machen..." er machte eine kurze Pause um wieder etwas Luft zu schöpfen. "Aber sie kämpfen ohne Ehre, ich wollte nicht bei ihnen bleiben. Dann haben sie mich im Schlaf überwältigt und wollte mich den Wölfen zum Fraß vorwerfen."
Jeremiath verlangsamte seine Schritte etwas, nachdem der Ork zum Luftholen anhalten musste. "Kämpfen und Beute machen? Klingt Eher nach Überfallen und Ausrauben..."
"Ja...ich dache sie wären Söldner, aber sie sind nur Banditen."
"Lebt Ihr in der Gegend irgendwo? Oder seid Ihr nur auf der Durchreise, so wie ich?"
"Ich war unterwegs, meine Heimat liegt im Norden, in den Steppen."
"Euch ist unterwegs nicht zufällig etwas über Goblins zu Ohren gekommen, die vor Kurzem hier durchgekommen sind?"
"Goblins? Nein, aber wenn ihr sie jagt werde ich euch helfen."
"Danke, aber auch wenn ich vorhin vielleicht anders wirkte, ich bin nicht so verrückt, einen ganzen Trupp Goblins zu jagen", erwiderte Jeremiath grinsend und holte seine abgemalte Karte aus der Tasche. "Ich weiß nur, dass sie vor etwa zwei Wochen hier entlanggekommen sind", erklärte er und zeigte dem Ork den Weg auf der Karte von der Ruine bis zum Wolfswald. "Und ich versuche herauszufinden, wohin sie gegangen sein könnten."
"Dann werde ich euch dabei helfen." er unterbrach sich kurz und sah verlegen zu Boden. "So gut ich es ohne Waffen vermag..." fügte er dann leise hinzu.
"Die haben diese Banditen, nehme ich an?"
"Ja, sie haben sie mir genommen damit ich ohne Ehre sterben sollte."
"Nun, ich denke, es wird sich schon irgendwo eine Waffe für Euch auftreiben lassen. Die Goblins haben zwei Wochen Vorsprung und könnten wer weiß wo hingegangen sein, ich werde also noch einiges herumkommen. Oder wir, wenn Ihr mir wirklich bei der Suche helfen wollt."
"Natürlich helfe ich euch, ihr habt mein Leben und vor allem meine Ehre gerettet, ich begleite euch bis diese Schuld beglichen ist."
"Dazu sage ich nicht nein. Aber Ihr sagtet, Ihr seid selbst unterwegs gewesen? Was hat Euch denn hierher verschlagen?"
"Ich war unterwegs um Erfahrung zu sammeln um danach als echter Krieger in mein Dorf zurückzukehren."
"Dann hält Euch meine Suche zumindest nicht von einer dringlichen Angelegenheit ab", bemerkte Jeremiath gut gelaunt. "Vielleicht sogar ganz im Gegenteil... Wobei ich als Krieger wenig tauge und auf Konfrontationen gut und gern verzichten kann."
"Wenn ich wieder eine Waffe habe, dann bin ich eure Klinge."
Da er sie ohnehin einmal in der Hand hatte, warf Jeremiath einen Blick auf seine provisorische Karte, um sich in Erinnerung zu rufen, was am anderen Ende des Wolfswaldes in der näheren Umgebung verzeichnet war.
Laut seiner Karte gab es am anderen Ende des Waldes eine kleine Siedlung.
Diese Erkenntnis teilte er mit... Ja, wie auch immer er hieß. "Ich bin übrigens Jeremiath", stellte er sich vor.
"Ich bin Brukosh, vom Klingengras-Stamm."
"Gut, Brukosh. Hinter dem Wald gibt es eine Siedlung. Wenn die Goblins hier irgendwo langgekommen sind, sollte das ja irgendjemand dort mitbekommen haben. Oder ein Jäger ihre Spuren entdeckt haben. Und eine Waffe wird sich dort sicher auch finden... Aber zuerst solltet Ihr Euch Ruhe gönnen, wenn wir dort sind. Die Nacht an einen Baum gefesselt in einem Wald voller Wölfe zu verbringen war sicher nicht sonderlich erholsam", stellte er schmunzelnd fest.
"Nein, aber ich werde euch nicht aufhalten. Wenn ihr weiter wollt dann begleite ich euch."
"Wie gesagt, die Goblins haben zwei Wochen Vorsprung und mein Vorhaben ist, herauszufinden, wohin sie gegangen sind. Nicht, sie einzuholen. Auf einen Tag kommt es nicht an", erwiderte Jeremiath beharrlich.
Der Ork nickte. "Sobald ich wieder eine Waffe habe können wir unseren Weg fortsetzen. Meine Wunden sind nicht der Rede wert." Tatsächlich wirkten seine Verletzungen mehr wie oberflächliche Schnitte.
Jeremiath verzichtete darauf, weiter mit dem Ork darüber zu diskutieren, ob dieser erst einmal einen Tag schlafen sollte, behielt aber sein etwas langsamereres Tempo bis zur Siedlung bei.
Die Menschen in der Siedlung beäugten den Ork mit ziemlichem Mißtrauen, aber keiner traute sich, etwas zu sagen.
"Gut, ich werde sehen, ob ich etwas in Erfahrung bringen kann. Dann habt Ihr Zeit, Euch noch einer Waffe umzusehen. Es gibt bestimmt jemanden, der Hilfe bei etwas benötigt und dafür zahlt, entweder direkt mit einer einfachen Waffe oder mit Münzen, um eine zu kaufen. Und da ich nicht in Eile bin und es auch in meinem Interesse ist, dass Ihr eine Waffe bekommt, könnt Ihr selbstverständlich auf meine Mithilfe zählen, wenn Ihr einen Auftrag einholen könnt", schlug Jeremiath das weitere Vorgehen vor.
Brukosh machte keinerlei Anstalten, Jeremiath von der Seite zu weichen. "Ihr wollt eine Waffe für den da?" ein recht dicker Mann hatte das Wort an Jeremiath gerichtet und deutete auf Brukosh.
Jeremiath verstand nichts von den Bräuchen der Orks, aber er hatte das Gefühl, dass Brukosh es etwas genauer damit meinte, ihm zu folgen, als er darunter verstanden hat. Als er angesprochen wurde, wollte er schon erwidern, dass "der da" nicht sein Eigentum ist und für sich selbst sprechen kann, aber da die Dörfler bisher nur skeptische blicke für den Ork übrig hatten und Brukosh sich ohnehin gerade wie ein Gefolgsmann und nicht wie ein Gefährte benahm, verzichtete er darauf. "So ist es", erwiderte der angehende Magier stattdessen nur.
"Wenn ihr uns bei einem Problem helft, kann er eine Axt und einen Schild haben." erklärte der dicke Mann.
"Um was für ein Problem handelt es sich?"
"Banditen. Sie machen seit einiger Zeit den Pfad durch den Wald unsicher und das ist schlecht für unser Dorf. Wenn ihr einverstanden seid gebe ich euch Axt und Schild und solltet ihr erfolgreich sein, könnt ihr beides behalten."
"Wieviele sind es und wie gut sind sie bewaffnet?", fragte Jeremiath sowohl den Dicken als auch den Ork.
"Keine Ahnung, ein Dutzend vielleicht." erwiderte der Dicke, Brukosh nickte nur stummt.
Jeremiath hob eine Braue: "Zwei gegen zwölf? Ich hege ja Zweifel, dass das ohne weitere Männer ein realistisches Unterfangen ist."
"Mir ist egal wie ihr es anstellt, aber wenn ihr die Axt und den Schild haben wollt, dann müsst ihr es wohl irgendwie schaffen."
"Wie gesagt, wir werden zuvor Verstärkung auftreiben müssen. Die Banditen müssen verschwinden, da stimme ich Euch zu und dabei helfe ich nur zu gern mit. Aber dann werden wir dafür auch etwas Zeit benötigen. Und die Ausrüstung brauchen wir wenn dann schon ab heute."
"Wie gesagt, ihr könnt beides haben wenn ihr euch um die Banditen kümmert. Aber wehe ihr macht euch damit aus dem Staub!"
"Wir werden nicht heute oder morgen in den Wald gehen und die Banditen vertreiben. Und sofern es nicht genügend Männer hier im Dorf gibt, die sich an der Banditenjagd beteiligen, wovon ich nicht ausgehe, da Ihr uns um Hilfe bittet, werden wir zwangsläufig erst einmal weiterziehen, um eben jene Männer aufzutreiben. Wenn Ihr solange warten könnt, dann habt Ihr mein Wort, dass ich entweder mit Verstärkung zurückkomme und wir uns um die Banditen kümmern, oder, falls wir diese nicht auftreiben können, Ihr Axt und Schild zurückbekommt. Das ist alles, was ich Euch im Moment zusichern kann, tut mir Leid."
"Was? Nein, ihr bekommt die Sachen und kümmert euch um die Banditen. Haltet ihr mich für blöde? Ich sehe euch doch nie wieder wenn ihr ersteinmal..." weiter kam er nicht, den Brukoshs Faust schnellte vor und holte den Dicken von den Füßen. "Ihr werdet nicht sein Wort in Frage stellen." knurrte Brukosh und baute sich über dem Dicken auf.
Jeremiath war zu überrumpelt von der plötzlichen und seiner Meinung nach völlig überzogenen Situation, um darauf mit mehr als ungläubigen Blicken reagieren zu können.
Der Dicke sah völlig verwirrt zu den beiden auf und wollte etwas sagen, klappte den Mund aber schnell wieder zu nachdem er Brukoshs Gesichtsausdruck gesehen hatte. Er atmete stattdessen tief durch:"Ich...verzeiht, ich war unhöflich." er erhob sich mühsam und gab den Männern, die sich der kleinen Gruppe genähert hatten, einen Wink sich wieder zu entfernen. "Ich denke eure Idee ist gut und wir
können es noch ein paar Tage mit den Banditen aushalten wenn Ihr sie uns anschließend vom Hals schafft."
"Gut, dann ist es abgemacht", brachte Jeremiath schließlich eine Antwort hervor und beschloss, den Umstand einfach zu ignorieren, dass Brukosh den Fremden einfach niedergeschlagen hat. Zumindest war das ein Beweis seiner Stärke, wenn er selbst nach einer schlaflosen Nacht und geschwächt einen Mann mit einem Schlag zu Boden schicken konnte.
"Ich lasse euch gleich die Axt und den Schild bringen, je schneller ihr die Banditen vertreiben könnt, desto besser für uns alle."
"Wir warten hier."
Der Dicke verschwand eilig aus der Reichweite des Orks und es dauerte nicht lange, bis ein junger Mann die beiden versprochenen Gegenstände brachte und sie Brukosh überreichte. Dieser nahm sie entgegen und wog die Axt prüfend in der Hand.
Jeremiath nickte dem Burschen mit einem knappen "Danke" zu, bevor er sich Brukosh zuwandte, um zu sehen, wie dieser auf die Ausrüstung reagierte.
Brukosh wirkte, als habe er sich bereits deutlich erholt. Die Waffe in seiner Hand schien im einiges an Sicherheit zu geben und er wirkte wesentlich entspannter als zuvor.
"Suchen wir die Taverne, wenn jemand etwas weiß, dann der Wirt", spielte Jeremiath auf sein eigentliches Vorhaben an, die Goblins aufzuspüren und sah sich in der Siedlung um.
Die Taverne war eigentlich viel zu groß für dieses kleine Dorf, aber vermutlich wurde sie im Normalfall hauptsächlich von Reisenden aufgesucht. Momentan jedoch herrschte wenig Betrieb dort.
Wenig Betrieb hieß, der Wirt hatte nicht zu viel zu tun, um sich zu unterhalten. Das kam Jeremiath gerade Recht. "Den Göttern zum Gruß", wandte er sich an diesen und kam gleich auf den Punkt. "Ich verfolge die Spuren von einem Goblintrupp, der vor etwa zwei Wochen hier in der Gegend unterwegs waren und der höchstwahrscheinlich auch den Wolfswald durchquert hat. Wisst Ihr etwas über ihn?"
"Goblins? Es gab Gerüchte das sie etwa einen Tagesmarsch von hier entfernt vorbeigekommen sind, aber sie kamen nicht aus dem Wald." erklärte der Wirt, nachdem er den Gruß erwidert hatte.
"Womöglich haben sie ihn auch umgangen, das weiß ich nicht mit Sicherheit. Deshalb will ich ja etwas darüber herausfinden. Könnt Ihr mir mehr über diese Gerüchte erzählen?"
"Ich weiß nicht wirklich viel, aber angeblich war es eine recht große Truppe von Goblins und sie sind eilig in Richtung Nordosten marschiert."
Die Richtung stimmte also genau mit dem überein, was Jeremiath vermutet hatte. "Kennt Ihr jemanden, der mehr darüber wissen könnte?"
"Am besten einen der fahrenden Händler, wie war doch gleich sein Name..." der Wirt dachte scheinbar angestrengt nach "Achja, Marik."
"Der ist nicht zufällig gerade im Dorf?"
"Im Moment nicht, aber wenn ich mich nicht irre dann müsste er morgen oder spätestens übermorgen wieder hier vorbeikommen."
"Habt Dank für die Auskunft. Zwei Tage, vielleicht passt das sogar zu einem anderen Vorhaben... Ich suche kampftaugliche Männer, die uns" - er nickte dabei kurz in Richtung Brukosh - "dabei helfen, den Wolfswald und die umliegenden Dörfer von den Banditen zu befreien. Da das in aller Interesse sein dürfte, sollten sich in der Gegend doch hoffentlich genug Männer finden lassen, die sich daran beteiligen. Kennt Ihr zufällig welche?"
"Ihr wollt es wirklich mit den Banditen aufnehmen? Ich glaube kaum das ihr hier im Dorf jemanden findet der euch helfen wird."
"Jemand muss die Initiative ergreifen und Männer zusammentrommeln, die sich gemeinsam darum kümmern. Je später das jemand tut, desto mehr ermorden sie bis dahin. Zu zweit werde ich es sicher nicht mit ihnen aufnehmen, aber dieses Dorf ist doch sicher nicht das einzige, das unter ihren Überfällen zu leiden hat?"
"Das Dorf selbst überfallen sie nicht, nur die Reisen durch den Wald sind nichtmehr sicher."
"Was Reisende und Händler abschreckt und dem Dorf damit schadet", hielt Jeremiath dagegen. "Der Punkt ist: Sie müssen weg. Und da ich ohnehin mehr über die Goblins herausfinden will, kann ich mich währenddessen auch nach Männern umhören, die bei der Beseitigung der Banditen helfen. Wenn ihr also im Umkreis von zwei Tagen eine gute Anlaufstelle kennt, um solche Männer zu finden, dann kann ich auch in dieser Richtung mit weiteren Nachforschungen anfangen. Und dem Land dabei womöglich noch einen Gefallen tun."
"Ich weiß nicht...andere Dörfer gibt es nicht in der Nähe, nur ein paar Höfe in der Umgebung."
Jeremiath fluchte innerlich. Das würde es deutlich schwerer machen, etwas gegen die Banditen zu unternehmen, wenn im einzigen Dorf weit und breit keiner dazu bereit war. Er würde sich etwas einfallen lassen müssen. Wo waren Korgans Panzerzwerge, wenn man sie brauchte? "Nun gut, dann danke ich Euch für Eure Zeit... Gehabt Euch vorerst wohl", verabschiedete sich Jeremiath und verließ die Taverne wieder, um der Spur der Goblins nach Nordosten zu folgen und sich bei den in dieser Richtung liegenden Höfen nach ihnen zu erkundigen.
Den ersten Hof erreichte er am frühen Abend. Dort herrschte noch rege Betriebsamkeit.
"Könnt Ihr mir eigentlich noch etwas über diese Banditen erzählen?", fragte Jeremiath seinen recht schweigsamen Begleiter. "Vorallem da sich das Finden von Verstärkung anscheinend als schwieriger erweist, wäre es gut, wenn wir diese Banditen statt im Dutzend in kleineren Grüppchen zu fassen bekommen würden..." Dabei versuchte Jeremiath sich auch daran zu erinnern, wieviele betrunkene Banditen gestern Abend vor der Taverne herumlungerten.
Vor der Taverne waren ungefähr ein halbes Dutzend Banditen gewesen, im Höchstfall sieben oder acht. "Sie sind feige und verdienen den Tod. Aber es sind zu viele als das wir sie im offenen Kampf bezwingen können. Ich weiß wo ihr Lager ist, dort bleiben immer zwei Wachen zurück während die anderen auf Raubzug gehen."
Jeremiath nickte zustimmend: "Dann verbleiben zehn, das sind immernoch zu viele in einer Gruppe. Und wenn wir uns nur um die zwei Wachen im Lager kümmern, ist auch niemandem geholfen, vermutlich eher im Gegenteil... Habt Ihr etwas anderes im Sinn, wenn Ihr den offenen Kampf bereits ausschließt?"
"Wenn wir die beiden Wachen töten und ihr Lager abbrennen, werden die übrigen vielleicht das Weite suchen."
"Oder aus Rache die nächsten, die sie überfallen, nicht nur ausrauben, sondern umbringen..."
"Nein, sie werden erst ein neues Lager errichten wollen. Sie sind zu feige um ohne Rückzugsort etwas zu unternehmen."
Jeremiath dachte einen Moment über die Worte des Orks nach und nickte dann. "Ihr hattet mit Ihnen zu tun, ich nicht. Wenn Ihr Euch sicher seid, vertraue ich Eurer Einschätzung. Ist das Lager mit Fallen geschützt?"
"Nein, nur die beiden Wachen."
"Und wie schätzt Ihr deren Kampfkraft ein?"
"Wir können sie besiegen."
Jeremiath fuhr sich über die Schläfen. Die Sache bereitete ihm Unbehagen, er hatte doch praktisch gar keine Erfahrung im Kampf. Und einen Menschen getötet hatte er auch noch nie, selbst, wenn es hierbei um Banditen ging. Er hatte wirklich gehofft, er könne sich dabei eher im Hintergrund halten... "Gut, dann müssen wir ja nur noch einen Zeitpunkt abpassen, zu dem die Banditen unterwegs sind und tatsächlich nur die zwei Wachen dort sind..."
"Dann führe ich euch morgen zum Lager, heute erreichen wir es nichtmehr rechtzeitig."
"Einverstanden." Mittlerweile hatten sie den Hof erreicht und Jeremiath erkundigte sich, wo er den Besitzer desselben finden konnte.
Ein älterer Mann stellte sich als Besitzer des Hofes vor"Was führt euch zu meinem Hof?"
"Den Göttern zum Gruße", grüßte Jeremiath wie gewohnt. "Wir verfolgen die Spur von einem Trupp Goblins, der vor etwa zwei Wochen durch diese Gegend gekommen ist, vielleicht einen Tag von hier entfernt. Ich hatte gehofft, auf den umliegenden Höfen könnte mir jemand mehr darüber sagen."
"Ich habe von diesen Goblins gehört, aber gesehen habe ich sie nicht."
"Was gewiss auch besser so ist. Würdet Ihr mir erzählen, was Ihr gehört habt?"
"Kommt herein und esst mit uns, dann will ich euch alles erzählen."
"Sehr gern."
Es wurde ein einfaches Mahl aufgetischt und der Bauer begann zu berichten:"Es soll ein ziemliche großer Trupp gewesen sein, unterwegs in nordöstlicher Richtung. Angeblich haben sie einen Bogen um Höfe auf ihrem Weg gemacht, aber das ergibt wenig Sinn wenn ihr mich fragt."
"Soweit ich bisher gehört habe, hatten sie es wohl ziemlich eilig. Die Höfe zu umgehen hat wohl weniger Zeit gekostet, als sie unterwegs niederzubrennen", mutmaßte Jeremiath. "Was in dem Fall zwar gut, aber eben untypisch ist und einen Grund haben musss. Nordosten, was liegt dort?"
"Wenn sie ihre Richtung nicht ändern, dann liegen dort nur die Bolaberge."
"Wie weit sind die von hier in etwa entfernt, in Tagen?"
"Sechs Tage werdet ihr mit Sicherheit brauchen, vielleicht auch sieben."
"Das ist einiges... Dann werden wir noch einiges unterwegs sein. Sagt, hättet Ihr für heute wohl einen Platz für die Nacht für uns? Wenn Ihr bei einem Problem abseits der Feldarbeit Hilfe benötigt, will ich Euch die Gastfreundschaft auch gern vergelten."
"Im Haus habe ich keinen Platz, aber wenn ihr wollt könnt ihr gerne in der Scheune schlafen."
"Das ist kein Problem. Habt Dank."
In der Scheune war es warm und man konnte sich aus dem vorhandenen Stroh ein durchaus akzeptables Lager bauen.
Das tat Jeremiath dann auch. Er brauchte allerdings eine ganze Weile, bis er einschlafen konnte. Die Banditen, zu denen sie morgen aufbrechen wollten, gingen ihm noch lange durch den Kopf.
Brukosh schien was das Schlafen anging wenig Probleme zu haben, bald war von im nurnoch ein regelmäßiges Atmen zu vernehmen.
Eine gute Stunde später war auch Jeremiath endlich eingeschlafen.
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Re: Jeremiath

Beitrag von KnigRhobarder am Di Mai 08, 2018 8:14 pm

Am nächsten Morgen wurde Jeremiath von ungewohnten Geräuschen geweckt, die sich jedoch als ganz gewöhnliche Arbeitsgeräusche des Hofes herausstellten.
"Guten Morgen", grüßte Jeremiath seinen Begleiter und sah dann nach dem Bauern, um sich noch einmal für Kost und Logie zu bedanken - und womöglich noch ein Frühstück zu bekommen - bevor er sich mit dem Ork wieder auf den Weg machte. Ihr heutiges Ziel: Das Lager der Banditen. Das konnte ja heiter werden...
Sie erhielten ein einfaches Frühstück und Brukosh schien sich mittlerweile vollständig erholt zu haben. Er wirkte voller Tatendrang und konnte es offenbar garnicht erwarten, den Banditen seine Axt in den Schädel zu rammen.
Auch für das Frühstück bedankte sich der Magierschüler artig. Zum Abschied wünschte er dem Bauern noch den Segen der Götter, dann bat er Brukosh, den Weg zu weisen.
"Folgt mir." Brukosh ging voran und führte Jeremiath in Richtung Wald. Dann ging es zunächst eine Weile am Waldrand entlang.
Jeremiath folgte dem Ork und war froh, dass dieser vorausging. Dadurch konnte jener Jeremiaths nervöse Blicke, die er am Waldrand angekommen immer wieder nach links und rechts warf, zumindest nicht sehen.
Schließlich bog Brukosh in einen schmalen Pfad ein, an dem Jeremiath mit Sicherheit einfach vorbeigelaufen wäre ohne ihn überhaupt wahrzunehmen.
Gedanklich ging Jeremiath schon wieder seinen Feuerstoßzauber durch. Auch, wenn er bis jetzt nicht daran gescheitert war, ihn anzuwenden, wenn es darauf ankam, wollte er doch sichergehen, dass er sich nicht vertat, wenn sie das Banditenlager erreichten.
Nach einer Weile blieb Brukosh stehen:"Wir sind fast da." flüsterte er und deutete nach vorne.
Jeremiath schloss für einen Moment die Augen und bat die Götter in einem stummen Stoßgebet um ihren Beistand. Dann fasste er den Speer in der Rechten fester und nickte. "Und Ihr seid Euch sicher, dass der Rest unterwegs ist?", erwiderte er leise.
"Wenn nicht sterben sie eben alle." Brukosh entblößte sein gewaltiges Gebiss zu einem Grinsen.
"Wohl eher wir", dachte Jeremiath, sprach es aber nicht aus. Auch wenn der Ork gerade anders aussah mit seinem Grinsen, so unvernünftig würde er sicher nicht sein. "Ich bin direkt hinter Euch... Mit etwas Abstand, ich tauge auf Distanz mehr als im Nahkampf", flüsterte er.
"Gut, dann folgt mir." Brukosh ging weiter und bald konnte man das Lager der Banditen sehen. Wie vermutet regte sich dort nichts, doch Jeremiath konnte einen Wachposten sehen, wo sich der zweite befand ließ sich aus seiner Position nicht erkennen.
Jeremiath folgte Brukosh so leise wie möglich. Auf den Wachposten machte er den Ork aufmerksam, als er ihn entdeckte.
Brukosh hatte ihn offenbar ebenfalls bereits entdeckt, denn er richtete sich zu voller Größe auf schlug laut und vernehmlich mit der Axt gegen seinen Schild.
Jeremiath hätte ja auf das Überraschungsmoment gesetzt, aber wie es aussah, war dem Ork das zu ehrlos... Um Brukoshs sicherlich als Einschüchterung gedachte Begrüßung nicht zu unterminieren, riss sich auch Jeremiath zusammen und stand, den Speer leicht schräg auf dem Boden haltend, aufrecht. Da Brukosh einen gerechtfertigten Grund hatte, sich an den Banditen rächen zu wollen, überließ es Jeremiath ihm, den Kampf zu eröffnen, anstatt das mit einem Feuerstoßzauber einfach selbst zu übernehmen.
"Was zum Henker?!" der Wachposten fuhr herum und starrte Brukosh an. Dieser stürmte nun mit erhobener Axt auf den Banditen zu.
Das nahm Jeremiath dann mal als Auftakt und zielte an Brukosh vorbei auf den Wachposten, um diesem mit einem Feuerstoß einzuheizen.
Der Zauber traf den Banditen, kurz bevor Brukosh ihn erreichte und sorgte dafür, das er seine Deckung völlig vernachlässigte. Dadurch traf ihn Brukosh mit einem gewaltigen Hieb seiner Axt.
Ha, genau das hatte Jeremiath zu erreichen gehofft! Da er sich sicher war, dass Brukosh den Kampf bereits gewonnen hatte, sah er sich nach dem zweiten Wachposten um. Würde dieser davonlaufen und den Rest der Bande alarmieren, würden sie ein Problem bekommen. Und in den Rücken fallen lassen wollte er sich auch nicht lassen
Der zweite Wachposten war vom Kampflärm angelockt worden und stürmte Waffe schwingend auf Brukosh los. Der Ork wich inzwischen einem ungezielten Hieb seines ersten Gegners aus und brachte ihn mit einem weiteren Hieb zur Strecke.
Den zweiten Wachposten begrüßte Jeremiath nun ebenfalls mit einem Feuerstoß. Nachdem er den ersten Banditen bereits gefällt sah - und das praktisch ohne Widerstand - war er schon deutlich zuversichtlicher.
Der zweite Wachposten hatte Jeremiath bisher übersehen und wurde daher völlig von dessen Zauber überrascht. Durch den Volltreffer abgelenkt rannte er voll gegen Brukoshs Schild, den dieser nach oben gerissen hatte.
Ohne Zeit zu verlieren wirkte Jeremiath einen weiteren Zauber. Er achtete aber darauf, dass er seinen orkischen Begleiter damit nicht versehentlich traf, sondern den Banditen.
Er hätte damit rechnen sollen das Brukosh seinen Gegner mit dem Schild zurückstoßen würde, dann wäre sein Zauber ein Treffer geworden. So zischte der Feuerstoß genau zwischen dem Ork und dem Banditen hindurch, sorgte aber zumindest dafür das der Bandit Jeremiath nun endlich wahrnahm. Derart abgelenkt ging sein Hieb an Brukosh vorbei und die Axt des Orks spaltete ihm den Schädel.
Gut, das ließ Jeremiath durchgehen. Und machte sich eine mentale Notiz, herumtaumelnde Nahkämpfer besser beim Zielen zu berücksichtigen. Da der Schüler dem Ganzen noch nicht traute, sah er sich weiter wachsam um, ob weitere Banditen auftauchten.
Es schienen keine weiteren Banditen im Lager zu sein. Brukosh verpasste indessen der Leiche noch einen kräftigen Tritt:"Ehrloses Pack!" Dann wandte er sich an Jeremiath:"Wir sollten das Lager niederbrennen."
(achja, fast vergessen: +18 EXP für den gewonnenen Kampf)
"Vorher sollten wir es durchsuchen... Es wäre schade darum, Dinge zu verbrennen, die man noch gebrauchen kann. Und wir werden auf der Suche nach den Goblins sicher noch für einige Übernachtungen bare Münze verlieren - damit würden wir das Diebesgut wenigstens noch für eine sinnvolle Sache wieder unter die Leute bringen", redete Jeremiath die Beutesuche schön. Und bevor der Ork ihm wieder mit Kommentaren kam, dass das ehrlos oder unangebracht sei, machte sich Jeremiath auch schon daran, das Lager zu durchsuchen.
"Gute Idee." pflichtete Brukosh ihm jedoch bei und machte sich sogleich daran, die beiden toten Banditen zu durchsuchen. Jeremiath fand im Lager einen Beutel, der offenbar etliche Münzen enthielt.
Jeremiath warf einen Blick hinein, um die Anzahl der Münzen grob abzuschätzen, und hängte sich den Beutel dann neben den von Meister Valorian an den Gürtel, bevor er sich weiter umsah.
Der Beutel war groß und schwer und es war schwer abzuschätzen, wie viel er enthielt. Doch wenn sich Jeremiath nicht täuschte, dann waren es mindestens ein halbes Dutzend Dukanen.
Damit sah Jeremiath die restliche Reise als finanziert an. Dennoch sah er sich weiter um, solange sie die Möglichkeit dazu hatten.
Mehr von Interesse ließ sich nicht finden, doch Brukosh hatte offenbar etwas gefunden. "Davon sollten wir etwas mitnehmen." verkündete er.
Jeremiath wandte sich Brukosh zu und fragte "Wovon?", während er zu ihm aufschloss.
Brukosh hatte das gut gefüllte Vorratslager der Banditen entdeckt, hier gab es reichlich gut haltbare Vorräte. "Wenn wir mitnehmen was wir tragen können haben wir genug für die nächsten paar Tage."
"Sehr schön", stellte Jeremiath zufrieden fest und befolgte Brukoshs Vorschlag.
Nachdem sie sich an den Vorräten bedient hatten, machten sie sich daran das Lager anzuzünden. Aufgrund des vorhandenen Lagerfeuers ließ sich das sogar recht einfach bewerkstelligen.
Jeremiath hoffte nur, dass das Feuer keinen Waldbrand verursachte... Nachdem sie das Lager angezündet hatten, schlug Jeremiath vor, zurück zum Dorf zu gehen und dem Dicken Dörfler zu sagen, dass die Banditen keine Bedrohung mehr darstellten.
Brukosh stimmte dem Vorschlag zu und so machten sie sich auf den Rückweg zum Dorf.
Dort angekommen suchte Jeremiath besagten Spender von Brukoshs Ausrüstung, um ihm die freudige Kunde zu überbringen.
"Ihr habt wirklich ihr Lager niedergebrannt?" Der Mann sah ungläubig zwischen Jeremiath und Brukosh hin und her. "Und die Banditen sind alle tot?"
Jeremiath nickte: "Die Banditen werden euch nie wieder behelligen. Und in ihr altes Lager werden auch keine neuen mehr einzigen, das habt Ihr richtig erkannt."
"Dann sind wir euch zu Dank verpflichtet, ihr habt dem Dorf einen wirklich großen Dienst erwiesen." (+50 EXP)
"Ich habe Euch mein Wort darauf gegeben", konnte sich Jeremiath nicht verkneifen ihn zu erinnern. Schließlich hatte der Dicke erst nichts auf sein Wort gegeben.
"Nun, ich muss zugeben ich habe euch unterschätzt, ich hoffe ihr könnt mir das nachsehen."
"Es wäre möglich, dass wir hier im Dorf noch ein- oder zweimal die Nacht verbringen müssen. Wenn wir dabei auf Eure Gastfreundschaft zählen können, sei es vergeben und vergessen", schlug Jeremiath vor.
"Nun...ähm..natürlich, das sollte kein Problem."
Jeremiath musste schmunzeln, da er das Gefühl hatte, dass Brukoshs Magenhieb dem Dicken noch in zu guter Erinnerung war, um die Selbsteinladung abzulehnen, tarnte es aber als freundliches Lächeln, dass er mit einem "Habt Dank" verband. Dann prüfte Jeremiath den Sonnenstand, um abzuschätzen, ob es sich lohnen würde, heute noch einmal in Richtung der Bolaberge aufzubrechen.
Der Sonne nach zu urteilen war es kurz nach Mittag.
Das war Jeremiath noch zu früh, um den restlichen Tag nur abzuwarten. Außerdem war er von dem reibungslosen Sieg über die Banditen zu motiviert, um nichts zu tun. Also konnten sie auch genauso gut noch einen halben Tagesmarsch aufbringen. Zumal er jetzt zwei Tage an die Banditen verloren hatte.
Brukosh schien sich über die Reaktion des Dicken ziemlich zu amüsieren, sagte aber nichts. Er war jedoch ebenfalls der Meinung dass man den Tag nicht ungenutzt verstreichen lassen sollte.
Jeremiath war sich nie sicher, was der größtenteils schweigsame Ork dachte - oder wie er überhaupt dachte. Daher war er froh, als dieser seine Zustimmung gab. Und so brachen sie abermals auf. Jeremiath erinnerte sich an die Worte seines Lehrmeisters, als er ihn fragte, warum Hochmeister Peragioc sich so schnell so sicher war, dass er ihm Valorian als Lehrmeister zuteilen würde. Jeremiath war kaum dort angekommen, wo er die weitere Suche beginnen sollte, da hatte er schon zwei kleine Abenteuer erlebt. Es schien ganz so, als hätte Peragioc ihn richtig eingeschätzt. Aus irgendeinem Grund machte Jeremiath der Gedanke zusätzliche gute Laune, während sie unterwegs waren.
Als sie das Dorf ein gutes Stück hinter sich gelassen hatten, standen ihnen plötzlich zwei ziemlich abgerissene Gestalten gegenüber. Dummerweise trugen die beiden Waffen "Seid gegrüßt werte Reisende. Ihr seid euch doch sicher darüber im Klaren das diese Straße hier zollpflichtig ist?"
"Den Göttern zum Gruße", erwiderte Jeremiath. "Euch sind doch sicher die Rauchschwaden aufgefallen, die heute über dem Wolfswald aufgestiegen sind?", erwiderte er seinerseits mit einer Frage.
"Rauchschwaden? Ja, dort muss es ein großes Feuer gegeben haben, vielleicht hat sich ja jemand endlich der Banditen dort angenommen? Das wäre wirklich begrüßenswert."
Jeremiath schmunzelte: "Sie haben den Fehler gemacht, sich mit einem Magier und einem Ork anzulegen. Ich bin sicher, wenn Ihr über Eure weiteren Ziele im Leben nachdenkt, werdet Ihr zu der Erkenntnis kommen, dass Ihr klüger seid, als sie es waren, und nicht denselben Fehler begehen werdet."
"Aber wer sagt denn das wir uns mit euch anlegen wollen? Wir wollen lediglich den fälligen Zoll kassieren und ihr müsst doch zugeben das fünf Zechinen pro Nase nicht zu viel sind, oder?"
Jeremiath wandte sich an Brukosh: "Anscheinend habe ich nicht die richtigen Worte gefunden. Wollt Ihr es einmal versuchen?" Er hoffte, dass er den Ork nicht falsch einschätzte, wenn er davon ausging, dass dieser ebenso wenig Interesse daran hatte, sich nach der Aushebung eines Banditennestes von den nächsten Wegelagerern ausnehmen zu lassne.
Brukosh musterte die beidne gestalten eingehend ehe er antwortete:"Sie haben keine Angst vor uns." stellte er fest und widmete seine Aufmerksamkeit nun der Umgebung.
Das war für Jeremiath eindeutig genug. Im Banditenlager hatte er die ganze Zeit damit gerechnet, dass irgendwo der Rest lauern würde. In seinem Optimismus hatte er diese Möglichkeit hier auf der Straße ausgeschlossen. Beide Male hatte er sich offensichtlich getäuscht. Eine schlaue Erwiderung fiel dem Schüler auf die Schnelle nicht mehr ein, Brukoshs Antwort hatte ihn schließlich auflaufen lassen. Also zahlte er dem Halsabschneider die zehn Zechinen.
"Ich wußte doch das ihr ehrliche Leute seid. Ich wünsche eine gute Reise." Den beiden war offenbar herzlich egal wie viel Geld ihre Opfer tatsächlich besaßen.
Die setzte Jeremiath daraufhin auch unmittelbar fort, bevor sie es sich doch noch anders überlegten. "Es scheint hier mehr Banditen als ehrliche Menschen zu geben", fluchte er, nachdem sie einiges an Entfernung zurückgelegt hatten.
"Sie sind schlauer als die im Wald" stellte Brukosh fest. "Für fünf Zechinen wird kaum jemand sein Leben riskieren und wenn sich genug Leute finden dann haben sie ein gutes Auskommen."
Eines Tages, so hoffte Jeremiath, würde er genug gelernt haben, um solches Banditenpack einfach hinwegzufegen. Heute Morgen noch hatte er starke Bedenken, doch dieser Tag hatte sie - zumindest jetzt, da er sich aufregte - beseitigt. "Ich hoffe nur, dass jetzt nicht jeder einzelne Tag auf der Suche nach den Goblins und ihrem Ziel von Banditen begleitet werden wird..."
"ich glaube kaum das alle Banditen so schlau sind wie diese beiden." erwiderte Brukosh.
"Bei einer zahlenmäßigen Überlegenheit, gegen die wir nichts ausrichten können, brauchen sie auch nicht so schlau sein."
"Ich weiß nicht ob sie uns wirklich überlegen waren, ich konnte niemanden sehen."
"Wenn sie trotz ihres abgerissenen Aussehens so sicher und unbeeindruckt waren, dann glaube ich nicht, dass sie ihr Leben wegen je fünf Zechinen mit einem Bluff riskiert haben... Das kann natürlich gerade der Trick sein, sicher..."
"Für fünf Zechinen lohnt es sich nicht, das herauszufinden."
"Wohl wahr", stimmte Jeremiath zu und sie setzten ihren Weg fort.
Bis zum Abend kamen sie nun ohne weitere Unterbrechungen voran.
An diesem suchten sie dann wieder nach einer Unterkunft. Ein Muster, dass sich auch in den kommenden Tagen wiederholen sollte: Tagsüber der Spur der Goblins folgen, abends nach einer Unterkunft in einem Gasthaus oder auf einem Hof suchen - in letzterem Fall immer mit dem Angebot, die Gastfreundschaft zu vergelten, sollten sie bei einem Problem behilflich sein können. Und natürlich erfragen, ob der Wirt bzw. Hofbesitzer etwas von dem Goblintrupp gehört hat und wüsste, wohin dieser unterwegs gewesen ist.
Nach drei Tagen waren sie nur um 5 Zechinen ärmer und gut vorangekommen. Am folgenden Tag würden sie vermutlich das Waldgebiet am Fuße der Bolaberge erreichen können. Auf dem Hof erhielten sie auch die Information, das dies die letzte Ansiedlung vor den Bergen wäre. "Im Wald selbst werdet ihr höchstens auf Holzfäller oder vielleicht einen Jäger treffen." gab der Bauer Auskunft. "Die meisten Menschen meiden die Bolaberge."
"Dann seid Ihr der letzte, den ich fragen kann: Ist Euch vor etwa zwei Wochen ein größerer Trupp Goblins aufgefallen oder habt Ihr einen Eurer Knechte oder die Holzfäller darüber reden hören?"
"Ich selbst habe sie nicht gesehen, aber ich habe davon gehört das sie in Richtung der Berge gezogen sein sollen."
"Von jemandem, der auch nur davon gehört hat, oder von jemandem, der sie oder ihre Spuren tatsächlich gesehen haben will?"
"Ein fahrender Händler sagte er habe sie gesehen, aber ob das stimmt weiß ich natürlich nicht."
Jeremiath überlegte kurz. Hatte im Dorf nicht auch jemand einen fahrenden Händler erwähnt? Verdammt, das Banditenlager hatte ihn so sehr beschäftigt, dass er diesen ganz vergessen hatte! "Und wohin dieser fahrende Händler gezogen ist oder ob er irgendwo regelmäßig vorbeikommt wisst Ihr nicht zufällig?"
"Er kommt immer mal wieder hier auf dem Hof vorbei."
"Solange können wir Euch aber nicht zur Last fallen."
"Ich bezweifle auch das er viel über die Goblins weiß, er klang nicht so als hätte er sich ihnen genähert. Vermutlich war er froh das sie in in Ruhe gelassen haben."
"Das befürchte ich auch, aber bisher ist er der einzige, von dem ich gehört habe, dass er die Goblins gesehen hat und damit der einzige, den ich zumindest fragen kann, ob ihm noch etwas besonderes aufgefallen ist... Außer vielleicht der Jäger, der im angrenzenden Wald jagd, vielleicht noch."
"Was wollt ihr überhaupt von den Goblins? Ich habe noch niemanden getroffen der sich für diese Kreaturen interessiert hätte."
"Ich will vorallem wissen, was sie in einem so großen Trupp so weit weg von den Bolabergen getrieben haben. Noch dazu alle Ansiedlungen umgehend, obwohl sie diese mit ihrer Anzahl wohl mühelos hätten überrennen können. Mich interessiert daran, dass es untypisch für sie ist."
"Ich für meinen Teil bin sehr dankbar das sie einen Bogen um uns gemacht haben. Und die Bolaberge sind auch ohne Goblins schon gefährlich genug."
"Natürlich ist es eine Erleichterung, dass sie die Ansiedlungen eben nicht überrannt haben. Aber wenn sie sich ungesehen so weit von den Bolabergen in solchen Mengen aufhalten konnten, dann graut mir davor, was in Zukunft passieren könnte. Was, wenn sie nächstes Mal keine Umwege nehmen?" Jeremiath schüttelte den Kopf. "Ich halte es einfach für besser, so viel wie möglich in Erfahrung zu bringen, um so wenig wie möglich überrascht zu werden."
"Das ist wahr. Ich hoffe doch ihr warnt uns wenn Gefahr drohen sollte?"
"Meine Reise und meine Nachforschungen wären umsonst, wenn ich etwas herausfinden und die Menschen dann nicht warnen würde. Im Gegenteil, ich trüge Mitschuld, wenn ihnen etwas zustößt, vor dem ich sie hätte warnen können." Jeremiath machte eine kurze Pause. "Aber wenn die Götter uns gewogen sind, dann sind all diese Sorgen unbegründet", versuchte er dann nach seinen düsteren Worten etwas beruhigendereres zu sagen.
"Hoffen wir einfach das beste."
"Hoffen wir es", stimmte Jeremiath zu. Ihnen blieb wohl nichts anderes übrig, als am nächsten Tag nach den Holzfällern oder Jägern zu suchen - oder nur mit dem Wissen, dass die Bolaberge tatsächlich wie vermutet das Ziel der Goblins waren, umzukehren. Da sie soviel aber schon im Kartenraum in der Akademie geschlussfolgert haben, war Jeremiath das zu wenig.
Sein orkischer Begleiter schien über irgendetwas nachzudenken, jedenfalls wirkte er an diesem Abend noch schweigsamer als es sonst der Fall war.
"Euch scheint etwas zu beschäftigen", merkte Jeremiath nach einiger Zeit an.
"Die Goblins. Sie verhalten sich nicht wie Goblins wenn alles stimmt was wir gehört haben."
"Deswegen untersuche ich die Angelegenheit ja... Oder versuche es zumindest. Die Spur, der wir folgen, ist die einzige, die ich habe. Es muss einen Grund für dieses Verhalten geben... Und ich hatte gehofft, bis wir die Bolaberge erreichen jemanden zu treffen, der mir mehr sagen könnte als dass er gehört habe, dass sie dorthin unterwegs waren..."
"Warum sollte sich jemand für die Goblins interessieren wenn sie keine Bedrohung darstellen?"
"Weil wir nicht wissen, ob sie keine Bedrohung darstellen. Im Gegenteil, solches untypisches Verhalten finde ich eher noch beunruhigender. Denn es bedeutet, dass die Goblins in Zukunft auch auf andere untypische Arten und Weisen handeln könnten. Organisierter und überlegter. Was einen Überfall von ihnen wiederum gefährlicher machen würde."
"Ja, aber so weit denken die Bauern nicht."
Jeremiath kramte seine skizzierte Karte mit der ungefähren Route der Goblins und der Umgebung heraus und warf einen Blick darauf. "Leider sind entlang des Weges, den die Goblins eingeschlagen haben, nur Höfe. Und jemand von weiter weg wird auch mit möglicherweise mehr Interesse an den Goblins wohl kaum mehr darüber wissen..."
"Dann müssen wir selbst versuchen etwas herauszufinden."
"Was schlag Ihr vor, etwa in die Bolaberge zu gehen?"
"Wenn ihr dort hinwollt werde ich euch begleiten, aber selbst wenn wir die Berge erreichen müssten wir immer noch mit den Goblins fertig werden..."
Jeremiath schüttelte entschieden den Kopf: "Nein, nein, bei den Göttern! Dafür sind es viel zu viele. Und wer weiß, was außer den Goblins sonst noch alles dort ist, mit dem wir fertig werden müssten. Es klang nur so, als wolltet Ihr eben dies andeuten."
"Ich folge euch einfach. Aber wie wollt ihr etwas herausfinden?"
"Wie gesagt, meine Hoffnung war, dass mir von denen, die entlang der Route der Goblins leben, mehr sagen könnte... Mein nächster Anhaltspunkt wären die Jäger, die hier unterwegs sind und der fahrende Händler. Zumindest letzterer sollte sich ja ein paar Gedanken mehr darüber machen. Wenn sie mir auch nicht mehr sagen können... Dann hoffe ich, dass mir bis dahin wenigstens etwas gescheites eingefallen ist. Oder Euch - Ihr solltet mir nicht folgen, wenn Ihr einen besseren Einfall habt, dem wir stattdessen nachgehen könnten."
"Fahrende Händler wissen meist recht viel, wir müssen ihn nur finden."
"Wir wissen zumindest, dass im Dorf ein paar Tage von hier und hier auf dem Hof regelmäßig einer vorbeikommt... Die Frage ist nur, in welchen Abständen. Soweit ich mich erinnere haben wir ihn im Dorf um einen Tag verpasst, da wir direkt wieder gegangen sind. Wir könnten also Glück haben und er hat dieselbe Route eingeschlagen, wie wir, vielleicht mit ein paar mehr Umwegen, um mehr Höfe unterwegs anzusteuern..."
"Dann müsste er in den nächsten Tagen hier vorbeikommen."
"Genau. Oder er hat einen anderen Weg eingeschlagen und kommt hier erst in ein paar Wochen wieder vorbei, wenn wir Pech haben. Ich werde den Bauern einmal fragen, ob er eine Ahnung hat, wann der Händler wohl das nächste Mal hier vorbeikommen könnte. Er erwähnte ja, dass er immer wieder Mal hier sei, sicher hat ein solcher Händler eine gewisse Regelmäßigkeit."
"Wollen wir es hoffen."
Jeremiath steckte seine Skizze wieder ein und begab sich dann zurück zum Bauer, um ihm besagte Frage zu stellen.
"Der Händler? Ich rechne nicht damit das er in den nächsten Tagen wieder herkommt."
"Hat er bei einem seiner Besuche erwähnt, welche Routen er für gewöhnlich nutzt?"
"Soweit ich weiß nimmt er immer andere Wege, je nachdem wo er den meisten Profit erwartet."
"Also könnte er überall sein, wunderbar", erwiderte Jeremiath seufzend. "Nun gut, habt dennoch Dank." Jetzt versuchte er schon die Spur eines fahrenden Händlers zu finden, um von diesem möglicherweise eine Spur zum Vorhaben der Goblins zu erhalten. Großartig! Schon etwas missmutig kehrte er zu Brukosh zurück, um ihm die wenig hilfreiche Antwort des Bauern mitzuteilen. "Vermutlich wird er im Dorf häufiger Halt machen, als auf dem entlegensten Hof..."
"Ja, wahrscheinlich. Vielleicht haben wir morgen bei den Jägern mehr Glück."
"Hoffen wir es... Das heißt, wenn wir zumindest diese finden."
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Re: Jeremiath

Beitrag von KnigRhobarder am Di Mai 08, 2018 8:15 pm

Am nächsten Morgen brachen sie früh auf und erreichten bald den Waldrand. Dort fanden sie zwar keinen Jäger, aber zumindest einen Pfad der wie es schien zu einer Holzfällerhütte führte.
Nun, das war besser als nichts und sicher kannten sich die Holzfäller und die Jäger in der Region ohnehin. Also konnten sie auch genauso gut fürs erste dem Pfad folgen.
An der Hütte trafen sie niemanden an, aber es ging ein weiterer Pfad etwas tiefer in den Wald hinein.
Bevor Jeremiath diesem Pfad folgte, lauschte er ersteinmal, ob überhaupt von irgendwoher Geräusche von Holzfällern herkamen.
Er konnte nichts hören was nach Holzfällern klang.
"Hrmpf", dachte Jeremiath und schlug den neuen Pfad ein.
Nach einer Weile konnten sie Geräusche vernehmen die zumindest nach Menschen klangen und tatsächlich kam bald ein kleines Holzfällerlager in Sicht. Hier waren drei Männer und zwei Frauen damit beschäftigt, zuvor gefällt Bäume zu zerteilen.
"Den Göttern zum Gruße", grüßte Jeremiath in die Runde, nachdem er zu ihnen gestoßen war und wartete ab, ob einer von ihnen Anstalten machte, seine Arbeit einen Moment für ein Gespräch zu unterbrechen.
"Seid gegrüßt, was führt jemanden wie euch in diesen Wald?" Die Holzfäller schienen den beiden Neuankömmlingen zu mißtrauen, denn sie wirkten ziemlich angespannt.
"Die Goblins", antwortete Jeremiath. "Vor etwa zwei Wochen muss ein größerer Trupp von ihnen hier in der Nähe vorbeigekommen sein und ich suche nach jemandem, der sie oder zumindest ihre Spuren gesehen hat. Einen der hiesigen Jäger zum Beispiel."
"Goblins sieht man hier immer wieder, wir sind froh wenn sie uns in Ruhe lassen. Aber die Jäger wissen darüber bestimmt mehr."
"Wisst Ihr zufällig, wo und wann ich sie finden kann?"
"Ihre Hütte findet ihr wenn ihr am Waldrand Richtung Osten geht. Ihr könnt sie eigentlich nicht verfehlen."
"Habt Dank für die Auskunft!", erwiderte Jeremiath. "Dann will ich Euch nicht länger stören, gehabt Euch wohl", verabschiedete er sich dann, um die Pfade zurückzugehen und dann dem Waldrand in Richtung Osten zu folgen.
Sie waren eine Weile unterwegs, doch schließlich entdeckten sie, versteckt zwischen den Bäumen, ein durchaus ansehnliches Gebäude, das die Bezeichnung 'Hütte' eigentlich nicht verdient hatte. Es war groß, wirkte sehr solide gebaut und bot vermutlich Platz für einige Menschen.
Jeremiath vermutete zwar, dass die Jäger alle auf der Jagd waren und erst am Abend wiederkommen würden, aber er klopfte dennoch an.
"Wer seid ihr?" erscholl als Antwort eine Stimme aus einem der schmalen Fenster im Obergeschoss. Dem Klang der Stimme nach zu urteilen gehörte sie einem jungen Mädchen.
Der Magierschüler trat einen Schritt zurück, um besser nach oben sehen zu können. "Mein Name ist Jeremiath, ich suche nach den Jägern. Ist einer von ihnen Zuhause?", rief er zurück. Was sie wohl kaum waren, da wohl einer von ihnen an der Tür geantwortet hätte, wenn dem so wäre. Aber das hätte die Kleine doch sonst sowieso als nächstes gefragt, was er hier wolle!
"Sie sind auf der Jagd." kam es als Antwort. Ehe Jeremiath jedoch etwas darauf erwidern konnte, zog in Brukosh unsanft an die Hauswand. "Bogenschütze." knurrte er dabei und deutete nach oben zu dem Fenster, aus dem die Stimme kam.
"Das kann doch nicht wahr sein!", erwiderte Jeremiath verärgert und drückte sich an die Hauswand. "Was denn, wir sind natürlich Banditen die anklopfen?!"
"Vermutlich muss man hier draußen mißtrauisch sein." meinte Brukosh. "Warum versteckt ihr euch?" kam nun von oben die Frage.
"Vielleicht, weil ich erschossen zu werden nicht als die Sorte höflicher Begrüßung ansehe, wie Ihr?!", kam die immernoch verärgerte Antwort des Magierschülers. Was für eine dämliche Frage!
Statt einer weiteren Antwort erscholl nun aus dem Fenster eine kurze Folge von Tönen auf einem Horn. Das veranlasste Brukosh dazu, sich kampfbereit zu machen.
"Bei den Göttern, ich bin nicht den weiten Weg aus Silian bis an den Fuß der Bolaberge gelaufen, um an Häuser zu klopfen und alleingelassene Kinder auszurauben!", rief Jeremiath, als sich Brukosh offenbar auf eine Auseinandersetzung vorbereitete. "Ich untersuche ungewöhnliche Aktivitäten der Goblins, deren Spur mich hierhergeführt hat. Die Bauern auf den nahen Höfen und die Holzfäller hier im Wald haben mir gesagt, dass die ansässigen Jäger etwas darüber wissen könnten, DESWEGEN bin ich hier!"
"Vielleicht lassen die Erwachsenen mit sich reden..." brummte Brukosh.
"Die Erwachsenen?", fragte Jeremiath verwirrt. "Ich dachte, ihr hättet einen Bogenschützen gesehen? Ihr meintet damit doch nicht etwa das Kind?"
"Ich habe einen Bogen gesehen, nicht wer ihn hält."
"Verstehe... Nun, dann hoffen wir, dass das Hornsignal die Jäger nicht dazu veranlasst, erst zu schießen und dann zu fragen", erwiderte Jeremiath leicht resigniert und drehte den Speer mit der Spitze auf den Boden, um sich darauf zu stützen. Was ihn, wie er hoffte, nicht gerade als Bedrohung aussehen ließ, wie er da vor dem Haus an der Hauswand stehend wartete.
Sie mussten nicht sehr lange warten, dann kam ein Mann hinter der Hausecke hervor. Seine gespannte Armbrust hielt er auf den Boden gerichtet. "Was führt einen Magier und einen Ork in diesen Winkel des Königreiches?"
Jeremiath hob grüßend die Rechte, bevor er sie wieder an den Stab legte. "Den Göttern zum Gruße", erwiderte er erleichtert. "Wir untersuchen jüngere, ungewöhnliche Aktivitäten der Goblins. Vor etwa zwei bis drei Wochen war ein größerer Trupp von ihnen weit im Landesinneren und hat dabei einen Bogen um alle Ansiedlungen und Gehöfte gemacht. Etwa ein einwöchiger Fußmarsch von hier ins Landesinnere und wieder zurück und so gut wie niemand hat sie gesehen oder etwas bemerkt. Wir haben ihre Spur bis zu den Bolabergen zurückverfolgt und laut den örtlichen Bauern und Holzfällern könnten die hier ansässigen Jäger womöglich etwas darüber wissen."
"Die Goblins? Gesehen haben wir sie nicht, aber ihre Spuren gefunden. Was genau interessiert euch an den Goblins?"
"Was sie so weit von den Bolabergen entfernt getrieben haben. Und warum sie dabei zwar in einem gefährlich großen Trupp unterwegs waren, aber nirgends angegriffen haben, obwohl es für sie sicher ein Leichtes gewesen wäre. Das ist untypisch für sie - und das bereitet mir Sorgen."
"Ein kluger Ansatz." Der Mann nahm den Bolzen von der Armbrust und hängte sich die Waffe über die Schulter. "Kommt mit herein, vielleicht können wir euch weiterhelfen."
"Habt Dank", erwiderte Jeremiath und folgte dem Jäger.
Der Jäger kramte einen Schlüssel hervor und öffnete damit die massive Holztür zum Haus. Drinnen war es geräumig und durchaus gemütlich und Jeremiath bekam nun auch das Mädchen zu Gesicht, mit dem er zu Anfang gesprochen hatte. Sie war tatsächlich ziemlich jung, vielleicht 10 Jahre alt und hatte ihren Bogen noch in den Händen, allerdings ohne Pfeil auf der Sehne.
Jeremiath beließ es dabei, dem Mädchen grüßend zuzunicken. Er wollte das Kind nicht wieder anblaffen, was vermutlich passiert wäre, hätte er den Mund aufgemacht.
"Meine Tochter kennt ihr ja bereits." meinte der Jäger. "Ich hoffe ihr verzeiht ihr das sie so mißtrauisch war, wir leben hier in einer durchaus gefährlichen Gegend."
Jeremiath nickte: "Sicher. Letztlich hat sie Euch ja sogar zurückgerufen, was mir wohl einige Stunden des Wartens erspart hat", gewann er der Situation etwas Positives ab.
"Setzt euch doch." forderte der Jäger die beiden nun auf und deutete auf einen großen Holztisch, an dem einige grob gezimmerte Stühle standen.
Das tat Jeremiath auch. "Ihr sagtet, Ihr könntet uns vielleicht weiterhelfen?"
"Möglicherweise kann ich das, ja." Er wurde kurz unterbrochen, denn die Tür öffnete sich und eine Frau und ein Mann betraten das Haus, beide offenbar ebenfalls Jäger. "Wir haben wie gesagt die Spuren der Goblins gefunden und sind ihnen ein Stück weit gefolgt."
Jeremiath hob abermals die Rechte und grüßte mit seinem üblichen "Den Göttern zum Gruße", wandte sich dann aber direkt wieder seinem Gegenüber zu. "Wohin führten sie?"
"Direkt zu den Bergen, wir haben am Fuß der Berge aufgehört der Spur zu folgen. Die Berge sind einfach zu gefährlich."
"Verständlich... Die örtlichen Bauern erzählten, dass es nichts ungewöhnliches sei, dass Goblins aus den Bergen kommen. Ich nehme aber an, in solcher Anzahl tun sie das für gewöhnlich nicht?"
"Und wenn dann würden sie mit Sicherheit die Höfe überfallen. Ich würde sehr gerne wissen was sie so weit weg von den Bergen wollten."
"Ich auch... Ist Euch in letzter Zeit sonst etwas aufgefallen? Nicht nur in den letzten zwei, drei Wochen, auch davor? Wie weitere ungewöhnliche Bewegungen der Goblins oder Spuren anderer Kreaturen aus den Bergen? Im Moment wissen wir noch viel zu wenig, um irgendetwas ausschließen zu können. Vielleicht sind die Goblins ja nicht einmal die einzigen, die sich anders verhalten."
"Nein, nur die Goblins. Aber das will nichts heißen, wir bleiben meist in der Nähe des Waldrandes wenn wir jagen."
Jeremiath seufzte und fuhr sich mit Daumen und Zeigefinger über die Stirn. Das brachte ihn nicht weiter. "Dann endet die Spur hier wohl... So verrückt bin ich auch nicht, in die Berge zu gehen um dort einen Goblintrupp zu suchen. Nun, habt Dank, ich habe nun zumindest die endgültige Gewissheit, dass der Trupp aus den Bolabergen kam und in diese zurückgekehrt ist. Auch, wenn mir das leider keine Fragen beantwortet."
"Die Berge sind selbst für einen Goblintrupp dieser Größe nicht ungefährlich schätze ich. Sie müssen schon einen guten Grund haben dort hinzugehen."
"Ich dachte, sie leben selbst in den Bergen?"
"Normalerweise leben sie tief im Wald am Fuß der Berge."
"Oh", entfuhr es Jeremiath verdutzt. "Danke für die Richtigstellung. Was leben denn für Kreaturen in den Bergen?"
"Oger, Trolle...und Tiere denen ihr lieber nicht zu nahe kommen solltet."
"Also nichts, was einen Goblin nicht als Mahlzeit ansehen würde... Gibt es denn Spuren, die darauf hindeuten, dass der Trupp die Berge wieder verlassen hat?"
"Zumindest nicht hier auf dieser Seite der Berge."
"Dann sind die Goblins also entweder tot, haben sich in den Bergen ein neues Zuhause gesucht oder haben erst das Landesinnere erforscht und sich dann entschlossen, dasselbe auf der anderen Seite der Berge zu tun. Bis auf die erste erscheinen mir diese Optionen ja eher unwahrscheinlich."
"Wenn sie nur auf die andere Seite gewollt hätten, dann hätten sie die Berge umgangen schätze ich." gab der Jäger zu bedenken. "Und das sie tot sind glaube ich nicht, sie müssen einen guten Grund haben um in die Berge zu gehen, von allein kommen sie bestimmt nicht auf so eine Idee."
"Aber woher sollten sie so einen Grund nehmen? Wenn sie so tief im Wald leben, dann kommen sie doch nicht einfach so von sich aus auf die Idee, mit einem Trupp in die Berge zu gehen und dort zu bleiben."
"Das ist eine gute Frage, ich weiß es nicht. Und ehrlich gesagt möchte ich es auch nicht herausfinden."
Jeremiath winkte ab. "Ich habe auch nur laut gedacht. Wisst Ihr denn, ob es überhaupt derselbe Goblinstamm war, der hier im Wald lebt? Es könnten ja auch Goblins gewesen sein, die von ganz woanders herkamen. Wenn sie schon einen so untypischen Ort wie die Berge aufsuchen, möchte ich das gar nicht mehr kategorisch ausschließen."
"Ich wußte nichtmal das es verschiedene Stämme gibt."
"Stamm... Siedlung... Ich weiß nicht, ob die Goblins so eingeteilt werden. Aber wie wir in vielen Städten und Dörfern leben so haben doch sicher auch die Goblins verschiedene Lager, Siedlungen oder wie man es nennen will. Das meinte ich, verzeiht meine unklare Formulierung."
"Ja, sie haben verschiedene Siedlungen. Ein so großer Trupp müsste aber aus mehreren Siedlungen stammen...oder aus einer ungewöhnlich großen."
"Und eine so große Siedlung wäre sicher jemandem aufgefallen... Also müssen wir davon ausgehen, dass irgendetwas die Goblins nicht nur der hier ansässigen Siedlung, sondern sogar noch weiterer zu ihrem äußerst ungewöhnlichen Verhalten angetrieben hat. Habt Dank, das könnte sich als äußerst wichtiges Detail erweisen", erwiderte Jeremiath und konnte die Sorge über diese neuen Informationen nicht aus seiner Stimme verbergen
"Das klingt nicht so als wäre das etwas gutes."
"Es klang für mich schon in dem Moment nicht nach etwas Gutem, als ich überhaupt zum ersten Mal davon hörte, dass ein großer Trupp Goblins so weit im Landesinneren gesichtet wurde... Und genau deswegen ist es wohl ein nicht außer Acht zu lassender Umstand, dass diese Goblins aus mehreren Dörfern kommen. Mögen die Götter uns davor behüten, dass es etwas noch weniger Gutes nach sich zieht. Könnt Ihr mir sonst noch etwas sagen, was Euch aufgefallen ist?"
"Außer das der Trupp sehr groß war und sich völlig ungewöhnlich verhalten hat? Nein."
"Gut, dann möchte ich Euch für Eure Zeit und Eure Gastfreunschaft danken und beides nicht länger als notwendig beanspruchen. Ich habe unterwegs oft von einem fahrenden Händler gehört, der behauptet, die Goblins selbst gesehen zu haben - vielleicht habe ich Glück und finde ihn und vielleicht hat er noch etwas Neues mitzuteilen."
"Ihr meint sicher Garin. Gut möglich das er die Goblins gesehen hat, aber wenn ihr in finden wollt müsst ihr wirklich Glück haben. Oder lange genug an einem Ort warten, dann kommt er sicher vorbei."
"Fällt Euch ein Ort ein, den er häufiger durchquert und an dem ich bessere Chancen haben könnte, weniger lange warten zu müssen?
"Da wo er gute Geschäfte vermutet. Das kann so ziemlich überall sein."
Diese Antwort hatte Jeremiath erwartet, schließlich hatte er sie schon oft genug zu hören bekommen. "Nun gut, dann hoffe ich, dass mir die Götter gewogen sein werden. Und Euch mögen sie es ebenso sein - gehabt Euch wohl und habt erneut Dank", verabschiedete sich Jeremiath. Jeremiath beschloss, dass er wohl die besten Chancen hatte, wenn er erst einmal den Weg in Richtung des Dorfes auf dieser Seite des Wolfswaldes zurückgehen würde. Unterwegs kannten den Händler alle, aber sie waren ihm nicht begegnet, also waren sie ihm auf dem Hinweg wohl nicht entgegengelaufen. Vielleicht taten sie genau das ja auf dem Rückweg - sie mussten ohnehin Abends wieder eine Unterkunft suchen, da ließ es sich ja leicht nach dem Händler fragen.
"Mögen die Götter eure Reise leiten."
Nachdem sie die Hütte verließen haben teilte Jeremiath Brukosh seine Überlegungen zur Rückreise mit. Auch, dass er vermutlich nach Silian zurückkehren wird, sollte die Suche nach dem Händler ergebnislos bleiben, da er das bisher in Erfahrung gebrachte nicht erst Wochen später berichten wollte, nur, weil er einem Händler hinterhergejagt ist, der überall sein konnte wegen der geringen Chance, dass dieser etwas Neues berichten könnte. Zwar dachte Jeremiath, dass der Händler als Augenzeuge sicher berichten könnte, ob etwas - und vielleicht sogar was - die Goblins mit sich führten, aber über solche Dinge hatte er ja Stillschweigen auferlegt bekommen. Daher ließ er diesen Gedanken unerwähnt.
Brukosh nickte nur:"Ich werde euch folgen."
"Das tut Ihr jetzt schon einige Zeit und das, obwohl Euer Ziel war, Erfahrungen zu sammeln und als Krieger in euer Dorf zurückzukehren. Ich möchte Euch mit meiner Suche wirklich nicht zu lange davon abhalten, so sehr ich mich auch darüber freue, mich dank Euch unterwegs deutlich sicherer fühlen zu können, als wenn ich alleine unterwegs wäre. Denn bisher ist es Euch auf meiner Reise ja leider verwehrt geblieben, sonderlich viel Kampferfahrung zu erlangen, wenn man einmal von den beiden Banditen in ihrem Lager absieht, um die wir uns gekümmert haben."
Brukosh sah ihn ernst an:"Ihr habt meine Ehre gerettet, ich folge euch bis diese Schuld beglichen ist."
Jeremiath nickte: "Und das weiß ich zu schätzen." Es war zwecklos, darüber zu diskutieren, das wusste der Schüler. Deshalb beließ er es dabei und machte sich mit seinem Begleiter auf den Rückweg - in der Hoffnung, dass sie von einer Gelegenheit für Brukosh, seine Schuld zu begleichen, verschont blieben. Nicht, weil er den Ork behalten wollte, sondern weil er einfach keinen Ärger wollte.
Sie blieben in der Tat von jeglicher Begegnung verschont.
Zunächst verlief ihre Reise tatsächlich ereignislos. Als sie am Abend des zweiten Tages jedoch einen Platz für die Nacht suchten, sahen sie etwas abseits des Weges ein Lagerfeuer, neben dem ein großer Karren stand.
Ein großer Karren? Sollten sie wirklich so viel Glück haben? Jeremiath wagte ja kaum, das Lagerfeuer und den Karren für ein Anzeichen auf einen fahrenden Händler anstatt als Anzeichen für eine große Gruppe Banditen mit viel Beute und genug Kampfkraft, um sich nicht vor dem Entdecktwerden fürchten zu müssen, um danach nicht zu enttäuscht zu sein. Aber natürlich war er viel zu neugierig, um nicht nachzusehen.
Am Lagerfeuer saßen drei Männer, ein weiter stand beim Karren und schien Wache zu halten. Jednefalls war er gerüstet und gut bewaffnet. Von den drei am Lagerfeuer war einer ebenfalls gerüstet, die anderen beiden trugen jedoch auch Waffen. Wirklich Sorgen schienen sie sich alle aber nicht zu machen.
"Den Göttern zum Gruße", grüßte Jeremiath in die Runde und drehte seinen Speer abermals mit der Spitze zu Boden, sodass er sich ein wenig auf diesen lehnen und dabei deutlich machen konnte, dass er keine feindseligen Absichten hegte.
"Ah, Reisende. Willkommen, setzt euch ans Feuer." grüßte einer der Männer.
Da Jeremiath seit Tagen, wenn nicht Wochen ununterbrochen unterwegs war, klang ans Feuer Setzen nach keiner schlechten Idee - und wenn es ein Banditentrupp mit reichlich Beute auf dem Wagen war, hatte er ohnehin schon verloren - also warum nicht? "Gern, habt Dank. Jeremiath mein Name", stellte er sich vor. "Mit wem habe ich die Ehre?"
"Garin, fahrender Händler und Freund aller Reisenden. Was führt euch in diese Gegend? Man trifft hier nicht sehr oft Reisende, schon garkeine Magier in Begleitung von Orks."
Jeremiath schloss, bevor er antwortete, einen kurzen Moment die Augen, um den Göttern in einem stummen Stoßgebet zu danken. "Ich folge der Spur eines großen Trupps Goblins, der vor etwa zwei bis drei Wochen diese Gegend durchquert hat, in der Hoffnung, etwas über ihre Beweggründe zu erfahren."
"Goblins sagt ihr? Da seid ihr bei mir genau richtig, denn zufällig bin ich genau einem solchen Trupp über den Weg gelaufen."
"Ich würde zu gern davon hören. Vorallem, da ein fahrender Händler solch eine Begegnung wohl nicht alle Tage heil übersteht."
"Ich bin ihnen natürlich nicht direkt in die Arme gelaufen, aber gesehen habe ich sie. Was genau wollt ihr denn hören?"
"Nun, alles, was Ihr mir zu ihnen sagen könnt. Wann und wo ihr sie gesehen habt und woher sie kamen, wieviele es waren, wie gut ausgerüstet, geordnet und aufmerksam sie schienen, ob sie sonst irgendetwas auffälliges oder besonderes mit sich führten... Ich versuche insgesamt in Erfahrung zu bringen, was sie hier wollten, woher sie kamen und wohin sie unterwegs waren. Und warum das alles. Inklusive aller ungewöhnlichen Auffälligkeiten. In irgendeiner Hinsicht kann sich also jedes Detail als interessant herausstellen."
"Nun, es war ein verdammt großer Trupp Goblins, einen derart großen Trupp habe ich mein ganzes Leben noch nicht gesehen." begann Garin seinen Bericht. "Ihr fragt euch jetzt sicher wie ich es geschafft habe das zu überstehen wo ich doch für so einen Trupp leichte beute wäre. Das lag vermutlich daran das sie es verdammt eilig hatten und alles um sich herum ziemlich ignoriert haben, andernfalls wär
e ich jetzt nicht hier."
"Die Götter müssen Euch gewogen gewesen sein", nickte Jeremiath zustimmend, wolle den Bericht des Händlers aber nicht wirklich unterbrechen. Schließlich verfolgte er die Spur nun schon lange genug, um mit großem - und ihm auch ansehbarem - Interesse etwas aus erster Hand hören zu wollen.
"Sie waren in Richtung der Berge unterwegs, haben dabei aber die Straße gemieden obwohl sie dort bestimmt schneller vorangekommen wären. Ich bin kein Experte was Goblins angeht, aber auf mich wirkten sie sehr organisiert und gut ausgerüstet. Wenn ich mich nicht getäuscht habe, dann hatten sie auch so eine Art Karren dabei, aber ich habe keine Ahnung was sie damit transportiert haben."
"Vielleicht Vorräte? So ein großer Trupp muss ja auch etwas essen. Und von überfallenen Höfen, von denen sie Vorräte hätten erbeuten können oder dergleichen habe ich nichts gehört", mutmaßte Jeremiath.
"Richtig, von Überfällen habe ich auch nichts gehört, obwohl man bei einem solchen Trupp damit doch rechnen sollte. Aber wie dem auch sei, ich bin dankbar dafür das sie kein Interesse an Überfällen hatten, sowas ist immer schlecht fürs Geschäft."
"Hatten sie außer dem Karren noch etwas mit sich geführt? Oder jemanden. Nicht, dass sie als Ausgleich für die ausbleibenden Überfälle jetzt zu Entführungen über gegangen sind..."
"Soweit ich gesehen habe nicht, nein."
"Ihr kommt doch viel herum. Aus der Richtung, aus der die Goblins kamen, wisst Ihr, ob es dort etwas gibt, was für sie von Interesse gewesen sein könnte?"
"Da sie niemanden überfallen haben, weiß ich nichteinmal was sie überhaupt wollten."
"Das ist die große Frage... Nun gut, habt Dank, dass Ihr Eure Geschichte mit mir geteilt habt, werter Garin. Hoffen wir, dass die Goblins auch in Zukunft von Überfällen absehen."
"Solange sie nicht in derart großen Gruppen unterwegs sind kann man ihre Überfälle verkraften. Eine gruppe von dieser Größe wäre aber bestimmt auch in der Lage ein ganzes Dorf zu überfallen."
Jeremiath nickte und wiederholte sich ein wenig: "Hoffen wir, dass es nicht dazu kommt." Dann fügte er hinzu: "Dürfen wir uns für heute Nacht an euer Feuer gesellen? Das erscheint mir doch deutlich sicherer, als im Dunkeln noch nach einer Unterkunft zu suchen."
"Natürlich, ihr dürft uns gerne Gesellschaft leisten. Und falls ihr noch irgendetwas braucht...ich habe ein reichhaltiges Angebot."
Jeremiath konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. "Ich hatte schon eher damit gerechnet, dass Ihr das sagen würdet. Aber da ich auf dem Rückweg zur Akademie nach Silian bin, glaube ich nicht, dass mir Eure Waren von Nutzen wären."
"Vielleicht etwas Proviant für die Reise? Neues Schuhwerk? Ich habe alles was man auf einer langen Reise brauchen kann."
Jeremiath überlegte kurz, wie lange die Vorräte, die sie aus dem Banditenlager mitgenommen hatten, noch reichen würden."
Für die gesamte Rückreise würden die Vorräte nicht reichen.
Da er davon ausging, dass sie auch auf dem Rückweg Unterkünfte finden würden - schließlich gingen sie praktisch denselben Weg zurück, auf dem dies hinzu auch wunderbar geklappt hatte - befand Jeremiath, dass Proviant für die übrigen Tage reichen würde. Er schätze ab, wieviele Tage sie allein mit den mitgenommenen Vorräten auskommen würden und wieviele Tage es dann noch bis Silian waren und erkundigte sich dann bei Garin, was der entsprechende Proviant kosten würde.
"Für acht Zechinen kann ich euch guten, haltbaren Proviant für eure Reise anbieten. Damit kommt ihr bis Silian und werdet jeden Tag satt."
Jeremiath überlegte, ob er nur welchen für sechs Zechinen kaufen sollte, da er ja noch Vorräte hatte. Aber da Garin ihm so bereitwillig erzählt hat, was er gesehen hat, und ihnen auch einen Platz an seinem Feuer für die Nacht gewährte, verzichtete er darauf. "Einverstanden", stimmte er also zu und zählte acht Zechinen aus seinem Beutel ab.
"Ich wußte doch das ich euch etwas anbieten kann." Garin nahm das Geld, ging zum Karren und kramte kurz darin herum. Als er zurückkam, trug er zwei Bündel mit sich, die er Jeremiath und Brukosh überreichte. Der Größe der Bündel nach zu urteilen hatten sie kein schlechtes Geschäft gemacht.
Der angehende Magier nahm das Proviantbündel entgegen und dankte Garin. Nachdem - zumindest von seiner Seite aus - damit alles gesagt war, würde sich Jeremiath ein Plätzchen zum Schlafen suchen, sofern Garin oder Brukosh nicht noch etwas anderes ansprachen.
Das Nachtlager war zwar nicht sonderlich bequem, dafür verlief die Nacht aber ohne Zwischenfälle.
Bevor sie am nächsten Morgen getrennter Wege gingen, fragte Jeremiath Garin sicherheitshalber noch einmal, ob ihm nach einer Nacht darüber schlafen noch etwas erwähnenswertes eingefallen ist, was die Goblins anbelangt.
Garin hatte keine weiteren Informationen mehr und so konnten Jeremiath und Brukosh ihren Weg nun fortsetzen.
Ihr Weg führte sie zurück in Richtung Silian - die "zollpflichtige" Straße umgehend und in gewohnter Manier auf Höfen und in Gasthäusern Unterkunft suchend, wobei Jeremiath auf den Höfen stets seine Hilfe zum Dank für das Obdach anbot.
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Re: Jeremiath

Beitrag von KnigRhobarder am Mi Mai 09, 2018 9:54 pm

Der Rückweg verlief ereignislos und für ihre Unterkunft musste Jeremiath auch nur insgesamt 8 Zechinen zahlen. Trotzdem war Jeremiath nach dem tagelangen Marsch reichlich erschöpft, als sie endlich Silian erreichten.
Am Stadttor von Silian angekommen stützte sich Jeremiath auf seinen Speer und betrachtete durch das Tor für einen Moment das Stadtinnere. Endlich war er wieder hier. Auf dem Weg zur Akademie wandte sich Jeremiath einmal mehr an Brukosh: "Ich werde meinem Lehrmeister in der Akademie berichten, was wir in Erfahrung bringen konnten. Und danach, so die Götter mich von dem nächsten langen Fußmarsch verschonen mögen, meine Ausbildung fortsetzen. Ihr habt meine Reise um ein Vielfaches sicherer gemacht, dafür möchte ich Euch erneut danken. Aber ich weiß nicht, wie lange ich in der Akademie verweilen werde, bevor ich sie das nächste Mal verlasse. Nach den bisherigen Erfahrungen zwar vermutlich schon übermorgen, aber genauso gut könnte das auch erst in ein paar Monaten sein."
Brukosh nickte:"Ich werde warten."
"Das dachte ich mir. Aber bitte nutzt die Zeit, um Eure eigenen Ziele zu verfolgen. Ihr wolltet Erfahrungen sammeln und auch, wenn es in Silian sicher wenig Möglichkeiten dafür für einen Krieger gibt, werden sich in der Region wohl welche finden. Wenn Ihr alle paar Tage einmal hierher kommt und seht, damit ich Euch aufsuchen kann, sollte ich demnächst auf eine neuerliche Reise aufbrechen, dann wäre das doch sicher ein annehmbarer Kompromiss?"
"Ich werde da sein wenn ihr mich braucht."
"Das beantwortet meine Frage und beruhigt mein Gewissen nicht", stellte Jeremiath fest und seufzte leicht. "Sollte ich auf eine neuerliche Reise aufbrechen, werde ich mich am Morgen oder Vormittag vor der Akademie aufhalten. Nach der Mittagsstunde werde ich nicht mehr aufbrechen."
Vor der Akademie blieb Brukosh stehen:"Ich sehe mich in der Stadt um solange ihr dort drinnen seid."
"Mögen die Götter mit Euch sein, Brukosh", verabschiedete sich Jeremiath und betrat nach drei Wochen endlich wieder die Akademie von Silian. Auch, wenn es ihm sehr verlockend erschien, einfach erstmal in den Speißesaal oder auf sein Zimmer zu gehen, führten ihn seine Schritte - wenn auch langsam - in Richtung... Verdammt, wo hatte Valorian überhaupt sein Büro? Gut, Jeremiaths Schritte führten ihn doch erstmal in den Speißesaal, um dort zu sitzen, zu essen und sich zu ärgern, dass er es versäumt hatte, von seinem Lehrmeister zu erfragen, wo dieser überhaupt tagsüber zu finden war.
Auf halbem Weg zum Speisesaal wurde er von Valorian abgefangen:"Ah, da seid ihr wieder. Gesund und munter." Valorian schien sich darüber zu freuen."Kommt, ihr habt bestimmt viel zu berichten."
Jeremiath schaute sich um. "Habe ich ein magisches Glöckchen am Fuß?", fragte er sichtlich überrascht darüber, Valorian einfach so über den Weg zu laufen. Die drei Wochen unterwegs hatten wohl etwas an seiner Höflichkeit gezehrt, wie ihm daraufhin aufging, weshalb er sich wenige Augenblicke später respektvoll verneigte. "Seid gegrüßt, Meister Valorian." Auf den Beginn seines kurzen Berichtes mitten auf dem Gang verzichtete er, stattdessen folgte er seinem Lehrmeister erstmal.
Valorian schmunzelte:"Nein, ihr tragt kein Glöckchen am Fuß, ich habe lediglich am Stadttor nach euch Ausschau halten lassen." Bald erreichten sie ein kleines Studierzimmer, welches Valorian offenbar als Büro diente. "Setzt euch und erzählt von eurer Reise."
"Das ist natürlich auch eine Möglichkeit... Ich habe nach einer magischen Erklärung gesucht und gar nicht an eine gewöhnliche gedacht", gab Jeremiath schmunzelnd zu und setzte sich. "Ich fürchte, ich habe weniger in Erfahrung bringen können, als ich gehofft habe. Aber gut, ich will von vorn beginnen."
"Wir wir es besprochen hatten begann ich meinen Weg in Richtung des Wolfswaldes. Vor diesem angekommen verbrachte ich die Nacht in einem Gasthaus - und so unscheinbar dieser Auftakt meiner Erzählung sich anhören mag, so folgenreich war jene Übernachtung doch für ihren weiteren Verlauf." Warum schwafelte Jeremiath jetzt eigentlich um den heisen Brei herum? Das hatte mit den Goblins doch rein gar nichts zu tun. Vermutlich, da Brukosh alles andere als ein gesprächiger Reisegefährte war und Valorian als jemand, der selbst eine abenteuerliche Vergangenheit hatte, einer ausführlichereren Erzählung nicht abgeneigt war. So oder so, Valorian musste jetzt ausbaden, dass Brukosh so ungesprächig war.
"Schon als ich bei Einbruch der Dunkelheit dieses Gasthaus erreichte hatte ich ein ungutes Gefühl. Eine ganze Gruppe betrunkener und nicht gerade freundlich aussehender Gestalten hielt sich vor dieser auf. Aber den Göttern sei Dank ließen sie mich unbehelligt das Gasthaus betreten, in dem der Wirt mich schon voller Sorge ob dieser Störenfriede empfing und mir erklärte, dass diese Männer nur Ärger machen würden. Das glaubte ich ihm auch sofort, denn im Vorbeigehen schnappte ich einige Wortfetzen auf, wonach irgendjemand wohl die Nacht nicht überleben würde und wenn doch, dann von den Wölfen zerrissen werden würde. Und dass dieser Jemand sich mit den falschen angelegt hätte. Der Wirt war so nett, mich am nächsten Morgen in aller Frühe zu wecken, bevor die Unholde aufwachten, so dass ich sicher weiterziehen konnte."
"Als ich den Wolfswald durchquerte, ergaben die Gespraechsfetzen dann auch einen Sinn. Ich hörte Hilferufe, die eindeutig schon ziemlich ausgezehrt klangen. Ich ging natürlich nachsehen und fand einen Ork an einen Baum gefesselt, der von drei Wölfen umkreist wurde und bereits ziemlich mitgenommen aussah. Bevor ich darüber nachdenken konnte, umzukehren, bevor die Wölfe mich zu ihrem Nachtisch auserkoren, rannte ich auch schon los - aber auf die Wölfe zu statt vor ihnen davon. Mit Fackeln, Feuerstößen und dem Beistand der Götter gelang es mir tatsächlich, die Wölfe in die Flucht zu schlagen. Tatsächlich kann ich mich kaum an Einzelheiten erinnern, in meiner Erinnerung ist alles wie in einem Rausch und viel zu schnell abgelaufen..."
"Ah, das erklärt euren Reisegefährten. Ich hätte es selbst nicht besser machen können." Valorian war sichtlich stolz auf seinen Schüler.
"Jedenfalls befreite ich den Ork aus seiner misslichen Lage und er erklärte mir, dass er nun, da ich sein Leben gerettet hatte, bei seiner Ehre in meiner Schuld stünde, bis er dies begleichen konnte. Vielleicht hat Euer Bote, der meine Rückkehr vermeldete, ja erwähnt, dass ich in Begleitung eines Orks kam? Er hatte unterwegs leider nicht die Gelegenheit gefunden, seine Schuld zu begleichen und fühlt sich noch immer verpflichtet, mir beizustehen. Aber ich schweife ab. Brukosh, so sein Name, und ich erreichten das andere des Wolfswaldes und gelangten in ein Dorf."
"Wie ich eingestehen muss, ließ ich mich in diesem Dorf angekommen bereits zum zweiten Mal von meiner eigentlichen Aufgabe ablenken, um etwas anderes zu tun. Brukosh wurde von den Halunken, die mir beim Gasthaus begegneten, seiner Ausrüstung beraubt und brauchte neue, wenn er mich beschützen und seine Schuld begleichen wollte. Um welche zu kaufen reichten seine ebenfalls geraubte Börse und meine Reisemittel nicht aus, doch einer der einflussreicheren Dörfler unterbreitete uns ein Angebot: Eine Gruppe Banditen - wiederum dieselbe bereits mehrfach erwähnte Bande - machte dem Dorf immer wieder Probleme. Er bot eine Axt und einen Schild für meinen orkischen Begleiter, wenn wir uns des Banditenproblems annehmen würden. Auch, wenn es uns zwei Tage kostete, sah ich es als unsere Pflicht an, etwas gegen sie zu unternehmen, da sie für alle in der Region eine ernstzunehmende Gefahr darstellten, wie ich im Wolfswald mit eigenen Augen gesehen habe."
"Eigentlich hoffte ich, noch weitere Männer zu finden, die sich mit uns zusammentun würden, um die Banditen aufzuhalten, aber keiner im Dorf oder auf den umliegenden Höfen ließ sich dafür begeistern. Nicht einer. Brukosh schlug daraufhin etwas gewagtes vor: Zu warten, bis der Großteil der Banditen unterwegs sei und ihr Lager im Wolfswald dann angreifen, die wenigen zurückgebliebenen Wachen ausschalten, das Lager anzünden und die Banditen somit zumindest aus der Region zu vertreiben. Das würde zwar das Problem insgesamt nicht lösen, aber zumindest konnten wir so das Wort, dass ich den Dörflern gab, halten. Am nächsten Morgen brachen wir daher zum Banditenlager auf und fanden dort tatsächlich nur zwei Wachposten, die wir problemlos überwältigen konnten. Der Plan ging auf, das Dorf war sicher, Brukosh hatte etwas Ausrüstung und wir setzten unseren Weg fort. Worum ging es? Achja, die Goblins. Jetzt komme ich auch endlich mal zu denen, keine Sorge!"
"Die Spuren führten tatsächlich, wie Ihr vermutet habt, in Richtung Berge. Ich folgte ihnen bis an den Fuß der Bolaberge und erkundigte mich unterwegs auf allen nahen Gehöften, ob jemand einen größeren Goblintrupp bemerkt hatte. Aber alle konnten mir nur dasselbe sagen: Die Goblins haben einen Bogen um jeden Hof und jede Siedlung gemacht und niemanden überfallen und natürlich war niemand so verrückt, sich ihnen zu nähern, weshalb mir auch niemand etwas sagen konnte. Bis zum Fuß der Bolaberge hatte ich daher noch immer nichts in Erfahrung bringen können."
Jeremiath machte eine kurze künsterliche Pause, bevor er fortfuhr: "Aber dann, dort angekommen, traf ich endlich auf jemanden, der mir das eine oder andere interessante Detail erzählen konnte! Ein Jäger, der den Spuren gefolgt war. Er konnte bestätigen, dass die Goblins etwa zwei Wochen vor meiner Ankunft dort tatsächlich nicht nur zu, sondern sogar in die Bolaberge gegangen sind. Laut dem Jäger lebten Goblins in einer Siedlung mitten im Wald am Fuß der Bolaberge und es war sehr, sehr untypisch für sie, in die Berge zu gehen. Nachdem es schon untypisch genug war, dass sie sich so friedlich verhalten haben, was das Unterlassen von Überfällen anbelangte. Und noch etwas untypisches konnte der Jäger berichten: Der Goblintrupp war wohl sogar noch größer, als wir angenommen haben. Untypisch groß, denn es waren seiner Aussage nach zu viele Goblins, als dass diese nur aus einer Siedlung allein stammen konnten. Es müssen sich für was auch immer die Goblins in der Ruine getrieben haben also mehrere Siedlungen zusammengeschlossen haben."
"Er wusste auch zu berichten, dass die Goblins die Bolaberge in diesen zwei Wochen nicht wieder verlassen haben. Und obwohl es dort vieles gab, was für sie tödlich wäre, war er sich auch sicher, dass die Goblins nicht alle tot, sondern durchaus noch am Leben waren. Bei einer solch großen Truppe halte ich diese Einschätzung auch für sehr wahrscheinlich. Sie sind meiner Meinung nach zu gezielt und geordnet vorgegangen, nur, um sich dann in den Bolabergen kollektiv fressen oder anderweitig umbringen zu lassen..."
"Nun, jedenfalls traten wir dann die Rückreise vom Fuß der Bolaberge zurück nach Silian an, wobei uns die Götter unterwegs ein weiteres Mal gewogen waren. Viele der Bauern, die ich unterwegs befragte, wussten von einem fahrenden Händler zu berichten, der behauptete, den Goblintrupp mit eigenen Augen gesehen zu haben. Und eben diesen Händler trafen wir auf unserem Rückweg, so dass ich mir von ihm berichten lassen konnte, was er gesehen hatte."
"Viel war das jedoch nicht, wie ich zu meinem Bedauern feststellen musste. Das wohl bemerkenswerteste war, dass er den Goblintrupp beobachten und danach noch lebendig davon berichten konnte. Das passt zu ihrem untypischen Verhalten, auf Überfälle zu verzichten. Der Händler wusste außerdem zu berichten, dass die Goblins sehr in Eile waren. Wenn man beachtet, dass ihr Ziel die für sie tödlichen Bolaberge waren und sie bei ihrer Anzahl und ihrem weitgehend unbemerkten Vorankommen nicht fürchten mussten, von einer Soldatentruppe aufgehalten zu werden, ist es wohl durchaus als bedenklich betrachtbar, dass sie es so eilig hatten, in die Bolaberge zu gelangen... Ansonsten konnte der Händler nur noch sagen, dass sie einen Karren mit sich führten, aber nicht, was sie darauf geladen hatten. Ich halte Vorräte und Proviant ja für wahrscheinlich, da sie sich ohne Überfälle und so in Eile ja versorgen mussten, aber ich möchte nicht ausschließen, dass sie aus der Ruine noch mehr geborgen haben. Schließlich konnte ich dort bei meinen Untersuchungen bis auf den sonderbaren Stein rein gar nichts mehr finden."
"Nun, und jetzt bin ich wieder hier. Mehr kann ich über die Goblins nicht berichten, fürchte ich", schloss Jeremiath seinen Bericht.
"Das sind durhaus interessante Informationen, auch wen sie uns den eigentlich wichtigen Antworten bisher nicht viel näher bringen." (+100 EXP)
Jeremiath nickte zustimmend: "Das ist mir bewusst, aber um die Spur weiterzuverfolgen, hätte ich in die Berge gemusst... Und sie dort erst einmal finden müssen. Ich hätte Euch zumindest diese Informationen wohl nicht bringen können, wenn ich das versucht hätte."
"Nein, es war definitiv klug nicht in die Berge zu gehen, dort ist es bei weitem zu gefährlich."
"Wie sieht nun also unser weiteres Vorgehen aus?", wollte der junge Schüler wissen.
"Das weiß ich selbst noch nicht so genau, ich muss erst alle Informationen zusammenfügen. Doch in eurer Abwesenheit kamen mir weitere Gerüchte über Goblins zu Ohren deren Wahrheitsgehalt noch überprüft werden muss."
"So? Welche denn?" Die Neugier in Jeremiaths Blick war nicht zu übersehen.
"Aus dem Norden des Königreiches wurde ebenfalls über einen ungewöhnlich großen Goblintrupp berichtet, aus einem Dorf gab es Gerüchte über Goblins die Magie nutzen sollen und von einer Ausgrabung im Auftrag des Königs hieß es, das sich plötzlich Goblins für die dortigen Ruinen interessieren würden."
"Also war das nicht der einzige Trupp und die einzige Ruine... Wenn die Gerüchte denn stimmen... Das würde die ganze Sache ja noch beunruhigender machen. Ein großer Trupp, der sich für Ruinen plötzlich interessiert, war ja schon ungewöhnlich. Aber mehrere große Trupps? Und mehrere Ruinen? Alle jetzt in diesem Zeitraum und an verschiedenen Orten des Reiches?"
"Ja, das klingt mir nicht nach einem Zufall. Am sinnvollsten dürfte es denke ich sein wenn wir uns auf die Ruinen der Ausgrabung konzentrieren, dort finden wir vielleicht am ehesten Hinweise darauf was die Goblins suchen."
"Und mit wir meint Ihr, dass das mein nächstes Reiseziel sein wird?", fragte Jeremiath und atmete hörbar aus.
Valorian schmunzelte:"In der Tat. Dort sollte es denke ich auch relativ ungefährlich sein, eine Ausgrabung im Auftrag des Königs wird gut bewacht sein, so dass ihr in Ruhe arbeiten könnt."
"Wenn Ihr gestattet... Lasst mich meine Beine wenigstens einen Tag lang schonen, bevor ich auf die nächste Reise gehe", bat Jeremiath.
"Natürlich, aber ihr solltet euren Reisegefährten nicht zu lange warten lassen, ich schätze es dürfte für ihn recht langweilig sein hier in der Stadt."
"Nun...", begann Jeremiath etwas drucksend. "Ich sagte ihm, dass es gut möglich sein kann, dass ich nun erst einmal einige Zeit in der Akademie bleiben werde, um meine Lehre fortzusetzen und er die Zeit nutzen soll. Er selbst ist ja aus seiner Heimat gegangen, nicht um mich die ganze Zeit zu begleiten, sondern um Kampferfahrung zu sammeln. Die er in Silian wohl nicht finden wird... Weshalb ich ihm sagte, er solle doch ruhig im weiteren Umfeld nach Möglichkeiten suchen, seine eigenen Ziele ebenfalls zu verfolgen, und nur alle paar Tage mal nach Silian kommen, um zu sehen, ob ich wieder aufbreche.. Ich gebe zu, dass ich nicht damit gerechnet habe, dass das so schnell der Fall sein würde."
"Ich bin zwar kein Fachmann für Orks, aber ich bezweifle das er sich sehr weit von der Stadt entfernen wird."
"Das bezweifle ich auch", erwiderte Jeremiath und seufzte. "Er ist sehr... konsequent was diese Schuld und das Hintenanstellen seiner eigenen Ziele anbelangt."
"Für einen Ork ist seine Ehre das höchste Gut, er verhält sich nach seinen Wertmaßstäben vollkommen logisch."
"Und nach meinen fühlt es sich an, als würde ich ihn ausnutzen... Aber ich denke, einen Tag Ausruhen wird er mir nachsehen. Länger werde ich ihn auch gar nicht warten lassen. Wo genau befindet sich diese Ausgrabungsstätte denn?"
"Ich werde euch den Weg zeigen ehe ihr aufbrecht."
"Nun gut... Konnte denn Hochmeister Korgan etwas Neues herausfinden während meiner Abwesenheit?"
"Soweit ich weiß nicht, zumindest hat er sich bisher nicht bei mir gemeldet diesbezüglich. Vielleicht könnt ihr eure Freizeit ja nutzen um selbst einmal nachzufragen."
"Das kann ich tun, interessieren tut mich diese ganze Geschichte schließlich auch... Hochmeister Korgan ist aber nicht jemand, der auf Störungen dieser Art ungehalten reagiert, oder?" Jeremiath dachte gerade daran, auf eigene Faust zu Elowin zu gehen, um ihn zu einer geheim gehaltenen Untersuchung zu fragen, ob er etwas Neues herausgefunden hätte. Und am Ende dieses Gedankens fiel er durch ein Portal irgendwohin ins Nirgendwo.
"Nein, er begrüßt es eher wenn sich Schüler für Dinge interessieren die in sein Fachgebiet fallen."
"Gut, das ist beruhigend zu wissen." Jeremiath überlegte einen Moment, doch ihm fiel für den Augenblick nichts Wichtiges mehr ein. "Wenn Ihr erlaubt, würde ich dann jetzt erst einmal einen Happen Essen. Und dann später Hochmeister Korgan aufsuchen... Nach einem ganz kurzen Nickerchen vielleicht."
"Es ist eure Freizeit, nutzt sie wie ihr es für richtig haltet. Sucht mich auf sobald ihr bereit seid für die nächste Reise."
Jeremiath verneigte sich vor seinem Lehrmeister. "Das werde ich. Gehabt Euch wohl, Meister Valorian." Das, was er angekündigt hatte, tat er dann auch: Seinen unterbrochenen Weg in den Speißesaal fortsetzen, um sich erst einmal zu stärken. Und dann sein Zimmer aufsuchen, um sich etwas hinzulegen - wobei er sich fest vornahm, nur etwas zu ruhen und ein kurzes Nickerchen zu machen und nicht den Rest des Tages zu verschlafen.
Tatsächlich wurde er bald wieder wach und durch das Fenster konnte er die Sonne sehen, die gerade im Begriff war unterzugehen. Zeit fürs Abendessen also.
Schon deutlich erholter ging Jeremiath zurück in den Speißesaal. Da er vor seinem Nickerchen erst etwas gegessen hatte, begnügte er sich mit einer kleineren Portion, so groß war sein Hunger schließlich nicht. Währenddessen hielt er Ausschau nach Korgan.
Im Speisesaal war es zu dieser Tageszeit alles andere als leicht jemanden zu finden, erst recht einen Zwerg, doch schließlich erspähte er Hochmeister Korgan an einem Tisch.
Jeremiath achtete darauf, wer noch am Tisch des Hochmeisters saß und ob dieser damit in ein Gespräch vertieft war, oder ob sich ihm gegenüber noch ein freier Platz befand.
Korgan saß alleine an seinem Tisch und ließ es sich schmecken, als er Jeremiath sah winkte er ihn heran:"Setzt euch."
Dieser verneigte sich erst einmal respektvoll vor dem kleinen Hochmeister. "Guten Abend, Hochmeister Korgan. Habt Dank", nahm er die Einladung an und setzte sich ihm gegenüber.
"Ihr kommt sicher wegen der Sache mit den Runen, was? Ich glaube ich habe ein passendes Objekt für euch gefunden." Der Hochmeister sprach mit der für Zwerge üblichen Lautstärke, die auch an den Nachbartischen vermutlich ziemlich gut zu verstehen war.
Jeremiath brauchte nur einen Augenblick, um Korgan zu verstehen. Seinen kurzen fragenden Blick überspielte er mit einem überraschten "So schnell?", an dass er ein Nicken anschloss. "Das freut mich zu hören, habt Dank für Eure Mühen, Hochmeister Korgan."
"Nun, es war letztlich nicht weiter schwierig etwas passendes zu finden. Wenn ich gegessen habe kann ich es euch gleich zeigen sofern ihr Zeit habt."
"Natürlich, sehr gern", erwiderte Jeremiath fröhlich und aß seine eigene Portion.
Nachdem sie gegessen hatten und Korgan sich ausführlich darüber beschwert hatte das es an der Akademie kein vernünftiges Bier gab, gingen sie in den Keller der Akademie in Korgans Studierzimmer.
Ein Grinsen über Korgans Beschwerde konnte sich Jeremiath nicht verkneifen, er nahm es sich sogar heraus, ihm zuzustimmen. So ein gutes Bier würde das Abendessen tatsächlich aufwerten. Danach folgte er dem Zwerg in dessen Studierzimmer.
"Ich nehme nicht an das ihr weitere interessante Artefakte auf eurer Reise gefunden habt?"
Jeremiath schüttelte den Kopf. "Ich bedaure, nein. Nur die Bestätigung, dass sich unser großer Goblintrupp in Eile in die Bolaberge begeben hat und dabei tatsächlich keine Überfälle begangen hat."
"De Bolaberge sind kein schöner Ort, nicht einmal für Zwerge. Aber ihr seid bestimmt nicht hier um über Berge zu diskutieren."
"Nein, nicht wirklich. Ich wollte Euch fragen, ob Ihr während ich unterwegs war etwas Neues in Erfahrung bringen konntet. Ich stecke jetzt einmal mitten drin in dieser Geschichte und komme nicht umhin, neugierig zu sein, was hinter ihr steckt."
"Viel konnte ich nicht herausfinden, die Magie dieses Steins ist mir fremd. Bisher weiß ich nur das er ein Teil von etwas größerem ist und das dieses größere offenbar mit Gewalt zerstört wurde."
"Meister Valorian erzählte von Gerüchten, nachdenen auch in anderen Teilen des Reiches große Goblintrupps unterwegs waren und sich für andere Ruinen interessierten. Womöglich ist an den Gerüchten etwas dran und sie haben noch weitere Teile dieses Größeren gesucht?"
"Nein, ich glaube nicht das die Goblins diesen Stein gesucht haben. Selbst wenn ich mehr Teile davon hätte, ich bezweifle das man es wieder zusammensetzen könnte."
"Ich denke auch, dass sie nach Was-auch-immer aus dem Sockel im mittleren Gebäude der Ruine gesucht haben... Ich dachte nur, vielleicht ist der Stein von diesem Was-auch-immer abgebrochen und irgendwann in dem Keller gelandet... Aber gut. Ich werde übermorgen zu einer königlichen Ausgrabungsstätte aufbrechen, bei der wohl ebenfalls Goblins gesichtet wurden. Vielleicht finde ich dort mehr heraus."
"Eine königliche Ausgrabung? Das klingt gut, dort werden die Goblins kaum etwas geplündert haben."
"Und vermutlich werden die königlichen Truppen auch mich nicht einfach etwas mitnehmen lassen. Aber ich hoffe doch, dass sich dort einige Truppen befinden, so dass die Ruinen dort auch von Innen untersucht werden und Objekte geborgen werden konnten. Ich hoffe, sie lassen mich zumindest einen Blick darauf werfen, damit ich von eventuellen Funden wenigstens erzählen kann."
"Ich denke wenn ihr dort etwas interessantes findet wird die Erzmagierin schon dafür sorgen das ihr es auch nitnehmen könnt."
"Sofern mir jemand sagt, wie ich vor Ort jemandem aus der Akademie davon berichten kann, ohne erst zurücklaufen zu müssen?"
"Wie wäre es wenn ihr die Erzmagierin nach einem entsprechenden Empfehlungsschreiben fragt?"
"Ehem..." Jeremiath wich Korgans Blick aus. Seit er erfahren hatte, dass er die Erzmagierin an seinem ersten Tag beinahe über den Haufen gerannt hatte, hatte er sie nicht einmal ansehen, geschweige denn ein Wort an sie richten können. "Ich weiss nicht, ob die Erzmagierin persönlich so kurzfristig einen gerade erst aufgenommenen Schüler empfangen würde."
"Vermutlich nicht nein, aber Valorian könnte sich bestimmt darum kümmern, meint ihr nicht?"
Jeremiath atmete erleichtert aus, vermutlich etwas zu offensichtlich in Anbetracht der Tatsache, dass Korgan wohl von der Geschichte gehört hatte. "Natürlich, ich werde ihn fragen... Verzeiht, Hochmeister Korgan, ich bin von dem vielen Laufen noch etwas durch den Wind."
"Ihr Menschen seid wirklich nciht sonderlich belastbar, was?"
"Fehlende Übung!", rechtfertigte sich Jeremiath prompt. "Ich meine, ich bin es noch nicht gewohnt. Das ist alles. Das kommt sicher noch..."
Korgan lachte laut:"Dann solltet ihr mehr üben."
"Deswegen breche ich übermorgen ja auch wieder auf.. Also nein, nicht deswegen, aber das ist direkt die nächste Übung." Jeremiath merkte, dass er zu sehr aus dem Konzept war, um gescheite Antworten zu geben, und trat daher die respektvolle Flucht an. "Aber ich möchte Euch nun nicht mehr Eurer Zeit rauben, Hochmeister Korgan", versuchte er sich an einer Verabschiedung.
"Ihr solltet euch wirklich ausruhen. Ich lasse euch wissen wenn ich mehr herausfinden konnte."
"Ich danke Euch. Gehabt Euch wohl, Hochmeister Korgan", verabschiedete sich Jermeiath mit einer respektvollen Verbeugung und eilte dann davon.
Am nächsten Morgen erwachte Jeremiath gut erholt, in der Akademie schlief es sich eindeutig besser als unterwegs.
Jeremiath ging natürlich erstmal frühstücken und hoffte, dort seinen Lehrmeister wie gehabt anzutreffen.
Tatsächlich fand er Valorian an seinem gewohnten Platz im Speisesaal.
Er setzte sich zu ihm, nachdem er sich wie immer kurz verneigt und ihn gegrüßt hat. "Kann ich Euch nach dem Essen noch einmal sprechen?"
"Natürlich." erwiderte Valorian und nach dem Frühstück gingen sie wieder in sein Studierzimmer, wo sie ungestört waren. "Konntet ihr bei Hochmeister Korgan etwas in Erfahrung bringen?"
"Viel hat er in der Zwischenzeit nicht herausfinden können. Nur, dass der Stein, den ich gefunden habe, ein Bruchstück von etwas größerem ist, das wohl zerstört wurde. Und die Magie des Steines ist ihm nach wie vor fremd", fasste Jeremiath zusammen.
"Ich hatte bereits befürchtet das es schwer werden würde etwas genaueres herauszufinden. Aber warum wolltet ihr mich sprechen?"
"Hochmeister Korgan hatte die Idee, dass ich nicht mit leeren Händen zur königlichen Ausgrabungsstätte aufbrechen sollte, für den Fall, dass ich dort etwas finde, das für unsere Untersuchungen relevant sein könnte. Und schlug daher vor, dass ich mit einem offiziellen Schreiben der Erzmagiern dorthin gehe, um eventuell relevante Funde für die Akademie zu erbitten."
"Das ist garkeine schlechte Idee, allerdings befindet sich bereits ein abgesandter der Akademie bei der Ausgrabung." Valorian dachte einen Moment lang nach. "Aufgrund eures Ranges als Schüler würde man euch ohnehin nicht glauben das ihr als Abgesandter dort seid...aber als Bote wäret ihr absolut glaubwürdig."
"Dann könnte ich ein solches Schreiben auch genauso gut dem Abgesandten vor Ort überbringen... Wobei das natürlich bedeuten würde, dass er davon erfahren würde."
"Ja, so dachte ich mir das. Erfahren würde der Abgesandte aber nur das, was wir ihn wissen lassen wollen. Ich werde ein Schreiben aufsetzen in dem ich darum bitte das er euch einige Tage lang zu Lehrzwecken bezüglich der Ausgrabungen unterweist und ihm gleichzeitig mitteilen, das ihr als Bote sämtliche eventuellen Funde zurück zur Akademie begleiten sollt."
"Das trifft sich gut, da werde ich nicht einmal etwas vortäuschen müssen. Ich interessiere mich ohnehin dafür, etwas über alte Schriften zu lernen. So eine Ausgrabungsstätte klingt nach einem passenden Ort dafür."
"Seht ihr, und schon muss niemand etwas von eurem eigentlichen Vorhaben erfahren."
"Aber wenn es eine königliche Ausgrabung ist, dann werden die königlichen Truppen und Ausgrabungsverantwortlichen doch sicher nicht sonderlich begeistert davon sein, dass ich sämtliche eventuellen Funde laut dem Schreiben zur Akademie bringen soll. Das könnten sie schnell so auffassen, dass ich alles mitnehmen könnte."
"Natürlich nur die Funde, die der Abgesandte für die Akademie als interessant erachtet."
Jeremiath nickte zustimmend. "Natürlich. Und ich bin doch zuversichtlich, dass ich mich mit dem Abgesandten nicht darüber streiten werde, was für die Akademie interessant sein könnte. Gut! Wer ist der Abgesandte denn eigentlich?"
"Das muss ich ehrlich gesagt erst nachschauen wer bei dieser Ausgrabung als Abgesandter vor Ort ist."
"Nun, ich breche ja auch erst morgen auf... Appropo, ich würde einmal sehen, ob ich meinen orkischen Begleiter finde, um ihm das zu sagen."
"Nur zu, bis morgen habe ich das Schreiben aufgesetzt und kann euch sagen wer von der Akademie vor Ort is bei der Ausgrabung."
Jeremiath verabschiedete sich inklusive der Verbeugung von seinem Lehrmeister und verließ dann die Akademie, um sich nach Brukosh umzusehen.
Er musste nicht lange suchen, beim Stadttor wurde er fündig.
"Den Göttern zum Gruße, Brukosh!"
"Seid gegrüßt." Brukosh verneigte sich leicht.
"Ich breche doch schon morgen wieder auf, um weitere Untersuchungen anzustellen... Das mit dem Aufenthalt in der Akademie hat wohl nicht so recht sein sollen."
"Gut, ich begleite euch." Der Ork war sichtlich erfreut über den baldigen Aufbruch.
"Dann treffen wir uns morgen früh hier."
"Ich werde da sein."
"Sehr schön, das macht die Reise wieder um einiges sicherer. Dann bis morgen", verabschiedete sich der Schüler auch schon wieder und kehrte in die Akademie zurück. Dort ging er als erstes in den Trainingsraum, in dem er bereits vor seiner letzten Reise geübt hatte, um den Feuerstoß-Zauber noch dreimal zu üben. Auch, wenn er in dessen Umgang mittlerweile recht sicher war, ein wenig Übung schadete ja nicht. Und ansonsten würde er den Tag nutzen, um endlich einmal wieder in dem Buch über magische Grundlagen zu lesen, dass Meister Samron in der Bibliothek empfohlen hatte. Irgendwann musste er zwischen den Reisen ja auch mal etwas lernen. Am Abend ging er dann nach dem Abendessen beizeiten ins Bett, um am nächsten Morgen ausgeschlafen zu sein, wenn er Meister Valorian aufsuchte, um seine Nachricht an den Abgesandten abzuholen und zu erfahren, wohin er denn nun eigentlich gehen sollte.
Valorian erwartete ihn bereits und überreichte ihm ein versiegeltes Schreiben:"Der Abgesandte vor Ort ist Meister Narmon, ein erfahrener Mann auf dem Gebiet der Artefaktforschung."
Jeremiath nahm das Schreiben an sich und schob es in seine Tasche. "Gut, dann müsste ich nur noch wissen, wo sich diese Ausgrabung befindet. Und da mir die das letzte Mal geholfen hat, würde ich mir wieder eine grobe Skizze des Weges abzeichnen."
Sie begaben sich wieder in den Kartenraum und Valorian zeigte seinem Schüler wo er hinmusste. Die Ausgrabung war zwar ein gutes Stück weit entfernt, doch wie es schien konnte ein großer Teil des Weges auf sicheren Straßen zurückgelegt werden.
Wie das letzte Mal nahm sich Jeremiath Papier und Schreibzeug aus einem Fach an dem Kartentisch und nahm sich die Zeit, um den Weg sowie angrenzende Orte, Wälder, usw. zu skizzieren. Als er damit fertig war, wandte er sich an seinen Lehrmeister: "Gut, ich wäre dann bereit, aufzubrechen. Sofern es nicht noch etwas gibt, das Ihr mir sagen wollt."
"Seht zu das ihr wohlbehalten wieder zurückkommt."
"Ich werde mich bemühen", erwiderte Jeremiath schmunzelnd und verneigte sich. "Gehabt Euch wohl, Meister Valorian." Vor dem Aufbruch ging er natürlich erstmal wieder in den Speißesaal, um sich Proviant geben zu lassen. Mit diesem in der Tasche verließ er die Akademie in Richtung Tor, um Brukosh zu treffen.
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